Schlagwort-Archive: Klimaforschung

Freiheit und Wohlstand als Klimapolitik

Steffen Hentrich

Ökonomische Logik verspricht einen einfachen Umgang mit einem vom Menschen verursachten Klimaproblem: Man belaste die schädlichen Emissionen mit genau den Kosten, die sie für die Gesellschaft verursachen. Mit einer Emissionsabgabe wäre die Rechnung glattgestellt. So einfach die Idee, so schwierig die Umsetzung, denn es ist nicht trivial den Grenzschaden von Treibhausgasemissionen zu ermitteln. Bis heute wird in der Klimafolgeforschung der Versuch unternehmen eine einfache Faustregel zu finden, mit der sich die optimale Höhe einer globalen Abgabe quantifizieren ließe. Einfach ist das nicht, denn neben den physikalischen Zusammenhängen zwischen Treibhausgasen, Temperaturen und Klimaänderungen gibt es auch bei den sozioökonomischen Parametern des Klimamodells unzählige Unbekannte und Wertsetzungen, die eine Punktlandung unmöglich machen. Armon Rezai und Rick van Ploeg stellten kürzlich bei VOX Europe eine einfache Faustformel für die Bestimmung der Höhe einer Treibhausgasabgabe vor. Ein Einstiegssatz von 15 Dollar pro Tonne CO2 ansteigend mit der Wachstumsrate der Weltwirtschaft halten die Wissenschaftler für vernünftig.

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Klima der Angst

Steffen Hentrich

Wissenschaftliche Zweifler lebten schon immer gefährlich, wenn sie an Dogmen rüttelten, die sich zum Fundament von Karrieren, politischer Macht und damit verbundenen wirtschaftlichen Gewinnen entwickelt hatten. Dass sich daran auch im vermeintlich aufgeklärten 21. Jahrhundert nicht viel geändert hat, musste kürzlich der renommierte Klimaforscher Lennart Bengtsson erfahren, der aufgrund seiner Zweifel an der Objektivität der Thesen des IPCC zum globalen Klimawandel ein Angebot zur Aufnahme in den wissenschaftlichen Beirat des klimapolitikkritischen britischen Thinktanks Global Warming Policy Foundation (GWPF) angenommen hatte. Nun hat sich der Wissenschaftler aus Angst vor dem Druck seiner Kollegen aus dieser Position wieder Position wieder zurückgezogen, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Reaktion seiner Kollegen eine erhebliche Einschränkung seiner wissenschaftlichen Arbeit bedeutet hätte. Wörtlich schrieb er in seiner Rücktrittserklärung:

 I have been put under such an enormous group pressure from all over the world that has become virtually unbearable. It is a situation that reminds me [of] the time of McCarthy (Ich bin weltweit unter einen nahezu unerträglichen Gruppendruck geraten, ein Zustand, der mich an die McCarthy-Ära erinnert).

Angesichts der Tatsache, dass sich die Klimapolitik stets mit den den Ergebnissen derselben Forscher legitimiert, die versuchen den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess in eine bestimmte Richtung zu drängen und auf Widerspruch und Zweifel mit Druck und Ausgrenzung reagieren, kann diese Affäre gar nicht hoch genug bewertet werden. Sie ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass die Politik zunehmend weniger objektiv beraten ist.

Klimawandel: Was können wir glauben?

Steffen Hentrich

Vergangenen Montag war ich Besucher einer Berliner Veranstaltung der Helmholtz-Gesellschaft zu Thema Klimawandel. Im Grunde war es ein Streitgespräch zwischen den Klimaforschern Hans von Strorch und Andreas Hense, dem sogenannten Klimaskeptiker Peter Heller (ScienceSkepticalBlog), dem Politikwissenschaftler Oliver Geden und dem Zeit-Journalisten Frank Driescher. Dass der Stand unseres Wissens unsicher ist, obwohl an dem anthropogenen Anteil am Klimawandel kaum Zweifel besteht, darüber war man sich eigentlich einig, auch wenn die politischen Konsequenzen daraus extrem unterschiedlich bewertet wurden. Einig war man sich auch darüber, dass die zunehmende Instrumentalisierung der Wissenschaft durch die Politik eine unglückliche Entwicklung ist. Viel zu wenig Raum nahm in der Diskussion die Frage nach dem adäquaten Umgang der Politik mit dem mühsamen Herantasten der Wissenschaft an die Vorgänge in der Erdatmosphäre ein. Peter Heller deutete in die richtige Richtung mit seiner Bemerkung, dass eine wachsende Wirtschaft nicht nur das Klima beeinflusst, sondern auch eine reichere und weniger verletzbare Welt mit sich bringt. Noch immer wird Klimapolitik im luftleeren Raum diskutiert, als wären die Ressourcen und die menschliche Zeit und Kreativität, die heute dem Kampf gegen die imaginäre Bedrohung Klimawandel geopfert werden, nur für diesen Zweck verwendbar und nicht für all die anderen Probleme der Menschheit, die nicht unmittelbar vom Klimawandel tangiert werden. Nur am Rande spielte ebenfalls die erschütternd schlechte Bilanz der Klimapolitik eine Rolle und die Frage, wer dafür verantwortlich ist. Viel zu wenig wurde beispielsweise über die Frage diskutiert, ob es nicht gerade die planwirtschaftlich organisierte Verbotspolitik der größten Klimaalarmisten ist, die die Kosten der Klimapolitik in die Höhe treibt und damit den Widerstand aus Wirtschaft und Bevölkerung provoziert. Auch an diesem Abend schwebte wieder in der Luft, dass die Szene der Skeptiker von Geld und mangelnder Empathie gegenüber künftigen Generationen getrieben sei, Klimaforscher und -politiker sowie Mainstreamjournalisten, auch wenn sie manschmal übertreiben, hingegen vom Drang nach Wissen und Empathie gegenüber Zeitgenossen und zukünftigen Generationen. Das Weltanschauung und Eigennutz keinem menschlichen Wesen fremd sind, ebenso wie Eitelkeit und Sendungsbewusstsein, steht in den Karten, die auch an diesem Abend nicht auf den Tisch gelegt wurden.

Eine inhaltliche Zusammenfassung des Abend und einige Videostatements der Teilnehmer finden Sie auf der Webseite der Helmholtz-Gesellschaft. Lesenswert sind auch die Zusammenfassungen von Peter Heller auf dem ScienceSkepticalBlog und von Werner Krauss auf der Klimazwiebel.

Klima(politik)krimi

Steffen Hentrich

Bei der Klimazwiebel von Prof. Hans von Storch und seinen Mitstreitern wird eine dubiose Studie zitiert, die zeigen will, dass die globale Erwärmung zu einer höheren Kriminalitätsrate führt. Da werden Wetter- und Kriminalitätsstatistik zusammengerührt um den Klimawandelalarmismus noch furchterregender klingen zu lassen. Wer fürchtet sich nicht, wenn ein wärmeres Klima nicht nur mehr Unbilden der Natur erzeugt, sondern auch mehr Menschen zu Räubern, Mördern oder Vergewaltigern werden lässt. Dass in dieser Studie nicht nur die Zuwächse durch das Aufsummieren über ein knappes Jahrhundert aufgeblasen werden und man versäumt, durch vergleichende Betrachtungen mit anderen klimatischen Regionen die steile These zu validieren, ist ein Versäumnis das bereits in den Kommentaren des Blogs diskutiert wird. Nicht weniger spannend wäre jedoch die Beantwortung der Frage, wie hoch der Kriminalitätszuwachs zu veranschlagen ist, weil Menschen bald klimapolitikbedingt kaum mehr in der Lage sind ihre Energierechnung zu begleichen oder Hunger leiden, weil das Getreide statt ins Brot in den Tank subventioniert wird. Armut und Unterentwicklung sind bekanntermaßen kriminalitätsfördernd, die derzeitige ineffiziente und weitgehend wirkungslose Klimapolitik ist auf diesem Auge blind. Selbst wenn solcherart klimawissenschaftliche Kaffeesatzleserei methodisch sauber nachvollziehbar wäre, wirklich ernst zu nehmen wäre sie erst, wenn die Protagonisten solcher Forschung auch die andere Seite der Medaille in Augenschein nehmen würden.

Klimadebatte: Heucheln nicht nötig

Steffen Hentrich

Es ist nicht nötig nachhaltiges Denken zu heucheln, wenn man in Zukunftsfragen verantwortungsvoll handeln will. Davon ist Peter Heller in seinem Beitrag Klimaschutz ist für die Seele auf dem Weblog ScienceSkepticalBlog überzeugt:

Ich argumentiere gegen Nachhaltigkeit, Vorsorgeprinzip und gegen das daraus resultierende Konzept eines Klimaschutzes durch Vermeidung, weil es an meinen Geldbeutel geht. Ich habe schlicht keine Lust, für Energie, für Heizung, Strom und Treibstoffe zu viel zu zahlen. Eigentlich könnten diese Dinge mittlerweile, einen freien, deregulierten Markt vorausgesetzt, nahezu kostenlos zur Verfügung stehen. Zumindest preiswert genug, um im Vergleich zu anderen Aufwendungen kaum spürbar zu sein. Von mir aus können die Menschen soviel Klimaschutz betreiben, wie sie wollen. Jeder auf seine Weise. Ich mag mich aber nicht daran beteiligen. Ich möchte schlicht und einfach in Ruhe gelassen werden. Ich erkenne keinen Sinn darin, mein sauer verdientes Geld für den Schutz Ungeborener vor irgendwelchen mutmaßlichen Katastrophen der Zukunft aus dem Fenster zu werfen. Meine Eltern haben das nicht getan, meine Großeltern nicht und überhaupt niemand meiner Vorfahren. Trotzdem geht es mir heute besser. Weil eben jede vorhergehende Generation die Herausforderungen ihrer jeweiligen Zeit bearbeitet hat, statt in Zukunftsängsten zu erstarren. Ich möchte nicht auf Möglichkeiten verzichten, die mir die Gegenwart bieten könnte, zugunsten meiner Nachkommen, die davon vielleicht nicht einmal etwas haben.

In seinem Beitrag warnt er auch vor der Gefahr die Klimawissenschaften durch ein Korsett von Werten zur religiösen Bewegung zu machen. Werteorientierte Wissenschaftskommunikation dient schließlich auch nur der Beruhigung des Forschergewissens, von der niemand anderes etwas hat, wenn diese nicht zu einem nachprüfbar nützlichen Ergebnis führt. Das dies nicht der Fall ist, wissen wir heute schon, weil wir sehen welche ineffizienten Wege die real existierende Klimapolitik geht. Steigende Strompreise, verschandelte Landschaften und hungrige Mäuler, ohne spürbare Emissionsminderungen oder gar verhinderte Schäden durch Unwetter und Naturkatastrophen. Nur der Glaube trügt, dass dieses Opfer es wert ist. Führt wertegetriebene Forschung zu einer Politik, die keine anderen Partikularinteressen mehr für die Entscheidungsfindung zulässt und Klimaschutzstrategien wie der „Großen Transformation“ des Wissenschaftlichen Beirats für globale Umweltveränderungen (WBGU) zur einzig denkbaren Option aufbaut, kann man, so Heller, die Demokratie gleich abschaffen. So ist es.

Ökonomische Klimamodelle sind eine irreführende Illusion

Steffen Hentrich

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Klimapolitik aus dem Kaffeesatz?

Robert S. Pindyck, einer der profiliertesten Mikroökonomen seiner Zunft, verreißt in seinem jüngsten NBER-Paper Climate Change Policy: What Do the Models Tell Us? die Scheinwelt ökonomischer Klimasimulationen. Die Frage nach der Aussagekraft von Klimapolitikmodellen beantwortet er bereits mit wenigen Worten in der Zusammenfassung:

Sehr wenig. Eine Unzahl integrierter Bewertungsmodelle (IAMs) sind entwickelt worden, um die gesellschaftlichen Kosten der Kohlendioxidemissionen zu schätzen und verschiedene klimapolitische Alternativen zu bewerten. Diese Modelle haben aber so tiefgreifende Fehler, dass sie als Werkzeuge der Politikanalyse praktisch nicht nutzbar sind: Bestimmte Parameter (wie etwa die Diskontrate) werden willkürlich gesetzt, haben aber einen gewaltigen Einfluss auf das Ergebnis der Modelle; die Modellbeschreibung der Auswirkungen des Klimawandels sind völlig aus der Luft gegriffen, ohne theoretische und empirische Fundierung; die Modelle sagen uns nichts über den wichtigsten Einfluss auf die gesellschaftlichen Kosten der Kohlendioxidemissionen, nämlich die Wahrscheinlichkeit eines katastrophaler Wirkungen des Klimawandels. Modellbasierte Analysen der Klimapolitik vermitteln den Eindruck von Wissen und Präzision, ein Schein der illusorisch und irreführend ist.

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Wie man den Klimakonsens nicht beweist

Steffen Hentrich

Richard Tol, Umweltökonom an der britischen University of Sussex und Autor vieler wissenschaftlicher Aufsätze über die sozioökonomischen Folgen des Klimawandels und der Klimapolitik, ist den   Lesern dieses Weblogs sicherlich gut bekannt. Als vom anthropogenen Klimawandel grundsätzlich überzeugter Skeptiker des klimapolitischen Alarmismus hat er sich in einem umfangreicheren Kommentar den in den vergangenen Wochen von Klimaschützern sehr gern zitierten vermeintlichen Nachweis einer Gruppe um den Australier John Cook des wissenschaftlichen Konsens über die anthropogene Ursache der globalen Erwärmung näher angeschaut. Anhand einiger statistischer Analysen und Test zeigt er, dass die Studie aufgrund ihrer umfangreichen formalen und methodischen Fehler nicht geeignet ist den intendierten Nachweis zu erbringen. Weiterlesen