Schlagwort-Archive: Energieeffizienz

Mehr aus Energie machen?

Steffen Hentrich

„Die umweltfreundlichste und günstigste Kilowattstunde ist die, die wir gar nicht erst verbrauchen.“* Mit diesem Leitsatz will uns die Bundesregierung den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz als zweite Säule der Energiewende schmackhaft machen. Ein Schwerpunkt wird dabei auf die Erhöhung der Energieeffizienz von Gebäuden gesetzt. Als Beleg für die Wirksamkeit dieser Strategie werden, man will es kaum glauben, Prognosen herangezogen. In die Vergangenheit wird dagegen eher selten geschaut. Der amerikanische Umweltökonom Arik Levinson hat das für den US-Bundesstaat Kalifornien gemacht und die Wirkung von Energieeffizienzauflagen für Gebäude auf den Stromverbrauch untersucht (im Gespräch mit Stephen J. Dubner bei Freakonomics). Im Gegensatz zu den vollmundigen Versprechungen der amerikanischen Fans von Energieeffizienzregulierung konnte er keinen Einspareffekt der kalifornischen Auflagen gegenüber anderen, weniger regulierten Bundesstaaten finden. Seiner Analyse nach sind höhere Verbrauchsminderungen gegenüber anderen Bundesstaaten auf die Wanderung der Bevölkerung vom Norden in den Südwesten, eine wegen des günstigen Klimas geringere Einkommenselastizität der Energienachfrage und anders verlaufende demografische Veränderungen zurückzuführen, aber nicht auf die Energieeffizienzauflagen der kalifornischen Regierung. Prognosen berücksichtigen nur unzureichend, dass in die Gebäude von richtigen Menschen gebaut und bewohnt werden, weshalb die Effizienzstandards nur unvollständig umgesetzt oder vom Verhalten der Bewohner konterkariert werden. Das Stichwort Rebound Effect wird zwar auch von Energie- und Umweltpolitikern immer wieder gern in den Mund genommen, aber in Gesetzen nicht ernst genommen. Deshalb ist die Diskrepanz von Wunsch und Wirklichkeit nicht weiter verwunderlich und nicht klar, ob „mehr aus Energie machen“ nicht einfach nur für mehr Kosten steht.

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Energieversorgung ohne heiße Luft

Steffen Hentrich

Leicht verständliche und dabei objektive Nachschlagewerke über die Energieversorgung unserer modernen Industriegesellschaft sind Mangelware. Die einen wollen dem Bürger glauben machen, dass gegen 100 Prozent Energie aus erneuerbaren Energieträger nur der Widerstand profitgieriger Konzerne spräche, wieder andere betonen, energiewirtschaftliche Veränderungen wäre derzeit kaum machbar. Vor einigen Jahren hat der britische Energieexperte David MacKay hier mit seinem Buch Sustainable Energy – without the hot air begrüßenswerte Aufklärungsarbeit geleistet. Inzwischen liegt die Onlineausgabe des Buches auch in einer deutschen Übersetzung von Thomas F. Kercher unter dem Titel Nachhaltige Energiegewinnung ohne die heiße Luft mit einigen Ergänzungen für die Situation in Deutschland vor und kann ebenfalls zur Lektüre sehr empfohlen werden. Wie bereits im Original liegt der Schwerpunkt auf einer energietechnischen Betrachtung, wohingegen die ökonomische Perspektive etwas zu kurz kommt. Zukunftsoptionen werden daher eher aus der Perspektive des technisch machbaren betrachtet, wohingegen die Frage der Opportunitätskosten möglicher Veränderungen in der Energiewirtschaft kaum problematisiert wird.

Bundesregierung rechnet sich Energieeffizienz schön

Steffen Hentrich

Am 08.12.2014 hat die Bundesregierung den Deutschen Bundestag über den Nationalen Allokationsplan Energieeffizienz (NAPE) unterrichtet. Zur Begründung der darin beabsichtigten politischen Triade „Informieren-Fördern-Fordern“ wird angeführt, das Energieeffizienz zur Senkung der Energieausgaben beitragen können und sogar positive Renditen aufweisen können. In der Unterrichtung heißt es auf Seite 5:

Energieeffizienz ist ein wichtiger Bestandteil einer Investitionsstrategie für Deutschland. Die Ausgaben für den gesamten Endenergieverbrauch in Deutschland betrugen zuletzt rund 356 Milliarden Euro. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt entspricht dies einem Anteil von rund 13,5 %. Energieeffizienzmaßnahmen tragen zur Senkung dieser Energieausgaben bei. Bei wirtschaftlichen Effizienzinvestitionen werden die Anfangsausgaben z. B. für die entsprechenden Technologien durch die mittel- und langfristigen Einsparungen bei den Energieausgaben übertroffen. Solche Effizienzmaßnahmen weisen eine positive Rendite auf und lohnen sich nicht nur volkswirtschaftlich, sondern auch für den einzelnen Investor. Die Rentabilität von Effizienzinvestitionen kann für den Investierenden zudem höher sein als die derzeit zu erzielende Rendite von langfristigen (konservativen) Anlagen auf dem Kapitalmarkt. Erfahrungen zeigen, dass die durchschnittliche Rentabilität von vielen Energieeffizienzmaßnahmen etwa bei kleinen und mittleren Unternehmen bei bis zu 20 bis 25 % liegen kann. Auch im Bereich der privaten Haushalte können Effizienzinvestitionen gegenüber konservativen Anlageformen, wie etwa Sparbriefen, einen deutlichen Renditevorteil erzielen, insbesondere wenn energetische Gebäudesanierungen mit ohnehin anstehenden Instandhaltungsmaßnahmen verbunden werden. Darüber hinaus entfalten Effizienzinvestitionen auch volkswirtschaftliche Impulse für mehr Wertschöpfung, Beschäftigung und Innovation in Deutschland. Viele Effizienzmaßnahmen werden daher schon heute realisiert, es gibt jedoch auch noch zu viele Hemmnisse, um die Effizienzpotenziale umfassend heben zu können.

Hierzu ist anzumerken, dass die Nennung der absoluten Ausgaben für den Energieverbrauch für die Bewertung von Energieeffizienzmaßnahmen völlig irrelevant ist. Ausgaben für Energie werden von den Bürgern und Unternehmen nur getätigt, wenn die Nutzen die Ausgaben überwiegen. Insofern lässt sich aus der Ausgabenhöhe lediglich schließen, dass wir Deutschen mindestens so hohe Wertschätzung für Energiedienstleistungen haben, wie wir bereit sind Ausgaben für die dazu notwendigen Energieträger zu tätigen. Nicht mehr und nicht weniger. Wichtig ist hingegen die Frage nach der Wirtschaftlichkeit von Energieeffizienzmaßnahmen, wobei die Bundesregierung der Meinung ist, die Rendite von Energiesparinvestitionen sei mit der Verzinsung langfristiger  (konservativer) Kapitalanlagen zu vergleichen, wobei für private Verbraucher ein Vergleich mit festverzinslichen Sparbriefen angeführt wird.

Irreführender kann die Argumentation kaum sein. Eine Grundregel der Investitionsrechnung ist, dass sich die Rentabilität einer Maßnahme aus dem Vergleich ihrer Rendite mit dem risikoäquivalenten Kapitalmarktzinssatz ergibt. Sparbriefe zeichnen sich aufgrund ihrer festen Verzinsung durch ein sehr geringes Investitionsrisiko aus, was sich in der relativ niedrigen Verzinsung über lange Laufzeiten niederschlägt. Demgegenüber sind Energieeffizienzmaßnahmen keineswegs risikoarme, teilweise sogar hochspekulative Anlagen, da ihre Rentabilität von unzähligen, nicht beeinflussbaren Faktoren abhängig ist. Hierzu zählen die Entwicklung der Energieträgerpreise, die Witterung, das Verhalten der Nutzer während der Armortisationszeit, mögliche Fehler bei Bau und Montage der Effizienztechnik u.v.m. Alternative Kapitalanlagen mit einem äquivalenten Risiko lassen eine wesentlich höhere Rendite erwarten. Für eine korrekte Renditebeurteilung müsste daher auch ein wesentlich höherer risikoäquivalenter Zinssatz herangezogen werden als die Bundesregierung suggeriert. Mit anderen Worten, rechnet sich die Bundesregierung die Energieeffizienz schön. Kein Wunder, dass sich die Bundesregierung über die vergleichsweise geringe Begeisterung der Bürger und Unternehmen für ihre Effizienzpläne wundert und deren Zurückhaltung durch Subventionen und Zwang zu brechen beabsichtigt.

Letztlich finden sich in der Unterrichtung auch die üblichen Scheinargumente Wertschöpfung, Beschäftigung und Innovation wieder. Wertschöpfung durch Energieeffizienzmaßnahmen entsteht lediglich, wenn die Maßnahmen auch wirtschaftlich sind, alles andere ist Umverteilung, die auf Ressourcenverschwendung hinausläuft. Auch die Beschäftigungseffekte können nicht der Habenseite der Bilanz zugerechnet werden, sondern sind als Kosten für Löhne und Gehälter bei den Investoren zu verbuchen, zumal Arbeitsplätze auch bei jeder anderen Verwendung der finanziellen Mittel entstehen würden. Dasselbe gilt für die Innovationseffekte des NAPE, auch hier würde eine alternative Mittelverwendung technischen Fortschritt hervorbringen, der volkswirtschaftlich nur dann positiv zu Buche schlagen würde, wenn er von Beginn an allein aus wirtschaftlichen Erwägungen forciert würde, statt lediglich der Realisierung einer politischen Vision zu dienen.

Elektromobilität: Wer reich ist darf rechts überholen

Steffen Hentrich

Ein weiteren Beleg für die systematische Umverteilung von unten nach oben mittels Energiewende liefert Henning Krumrey in seiner Kolumne Freie Fahrt für saubere Bürger? (S. 19) im Magazin Energie+Mittelstand von UNITI, dem Bundesverband mittelständischer Mineralunternehmen e.V. Während sonst stets von einer diskriminierungsfreien Nutzung öffentlicher Infrastrukturen die Rede ist, soll dieses Prinzip bei der Elektromobilität in Form von kommunalen Privilegien für Elektrofahrzeuge durchbrochen werden. Das kürzlich vom Bundestag verabschiedete Elektromobilitätsgesetz gibt den Kommunen erhebliche Spielräume für die Förderung von Elektrofahrzeugen, wie das BMUB auf seiner Webseite schreibt:

Die Kommunen erhalten mit dem Gesetz die Möglichkeit, Parkplätze an Ladesäulen für die Nutzung von Elektrofahrzeugen zu reservieren, kostenlose Parkplätze anzubieten, Ausnahmen von Zu- und Durchfahrtbeschränkungen (aus Gründen der Luftreinhaltung oder des Lärmschutzes) anzuordnen oder einzelne Busspuren für gekennzeichnete Fahrzeuge zu öffnen, wenn dies im Einzelfall sinnvoll ist und dadurch der ÖPNV nicht behindert wird. Die konkrete Entscheidung liegt im Ermessen der jeweils zuständigen Straßenverkehrsbehörde.

Ob der Umwelt und dem Klima damit gedient ist, müsse mit einem großen Fragezeichen versehen werden, denn ein Hybrid-SUV mit leerer Batterie, so Krumrey, ist ein größerer Spritfresser als ein spritsparender Kleinwagen.

Weiterer Lektüretipp im Heft 4/2014 des Debattenmagazins Energie+Mittelstand (S. 23): Regeln lassen! Ralf Kalscheur über staatliche Eingriffe in energierelevante Konsumentscheidungen und deren tatsächliche Folgen.

Kann Energiesparen nicht zulasten der Wirtschaftsleistung gehen?

Steffen Hentrich

Im aktuellen BMWi-Newsletter bricht Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine Lanze für die Energieeffizienz der Wirtschaft:

Das deutsche Beispiel zeigt schon heute, dass Wirtschaftswachstum nicht zwangsläufig mehr Energieverbrauch bedeuten muss.

Damit hat er im Prinzip nicht unrecht, tatsächlich kann ein sparsamer Umgang mit Energie das Wirtschaftswachstum erhöhen, wenn er insgesamt mit einem geringeren Einsatz von Produktionsfaktoren einhergeht, die dann für andere nutzenstiftende Einsatzmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Da jedoch die Umwandlung von Energie für jede wirtschaftliche Tätigkeit Voraussetzung ist, führt die Rationierung von Energie sehr schnell zu Wachstumseinbußen. Am Beispiel Deutschland lässt sich deshalb auch nicht demonstrieren, dass die Vorstellungen des Wirtschaftsministers von Energieeffizienz nicht wachstumshemmend sind. Hierbei ist nämlich zu berücksichtigen, dass Deutschland in den internationalen Handel integriert ist und ein Teil der im Inland reduzierten Energienutzung einfach ins Ausland verlagert werden kann. Genau das ist im vergangenen Jahrzehnt der Fall gewesen, wie die Veröffentlichung der Umweltökonomischen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamts Direkte und indirekte CO2-Emissionen in Deutschland 2000 – 2010 aus dem April dieses Jahres zeigt. Hier werden zwar nicht der Energieverbrauch, sondern die sehr eng damit verbundenen CO2-Emissionen betrachtet, aber die Schlussfolgerungen laufen in die selbe Richtung: Das deutsche Wirtschaftswachstum ging im vergangenen Jahrzehnt mit einer Zunahme der Summe aus direkten und indirekten CO2-Emissionen einher und damit auch mit einer erhöhten Energiegewinnung aus überwiegend fossilen Energieträgern.

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Warum Energieeffizienzpolitik ineffizient ist

Steffen Hentrich

Erst kürzlich hatte ich auf diesem Weblog den Vorstoß von Bundeswirtschaftsminister Gabriel, der Erhöhung der Energieeffizienz in der europäischen Energiepolitik mehr Gewicht zu verschaffen, kritisiert. Kern dieser Kritik war die Gefahr der Ineffizienz durch Ignoranz gegenüber den Marktkräften und der sehr indirekten Wirkung hinsichtlich der Reduzierung von Treibhausgasen. Beide Argumente greift auch der kanadische Umweltökonom Ross McKitrick in seiner Kurzkritik What’s wrong with energy conservation? auf. Er erläutert anhand numerischer Beispiele, dass Unternehmen, die aufgrund der Preisverhältnisse auf den Faktormärkten zu einem kostenminimalen Faktormix gefunden haben, durch staatliche Energieeffizienzauflagen zwar Energie einsparen können, aber gleichzeitig zu einem Mehreinsatz substitutiver Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital, etc.) gezwungen werden, was deren Gesamtkosten erhöht und damit ineffizient ist. Selbst wenn davon auszugehen ist, dass die Faktorpreise die Belastung der Umwelt nur unzureichend widerspiegeln, wäre eine Korrektur dieser Preissignale einer detaillierten Vorgabe von Energieeffizienzstandards vorzuziehen.

Energieeffizienzpolitik ist geplante Ineffizienz

Steffen Hentrich

Bundesminister Gabriel möchte am liebsten immer alles in einen Topf werfen. Erst letzte Woche äußerte er auf dem Treffen der Energieminister der 28 EU-Mitgliedstaaten, dass „wir die unterschiedlichen Elemente der Energie- und Klimapolitik zusammen diskutieren und entscheiden“ müssten, wobei er das mangelnde Engagement in Sachen Energieeffizienz kritisierte. Weil Energieeffizienzmaßnahmen seiner Meinung nach auf allen Ebenen Kosten sparen und Arbeitsplätze schaffen könnten, forderte er, „dass sich die Europäische Union für 2030 ein ehrgeiziges und verbindliches Energieeffizienzziel setzt, damit wir diese Potenziale endlich heben, überall in Europa.“ Detaillierte Planung bis in die letzte Ecke der Wirtschaft und Haushalte, danach steht der Sinn der deutschen Sozialdemokratie. Der Energieverbrauch soll nicht mehr allein der Entscheidung der Bürger überlassen werden, sondern wird in den Rang eines Staatsziels erhoben. Dabei ist die politische Fixierung auf den Energieverbrauch Deutschlands oder gar der EU mit keinem der drei Ziele der Energiepolitik zu rechtfertigen, weder mit Wirtschaftlichkeit, noch mit Versorgungssicherheit und auch nicht mit Umweltfreundlichkeit. Ganz zu schweigen von vermeintlichen Kosteneinsparungen und Arbeitsplatzeffekten, die in einem Atemzug zu nennen, bereits ein Widerspruch in sich ist.

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