Kapital und Ungleichheit

Detmar Doering

Seit Thomas Pikettys Buch „Das Kapital“ ist es zur Mode geworden, die Verschlimmerung aller Übel der Ungleichheit mit dem Gewinn aus Kapital zu begründen. Kapital sei sozusagen das Krebsgeschwür der Gesellschaft. Das sei eine zweifelhafte Sicht der Realität, meint der peruanische Ökonom Hernando de Soto in diesem Beitrag für die Neue Zürcher Zeitung, die vor allem die Probleme der unterkapitalisierten Ökonomien außerhalb Europas außer Betracht ließe.

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Mehr aus Energie machen?

Steffen Hentrich

„Die umweltfreundlichste und günstigste Kilowattstunde ist die, die wir gar nicht erst verbrauchen.“* Mit diesem Leitsatz will uns die Bundesregierung den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz als zweite Säule der Energiewende schmackhaft machen. Ein Schwerpunkt wird dabei auf die Erhöhung der Energieeffizienz von Gebäuden gesetzt. Als Beleg für die Wirksamkeit dieser Strategie werden, man will es kaum glauben, Prognosen herangezogen. In die Vergangenheit wird dagegen eher selten geschaut. Der amerikanische Umweltökonom Arik Levinson hat das für den US-Bundesstaat Kalifornien gemacht und die Wirkung von Energieeffizienzauflagen für Gebäude auf den Stromverbrauch untersucht (im Gespräch mit Stephen J. Dubner bei Freakonomics). Im Gegensatz zu den vollmundigen Versprechungen der amerikanischen Fans von Energieeffizienzregulierung konnte er keinen Einspareffekt der kalifornischen Auflagen gegenüber anderen, weniger regulierten Bundesstaaten finden. Seiner Analyse nach sind höhere Verbrauchsminderungen gegenüber anderen Bundesstaaten auf die Wanderung der Bevölkerung vom Norden in den Südwesten, eine wegen des günstigen Klimas geringere Einkommenselastizität der Energienachfrage und anders verlaufende demografische Veränderungen zurückzuführen, aber nicht auf die Energieeffizienzauflagen der kalifornischen Regierung. Prognosen berücksichtigen nur unzureichend, dass in die Gebäude von richtigen Menschen gebaut und bewohnt werden, weshalb die Effizienzstandards nur unvollständig umgesetzt oder vom Verhalten der Bewohner konterkariert werden. Das Stichwort Rebound Effect wird zwar auch von Energie- und Umweltpolitikern immer wieder gern in den Mund genommen, aber in Gesetzen nicht ernst genommen. Deshalb ist die Diskrepanz von Wunsch und Wirklichkeit nicht weiter verwunderlich und nicht klar, ob „mehr aus Energie machen“ nicht einfach nur für mehr Kosten steht.

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Meilenstein im Demokratisierungsprozess – Regierungsbildung in Tunesien unter liberaler Beteiligung

Ralf Erbel

Tunesien hat eine neue Regierung. Das im Oktober 2014 gewählte Parlament sprach gestern mit überwältigender Mehrheit der neuen Vier-Parteien-Koalition unter Führung von Premierminister Habib Essid das Vertrauen aus. Hatte der Wahlkampf noch ganz im Zeichen des Machtkampfs zwischen dem säkularen und religiös-konservativen Lager gestanden, einigten sich die rivalisierenden Lager nun auf die Bildung einer großen Koalition. Die islamisch-konservative Ennahda Partei ist damit trotz ihrer Wahlschlappe an der Regierung beteiligt. Prominent vertreten ist auch die aufstrebende sozialliberale Partei Afek Tounes mit drei Regierungsämtern.

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Großbritannien und die EU: Besser drinnen aufgehoben

Detmar Doering

In kaum einem Land wird so heftig darüber gestritten, ob man nun in der EU bleiben wolle, wie in Großbritannien. Nicht nur die rechtspopulistische UKIP, sondern auch viele etablierte Konservative würden gerne der EU den Rücken kehren. Das sei grundsätzlich falsch, meint Declan Ganley (der bisher eher als euroskeptischer Aktivist bekannt war) in diesem Beitrag. Großbritannien würde ökonommische Nachteile aus einem solchen Schritt erfahren und politisch an Einfluss verlieren. Das Land sollte sich lieber stärker in Europa engagieren, um so die EU zu mehr marktwirtschaftlichen Reformen zu dränegn.

Glücksspiel 101

Steffen Hentrich

Was lernt ein zukünftiger Ökonom schon in der ersten Vorlesung? Sinkt das Angebot steigen bei unveränderter Nachfrage die Preise. Ein paar Vorlesungen später wird den Studenten beigebracht, dass dieser Effekt besonders ausgeprägt ist, wenn die Nachfrage wenig preiselastisch reagiert. Berlin liefert passend dazu das beste Anschauungsbeispiel wie man den spielwütigen Bürger gerade nicht schützen sollte. Das Berliner Spielhallengesetz hat die Anzahl der Automaten stadtweit auf maximal 4400 Geldspielgeräte begrenzt und damit den Wettbewerb erheblich eingeschränkt. Spielsüchtige Berliner können dadurch in Zukunft noch einfacher geschröpft werden.

Brennpunkt Pakistan: Solange es gegen andere geht

Olaf Kellerhoff

Mit Bestürzung, Fassungslosigkeit und Unverständnis nehmen Medienkonsumenten im Westen erneut Nachrichten aus Pakistan zur Kenntnis: Der ehemalige Eisenbahnminister und jetzige Parlamentsabgeordnete Ghulam Ahmad Bilour kündigte an, die Angehörigen der Attentäter vom 7. Januar in Paris unterstützen zu wollen.

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2015 – ein Schicksalsjahr für Polen

Dr. Borek Severa

Mehrere entscheidende Ereignisse und politische Entwicklungen beschäftigen die Bürger in Polen zu Beginn des Jahres 2015. Im Mai finden Präsidentschaftswahlen und im Oktober Parlamentswahlen statt. Das Vorgehen Russlands in der Ukraine lässt alte Ängste um die eigene Unabhängigkeit aufleben und setzt die Sicherheitspolitik auf der Prioritätenliste der Regierung ganz nach oben. Zudem haben die jüngsten Streiks der Bergleute deutlich gemacht, dass Polen, das die globale Finanzkrise als einziges der EU-Beitrittsländer ohne Blessuren gemeistert hat, wirtschaftspolitisch unruhigeren Zeiten entgegen geht.

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