Archiv der Kategorie: Weltwirtschaft

Bedeutet Klimawandel Hunger?

Steffen Hentrich

Lässt man sich von den Aussagen von Umwelt- und Entwicklungs-NGO leiten, dann besteht kein Zweifel, dass eine durch Treibhausgase erwärmte Welt ein erhebliches Problem für die globale Landwirtschaft ist und deshalb in nichts anderem als in zunehmendem Hunger enden kann. Indes gibt es für diese Annahme wenig empirische Evidenz, dafür jedoch umso mehr modelltheoretisches Kaffeesatzleserei. Tatsächlich ist der Ertrag von Nutzpflanzen in den vergangenen fünfzig Jahren trotz der globalen Erwärmung kontinuierlich gestiegen, das flächenbezogene Ertragswachstum von Mais, Weizen und Soja weist einen ungebrochen steigenden Trend auf, der nach Aussage des Klimaforschers Roy Spencer auch in absehbarer Zukunft durch neue Züchtungen, gentechnische Saatgutoptimierung und bessere Bodenbearbeitungsmethoden nicht gebrochen werden dürfte.

Ertragswachstum trotz globaler Erwärmung

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Preis und Spekulation

Detmar Doering

Für Preisanstiege bei Rohstoffen und Nahrungsmitteln werden oft Finanzinvestoren verantwortlich gemacht. Deren Spekulation schädige weltweit die Konsumenten. In dieser Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft haben Stefan Reitz und Karl Finger diese These untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass der Einfluss von Spekulation kaum entscheidend für die Preisbildung ist.

Globalisierung realistisch betrachtet

Detmar Doering

Seit den 90er Jahren spricht man von einer neuen Welle der Globalisierung. Sie hat sicher viel zur vertieften Integration der Weltwirtschaft und  zur weiltweiten Wohlstandsmehrung beigetragen. Trotzdem sollte man das ganze weiterhin in einer realistischen Perspektive sehen. Die meisten Länder finden ihre wichtigsten Handelspartner in der unmittelbaren Nachbarschaft, stellt David Yanofsky in diesem Beitrag für Quartz fest. Für Deutschland seien dies vor allem die EU-Nachbarn.

Leistungsbilanz als Zielvorgabe?

Detmar Doering

Leistungsbilanzen sind selten ausgeglichen. Mal gibt es Überschüsse, mal gibt es Defizite. Erreichen die eine bestimmte Größe, ist schnell von “makroökonomischen Ungleichgewichten” die Rede, bei denen die Politik abhelfen muss. Sollte man deshalb gleich politische Zielvorgaben beschließen? Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft hält diese Idee für absurd: “Leistungsbilanzausgleich als Zielvorgabe liefe darauf hinaus, Chancen der globalen Arbeitsteilung zu schmälern und käme finanzwirtschaftlichem Autarkiestreben gleich.”

Schwellenländer: Giganten auf tönernen Füßen?

J. Dehnert, Dr. G. Reitmeier, B. Lamm, B. Groeblinghoff, S. Herzog, Dr. H.-G. Fleck 

Dramatische Abwertungen der lokalen Währungen gegenüber dem US-Dollar, massive Kursverluste an den Börsen und hektische Reaktionen von Zentralbanken und Regierungen wecken Erinnerungen an die Asienkrise oder den Staatsbankrott Argentiniens im Jahre 2002. Galten die Schwellenländer seit der Finanzkrise 2008 als Wachstumsmotoren und Hoffnungsträger, so macht jetzt der Begriff der „Fragile Five“ für einige dieser Länder die Runde. Werden die Schwellenländer zum Opfer des Endes der lockeren US-Geldpolitik oder sind die Probleme hausgemacht? Unsere Experten in Argentinien, Brasilien, Mexiko, Südafrika, Indien und der Türkei haben sich mit dieser Frage beschäftigt.

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Kommt die Weltwirtschaft ins stocken?

Gérard Bökenkamp

Einige Geldtheoretiker haben schon das neue Zeitalter der Geldpolitik ausgerufen, weil die US-Notenbank mit ihrer Niedrigzinspolitik und dem Aufkauf von Staatsanleihen billiges Geld in den Kreislauf pumpt, ohne dass in den USA selbst bisher eine sichtbare Inflation entstanden wäre. Das liegt auch daran, dass viele Dollars in die Schwellenländer abgeflossen sind und dort für einen Wirtschaftsboom gesorgt haben. Dass Niedrigzinspolitik zu Blasen führen kann und dass mit dem Anheben der Zinsen die Blasen platzen, das ist kein neues Phänomen, sondern altbekannt. Dieses Szenario scheint sich nun in vielen Schwellenländern abzuzeichnen. Die Zeitung die Welt hat sich in einem Artikel mit den wirtschaftlichen Perspektiven einiger Schwellenländer befasst.

Globale Energiemärkte und Klimaprognosen

Steffen Hentrich

Glaubt man den Voraussagen des IPCC, dann ist die Welt verloren, wenn nicht gleich heute weltweit drastische Emissionsreduktionen in Gang gesetzt werden. Doch dieses Bedrohungsszenario steht und fällt mit den Annahmen, auf deren Basis die Klimamodellierer ihre Prognosemodelle entwerfen. Ross McKitrick und Joel Wood haben die Prämissen der IPCC-Modelle überprüft und ihnen realistische Annahmen über die Funktionsweise globaler Energiemärkte gegenüber gestellt. Während in den IPCC-Prognosemodellen der Energieverbrauchsanstieg in einigen Weltregionen kaum Einfluss auf die Energiemärkte in anderen Regionen hat, berücksichtigt das Modell der beiden Wissenschaftler  die Übertragung der Preissignale zwischen den Energiemärkten der Regionen.

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Ist die Wirtschaft Chinas überhitzt?

Gérard Bökenkamp

Der Ökonom Claus Vogt legt dar, dass in den letzten fünf Jahren China nicht nur den größten Investitionsboom aller Zeiten erlebte, sondern auch einen Boom in der Kreditvergabe. Dieser Kreditboom sei größer als der der 80er Jahre in Japan, der in einen Crash mündete. Seit 2008 sei die Bilanzsumme der chinesischen Banken von 9 Billionen auf 24 Billionen Euro gestiegen. Die Bilanzsumme aller US-Banken beläuft sich auf 14,6 Billionen. Nach den Erfahrungen der Finanzkrise 2007 ist es also nicht ausgeschlossen, dass in Zukunft auch von China Rückschläge für die Weltwirtschaft ausgehen.

Leistungsbilanzüberschuss: Real kaum vergrößert

Gérard Bökenkamp

Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss wird von der EU und den USA immer wieder kritisiert.  Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss hat im Jahr 2013 einen neuen Rekord erreicht, was dieser Kritik erneut Auftrieb gibt. Michael Grömling macht nun auf dem Blog Wirtschaftliche Freiheit darauf aufmerksam, dass diese Zunahme im Wesentlichen auf Preiseffekten beruht.

Durch die schwächelnde Weltwirtschaft sind die Preise für die Importe gesunken. Das führte im Verhältnis zu den Exporten zu einem größeren Überschuss der Exporte über die Importe. In realen Gütern und Dienstleistungen habe sich hingegen kaum etwas verändert.

Brüssels Abschied von klimapolitischer Unvernunft

Steffen Hentrich

“EU verabschiedet sich von Klimaschutzzielen” titelt heute Spiegel-Online und stellt dabei fest, dass von dem 20-Prozent-Zieltriplett der europäischen Klimaschutzziele nur noch ein einziges Ziel, nämlich die zwanzigprozentige Treibhausgasreduktion übrig bleiben könnte. Anders als der Spiegel aber suggeriert ist das kein Abschied vom Klimaschutz, sondern wenn überhaupt der erste Anschein, dass sich die EU-Kommission auf ihr eigentliches Ziel, eine Bekämpfung des Klimawandels, konzentrieren könnte. Inzwischen dürfte es sich herumgesprochen haben, dass weder die Förderung erneuerbarer Energieträger noch die Gängelung von Bürgern und Unternehmen mit Energieeffizienzzielen irgendeinen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Steigende Kohlendioxidemissionen aus Kohlekraftwerken, die den Atomausstieg und die unstete Stromproduktion der erneuerbaren Energien kompensieren müssen, sind ebenso wie hohe Emissionvermeidungskosten, deren Gegenwert wesentlich effektiver anderweitig einsetzbar wäre, sind Beleg genug für das Scheitern der EU-Klimapolitik. Was hier bislang als Erfolg auf dem Zielpfad gefeiert wurde, verpufft praktisch vollständig im Wechselspiel mit dem europäischen Emissionshandel, der den Handelsspielraum der Emittenten durch eine feste Emissionsobergrenze feststeckt. Ob nun Strom aus erneuerbaren Energieträgern kohlendioxidneutral produziert wird oder in einzelnen Bereichen der Wirtschaft weniger Strom verbraucht wird oder nicht, nichts davon hindert die Emittenten diese Obergrenze nicht auszunutzen. Wird weniger emittiert, sinkt der Preis der Emissionsrechte und es steigt der Anreiz die Emissionen wieder auszudehnen. Feste Quoten für Erneuerbare Energieträger und Energieeffizenz machen diese Anpassung nur teurer, weil sie verhindern, dass die Wirtschaft sich kostenminimal an die europaweite Emissionsobergrenze anpasst. Angesichts der hohen Stromkosten für Bürger und Unternehmen, steigende Investitionskosten für energieeffiziente Anlagen und Haushaltsgeräte sowie zunehmendem Unmut in der Bevölkerung über die Gängelung durch die Energiepolitik scheint man in Brüssel offenbar die Hand an die Notbremse zu legen. Es bleibt abzuwarten, wann die Vernunft endgültig siegt und auch das letzte 20-Prozent-Ziel auch noch über Bord geworfen wird. Denn auch eine isolierte Treibhausgasreduktion der EU-Länder hat keinen nennenswerten Einfluss auf das Weltklima, der das damit verbundene ökonomische Opfer rechtfertigen würde. Und wirtschaftliche Schwäche ist das letzte Argument, mit dem es gelingen könnte die Weltgemeinschaft zurück an den Verhandlungstisch zu bringen.

Der Preis des Wohlstands ist die Verteidigung der Freiheit

Steffen Hentrich

Jeffersons Mahnung, dass der Preis der Freiheit ewige Wachsamkeit sei, lässt sich auch auf den Prozess der wirtschaftlichen Entwicklung anwenden: Der Preis wachsenden Wohlstands ist die anhaltende Verteidigung einer marktorientierten Ordnungspolitik, die, das ist uns Liberalen nur zu bewusst, nichts anderes als die Verteidigung der individuellen Freiheit ist.

Mit diesem Satz endet Juan Carlo Hidalgos Essay The Rise of Emerging Economies: Challenges and Liberal Perspectives, indem er aus liberaler Perspektive den wirtschaftlichen Aufschwung in den Schwellenländern beschreibt, aber auch darauf hinweist, dass bei all dem erreichten Fortschritt der menschlichen Entwicklung keine Garantie für einen stabilen Wachstumspfad nach oben gegeben ist. Fortschrittsfeindlichkeit und einem Gleichheitsideal sowie Zukunftsangst folgende politische Ideologien hemmen die Wohlstandsentwicklung ebenso wie politische Machtapparate, deren Institutionen Selbstbedienungsläden korrupter Eliten sind.

Wohin geht China?

Steffen Hentrich

China, die Wirtschaftsmacht auf ihrem autokratischen Sonderweg, ist noch immer ein rätselhaftes Land. Vor zwei Jahren übernahm die nunmehr fünfte Generation von autokratischen Führern seit 1949 das Ruder dieses riesigen und bevölkerungsreichen Landes. Wo geht die politische Reise jetzt hin? Was bedeutet das für die chinesische Bevölkerung und was für den Rest der Welt? Der amerikanische Politologe und weltweit anerkannte Chinaexperte David Shambaugh hat die gegenwärtige Situation und den sich abzeichnenden Wandel für das Liberale Institut analysiert: Assessing China’s Political System And New Leadership, Ocassional Paper 118, 2013.