Archiv der Kategorie: Umwelt-/Klimapolitik

Ziehen sich die erneuerbaren Energieträger selbst aus dem Sumpf der Energiewende?

Steffen Hentrich

Laut einer Analyse (pdf) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hätten die deutschen Stromverbraucher im Jahr 2013 ganze 11,2 Mrd. Euro durch die Nutzung erneuerbarer erneuerbarer Energieträger gespart, weil diese mit null Grenzkosten den Börsenpreis kräftig nach unten gedrängt hätten. Dabei sind die Forscher davon ausgegangen, „dass der Anteil der konventionellen Erzeugungskapazitäten in der kurzen Frist (< 5 Jahre), in der der überwiegende Anteil an erneuerbarer Kapazität zugebaut wurde, konstant geblieben wäre, auch wenn es den Zubau Erneuerbarer Energien so nicht gegeben hätte.“ (S. 26) Begründet wird diese Annahme mit einem langen Planungshorizont konventioneller Kraftwerke und der hohen Investitionsunsicherheit unter den Bedingungen eines liberalisierten Energiemarktes. Abstrahiert wurde ebenfalls von einer Reduktion der Energienachfrage als Reaktion auf steigende Preise und von einer Angebotsraktion durch weniger stillgelegte Kraftwerke.

Wegen dieser Annahmen muss jedoch das gesamte Analyseergebnis mit einem dicken Fragezeichen versehen werden. Der Grund für steigende Grenzkosten konventioneller Kraftwerke ist neben der Abschaltung mehrerer Kernkraftwerke vor allem in den besonderen Einsatzbedingungen konventioneller Kraftwerke  und der Investitionsunsicherheit infolge der Energiewende zu sehen. Kurzfristig erhöht der stärker schwankende und schwer prognostizierbare Einsatz des konventionellen Kraftwerksparks die Grenzkosten und mittel- bis langfristig reduziert sich der Investitionsanreiz mit der Folge eines sinkenden Stromangebots und steigender Preise. Ohne die Einspeisung des Stroms aus erneuerbaren Energieträgern wären die Grenzkosten konventioneller Kraftwerke niedriger gewesen, was auch mit relativ niedrigeren Börsenpreisen verbunden gewesen wäre.

Weiterlesen

Mehr aus Energie machen?

Steffen Hentrich

„Die umweltfreundlichste und günstigste Kilowattstunde ist die, die wir gar nicht erst verbrauchen.“* Mit diesem Leitsatz will uns die Bundesregierung den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz als zweite Säule der Energiewende schmackhaft machen. Ein Schwerpunkt wird dabei auf die Erhöhung der Energieeffizienz von Gebäuden gesetzt. Als Beleg für die Wirksamkeit dieser Strategie werden, man will es kaum glauben, Prognosen herangezogen. In die Vergangenheit wird dagegen eher selten geschaut. Der amerikanische Umweltökonom Arik Levinson hat das für den US-Bundesstaat Kalifornien gemacht und die Wirkung von Energieeffizienzauflagen für Gebäude auf den Stromverbrauch untersucht (im Gespräch mit Stephen J. Dubner bei Freakonomics). Im Gegensatz zu den vollmundigen Versprechungen der amerikanischen Fans von Energieeffizienzregulierung konnte er keinen Einspareffekt der kalifornischen Auflagen gegenüber anderen, weniger regulierten Bundesstaaten finden. Seiner Analyse nach sind höhere Verbrauchsminderungen gegenüber anderen Bundesstaaten auf die Wanderung der Bevölkerung vom Norden in den Südwesten, eine wegen des günstigen Klimas geringere Einkommenselastizität der Energienachfrage und anders verlaufende demografische Veränderungen zurückzuführen, aber nicht auf die Energieeffizienzauflagen der kalifornischen Regierung. Prognosen berücksichtigen nur unzureichend, dass in die Gebäude von richtigen Menschen gebaut und bewohnt werden, weshalb die Effizienzstandards nur unvollständig umgesetzt oder vom Verhalten der Bewohner konterkariert werden. Das Stichwort Rebound Effect wird zwar auch von Energie- und Umweltpolitikern immer wieder gern in den Mund genommen, aber in Gesetzen nicht ernst genommen. Deshalb ist die Diskrepanz von Wunsch und Wirklichkeit nicht weiter verwunderlich und nicht klar, ob „mehr aus Energie machen“ nicht einfach nur für mehr Kosten steht.

Weiterlesen

Mindestlohn für Abfallsortierer

Steffen Hentrich

Für die Bürger dieses Landes gehört es inzwischen zum Alltag unentgeltlich die Sortierarbeit für die Abfallverwerter durchzuführen, da diese per Gesetz dazu verpflichtet sind Reststoffe der Verwertung zuzuführen. Nicht immer rechtfertigt der Aufwand den wirtschaftlichen und ökologischen Ertrag der Abfalltrennung, selbst wenn der materielle und zeitliche Aufwand der Bürger unberücksichtigt bleibt. Die Erfassung von Bioabfällen kann aber ein lukratives Geschäft sein, wenn es sich beispielsweise um die Rohstoffe für von der EEG-Vergütung profitierende Biogasanlagen handelt. Hier werden dann Bioenergietonnen eingeführt, die von den Bürgern ohne Aufwandsentschädigung befüllt werden, obwohl die Verwerter kräftig an dieser Arbeit verdienen, was die Verbraucher wiederum mit ihrer Stromrechnung zu bezahlen haben. Seit Beginn dieses Jahres wäre diese Form der unentgeltlichen Arbeit eigentlich ein Fall für den Mindestlohn.

„Bundesweites Verbot“ der Vernunft

Steffen Hentrich

Mit der jetzt im EU-Parlament beschlossenen Änderung der EU-Freisetzungsrichtlinie wird es den EU-Mitgliedsstaaten zukünftig freigestellt nationale Alleingänge einzuschlagen. Umweltministerin Babara Hendricks will als Reaktion das deutsche Gentechnik-Gesetz so ändern, dass ein bundesweites Verbot der Gentechnik in der Landwirtschaft möglich wird. Dagegen spricht EU-Recht, das ein Verbot nur mit Begründung für jeden Einzelfall möglich macht. Die Bundesregierung will es sich offenbar leicht machen, denn ein pauschales Verbot würde die Politik von der Mühe befreien wissenschaftlichen Sachverstand statt Populismus und Ideologie als Rechtsgrundlage anzuwenden. Kein Wunder, dass die Umweltministerin auf das Pauschalverbot setzt, denn im Einzelfall ist es deutlich schwerer stichhaltige Gründe für ein Anbauverbot anzuführen. Das folgt schon aus der Tatsache, dass es sich bei der zur Diskussion stehenden Form der Gentechnik um die am meisten erforschte und regulierte Pflanzentechnologie handelt. Prinzipiell wären auch konventionelle Züchtungsverfahren der Gentechnik zuzurechnen, da das Ergebnis stehts eine Veränderung des pflanzlichen Genoms ist, teilweise mit deutlich höherem Ausmaß und Wirkung auf die Eigenschaften der Pflanzen. Das die genetische Veränderung bei Hybriden, Nutzflanzen, bei denen durch künstlich herbeigeführte Polyploidie neue Pflanzeneigenschaften entstehen, oder auch durch Mutationszüchtung erzeugten Nutzpflanzen deutlich umfangreicher sind als bei transgenen Verfahren und diese zumeist gar nicht oder deutlich weniger auf ihre gesundheitliche oder ökologische Wirkung getestet wurden (siehe den Vergleich verschiedener technologischer Verfahren zur Änderungen von Nutzpflanzeneigenschaften von Prof. Kevin M. Folta) hält beispielsweise den Biolandbau nicht davon ab, sich auf diese Art der Gentechnik zu verlassen. Die Bundesregierung zeigt mit ihrem Umgang mit der Gentechnik einmal mehr, dass Populismus und Ideologie in der Politik größeren Einfluss haben als praktische Evidenz und wissenschaftliche Expertise.

Landwirtschaftliche Revolution mit Hindernissen

Steffen Hentrich

Keine zwanzig Jahre sind seit dem Einzug der grünen Gentechnik in die Landwirtschaft vergangen. Trotz dieser kurzen Zeit hat die Technologie weltweite Verbreitung gefunden und die Bilanz kann sich sehen lassen. Höhere Pflanzenproduktivität und steigende Farmeinkommen gingen einher mit einer Entlastung der Umwelt, so der soeben an der Harvard University veröffentlichte Bericht Taking Roots: Global trends in Agricultural Biotechnology. Doch leider wird dieser Prozess nicht nur in Europa durch eine überrestriktive Regulierung aufgehalten, die sich zumeist aus einer irrationalen Angst vor neuen Technologien in der Landwirtschaft und einer nostalgischen Perspektive auf die Landwirtschaft vor der Industrialisierung der Agrarwirtschaft speist.

Die traurige Bilanz der Klimapolitik

Steffen Hentrich

Klimapolitik soll der Generationengerechtigkeit dienen. In der Theorie. In der Realität richtet sie allerdings bislang mehr schaden an als sie vermeiden hilft, selbst wenn man sie mit den apokalyptischsten Szenarien über die Wirkungen von Treibhausgasemissionen begründet. Andrew Montford hat in dem Aufsatz Unintended Consequences of Climate Change Policy für die Global Warming Policy Foundation die unbeabsichtigten Folgen der Klimapolitik gesammelt: Abgeholzte Regenwälder, Menschenrechtsverletzungen, Hunger und Mangelernährung, Zerstörung wertvoller Ökosysteme, Reduzierung von Wildtierpopulationen, Abfälle, Umverteilung von arm zu reich, Energiemangel, Luftverschmutzung, Arbeitslosigkeit und mehr Treibhausgasemissionen als notwendig. Eine niederschmetternde Bilanz und ein ethisches Desaster.

Freiheit und Wohlstand als Klimapolitik

Steffen Hentrich

Ökonomische Logik verspricht einen einfachen Umgang mit einem vom Menschen verursachten Klimaproblem: Man belaste die schädlichen Emissionen mit genau den Kosten, die sie für die Gesellschaft verursachen. Mit einer Emissionsabgabe wäre die Rechnung glattgestellt. So einfach die Idee, so schwierig die Umsetzung, denn es ist nicht trivial den Grenzschaden von Treibhausgasemissionen zu ermitteln. Bis heute wird in der Klimafolgeforschung der Versuch unternehmen eine einfache Faustregel zu finden, mit der sich die optimale Höhe einer globalen Abgabe quantifizieren ließe. Einfach ist das nicht, denn neben den physikalischen Zusammenhängen zwischen Treibhausgasen, Temperaturen und Klimaänderungen gibt es auch bei den sozioökonomischen Parametern des Klimamodells unzählige Unbekannte und Wertsetzungen, die eine Punktlandung unmöglich machen. Armon Rezai und Rick van Ploeg stellten kürzlich bei VOX Europe eine einfache Faustformel für die Bestimmung der Höhe einer Treibhausgasabgabe vor. Ein Einstiegssatz von 15 Dollar pro Tonne CO2 ansteigend mit der Wachstumsrate der Weltwirtschaft halten die Wissenschaftler für vernünftig.

Weiterlesen