Archiv der Kategorie: Regulierung

Glücksspiel 101

Steffen Hentrich

Was lernt ein zukünftiger Ökonom schon in der ersten Vorlesung? Sinkt das Angebot steigen bei unveränderter Nachfrage die Preise. Ein paar Vorlesungen später wird den Studenten beigebracht, dass dieser Effekt besonders ausgeprägt ist, wenn die Nachfrage wenig preiselastisch reagiert. Berlin liefert passend dazu das beste Anschauungsbeispiel wie man den spielwütigen Bürger gerade nicht schützen sollte. Das Berliner Spielhallengesetz hat die Anzahl der Automaten stadtweit auf maximal 4400 Geldspielgeräte begrenzt und damit den Wettbewerb erheblich eingeschränkt. Spielsüchtige Berliner können dadurch in Zukunft noch einfacher geschröpft werden.

Im Schatten des Mindestlohns…

Steffen Hentrich

…wird fleißig gearbeitet. Auch dank des Mindestlohns kommt der langfristige Rückgang der Schattenwirtschaft in Deutschland zum Stillstand, wie ein aktuelles Gutachten des Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung an der Universität Tübingen feststellt.

Ungleichheit vs. Ungleichheit

Detmar Doering

Ungleichheit und Ungleichheit sind nicht immer dasselbe. Dass der Fleißige sich vielleicht etwas mehr leisten können sollte als der bekennende Faule, leuchtet fast jedermann ein. Was selten einleuchtet, ist die Ungleichheit durch Privilegierung. Die findet man allerdings fast überall, schreibt Sheldon Richman hier für Reason. Der undurchdringliche Dschungel anscheinend gut gemeinter Subventionen und Regulierungen wimmele von ihnen.

Landwirtschaftliche Revolution mit Hindernissen

Steffen Hentrich

Keine zwanzig Jahre sind seit dem Einzug der grünen Gentechnik in die Landwirtschaft vergangen. Trotz dieser kurzen Zeit hat die Technologie weltweite Verbreitung gefunden und die Bilanz kann sich sehen lassen. Höhere Pflanzenproduktivität und steigende Farmeinkommen gingen einher mit einer Entlastung der Umwelt, so der soeben an der Harvard University veröffentlichte Bericht Taking Roots: Global trends in Agricultural Biotechnology. Doch leider wird dieser Prozess nicht nur in Europa durch eine überrestriktive Regulierung aufgehalten, die sich zumeist aus einer irrationalen Angst vor neuen Technologien in der Landwirtschaft und einer nostalgischen Perspektive auf die Landwirtschaft vor der Industrialisierung der Agrarwirtschaft speist.

In Venezuela wird Schlangestehen verboten

Steffen Hentrich

Venezuelas Sozialismus hat die Supermarktregale gelehrt. Ohne funktionierenden Preismechanismus bekommen weder die Produzenten das Signal die richtigen Waren in ausreichender Menge und Qualität anzubieten, noch die Verbraucher die Information, lediglich das einzukaufen, was bei gegebenen Produktionskosten wirklich lohnenswert ist. Die Folge sind leere Supermarktregale oder lange Warteschlangen, wenn die Regale mal wieder etwas aufgefüllt werden. Da inzwischen in Venezuela selbst das Toilettenpapier knapp geworden ist, sind nächtliche Warteschlangen vor morgens öffnenden Geschäften alltagsbestimmend geworden. Dieses Symptom sozialistischer Mangelwirtschaft soll jetzt aus Sicherheitsgründen verboten werden. Aus den Augen, aus dem Sinn, scheint die Losung der von Nicolas Maduro geführten Regierung zu sein, denn neben dieser Art von Kosmetik sind keinerlei Marktreformen in dem lateinamerikanischen Land zu erkennen.

Mindestlohn dürfte Hoffnungen enttäuschen

Steffen Hentrich

Die Erwartungshaltung ist groß. Befürworter des Mindestlohns versprechen sich mehr Gerechtigkeit und weniger Einkommensarmut. Doch die empirische Forschung spricht eine andere Sprache. Hier zählt nicht das Prinzip Hoffnung und politische Popularität, sondern nüchterne Analyse von Arbeitsmarktdaten. Natürlich sind die Ergebnisse immer nur so gut wie die Daten und die der Analyse zugrunde liegenden Prämissen, es verdichtet sich aber die Erkenntnis, dass die politische Logik des Mindestlohns zu schön ist um wahr zu sein.

Die ökonomische Intuition, dass steigende Preise weniger Nachfrage nach sich ziehen, vor allem, wenn der Nutzen der betreffenden Güter von den Nachfragern vergleichsweise gering eingeschätzt wird, weisen wenige Menschen angesichts ihrer Alltagserfahrungen von der Hand. Beim Mindestlohn wird das häufig anders gesehen, offenbar ersetzen hier Emotionen die einfache Logik ökonomischer Rationalität. Wirtschaftswissenschaftler müssen allerdings immer wieder feststellen, dass auch der Mindestlohn nicht losgelöst vom handelnden Menschen funktioniert, weshalb Wirkungsanalysen immer wieder bestätigen, was die ökonomische Logik nahelegt. Der Mindestlohn reduziert die Arbeitsnachfrage, insbesondere für die Arbeitsanbieter, die Aufgrund geringer Qualifikation und Berufserfahrung weniger Produktivität versprechen. Das hat nicht nur unmittelbare Konsequenzen in Bezug auf die Arbeitslosigkeit, sondern wirkt sich auch negativ auf die Erwerbsbiografien der Betroffenen aus.

Jeffrey Clemens und Michael Wither von der University of California at San Diego haben den Beitrag der jüngsten Erhöhung des Mindestlohns in den USA auf den Beschäftigungsrückgang des Landes analysiert und festgestellt, dass die Erhöhung des Mindestlohns um 30 Prozent in den USA zu einem Beschäftigungsrückgang von rund 0,7 Prozentpunkten geführt haben dürfte. Das entspricht 14 Prozent des gesamten Beschäftigungsrückgangs in der betrachteten Periode und hat 1,4 Mio. Arbeitsplätze gekostet. 45 Prozent davon entfielen auf junge Erwachsene im Alter von 15 bis 24 Jahren, also genau die Altergruppe, die es aufgrund geringer Berufserfahrung am schwersten auf dem Arbeitsmarkt hat. Statt diesen Menschen zu helfen hat sich das monatliche Durchschnittseinkommen der Gruppe der Erwerbstätigen mit geringer Qualifikation sogar reduziert, wobei die Einkommensminderung langfristig anhält. Zudem wirkte sich der Mindestlohn negativ auf die Erwerbsbiografie aus und verzögert den Einkommensaufstieg der Betroffenen. Basis dieser Schätzung war ein kontrollierter Vergleich der Wirkungen unterschiedlicher Mindestlohnveränderungen in verschiedenen US-Bundesstaaten.

Für die Wissenschaftler Anlass genug, die Wirksamkeit des wohlmeinenden Mindestlohns im Vergleich zu den existierenden Alternativen zu hinterfragen. Die in den USA praktizierte Lohnsubvention in Form des Earned Income Tax Credit (EITC) sei wesentlich besser geeignet Einkommensarmut zu verhindern und Arbeitsanreize auszulösen als ein Mindestlohn, der einseitig die Arbeitsnachfrager und damit auch die Verbraucher der produzierten Güter und Dienstleister belastet. Ein ähnlich wirkendes Instrument stellt das liberale Bürgergeld dar.

 

Zuviel deutsches Bier in Australien?

Detmar Doering

Australien-Bier

Westaustralien ist uns um einiges voraus. Dort hat der Nannystaat ein Problem erkannt und zu lösen begonnen, das wir hierzulande noch schmählich ignorieren: Die deutsche (genauer: bayerische) Biertrinkkultur.