Archiv der Kategorie: Freihandel/Protektionismus

Erdgas aus Russland: Wechselseitige Abhängigkeiten

Detmar Doering

Die kritische lage in der Ukraine kann schnell zu Beschränkungen des handels zwischen Deutschland und Russland führen. Mit Ausnahme des Energiesektors hätte Deutschland wenig zu fürchten, meinen Klaus Schrader und Claus-Friedrich Laaser in diesem Report des Instituts für Weltwirtschaft, weil die Importe aus Russland insignifikant sind. Die Erdgaslieferungen sind zwar gewichtiger, aber es gibt dort wechselseitige Abhängigkeiten. Russland muss exportieren, um seine Importe zu finanzieren, die es zum wirtschaftlichen Gedeihen braucht. Russland würde bei einem Lieferstopp schwer verlieren.

Indonesien vor der Wahl

Moritz Kleine-Brockhoff, Katharina Weber-Lortsch und Akim Enomoto

In Indonesien stehen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen bevor. Im eigentlich weltoffenen Inselstaat nehmen Nationalismus und Intoleranz zu. Unsere FNF-Experten erläutern, ob der erwartete Regierungswechsel diese Trends im größtem muslimischen und demokratischen Land der Welt wenden wird?

Weiterlesen

Schweiz kappt Personenfreizügigkeit

Julie Cantalou

Das Schweizer Votum zur Einwanderungsbegrenzung: Erste Konsequenzen für die bilateralen Beziehungen mit der EU und Lehren für die EU-Mitgliedsstaaten.

Weiterlesen

Transatlantischer Freihandel und Globalisierungsängste

Detmar Doering

Das geplante transatlantische Freihandelsabkommen scheint schon jetzt unter einem Unglücksstern zu stehen. Immer mehr Einwände werden formuliert, etwa ob der Freihandel nicht den strikten EU-Verbraucherschutz unterminiere. Das Abkommen, dessen Abschluss für 2015 geplant ist, weckt Ängste vor der Globalisierung. Das sei ungerecht, findet Ines Zöttl in diesem Kommentar in der Zeitschrift Capital, denn die Globalisierung verdiene heute mehr Fürsprecher denn je.

Leistungsbilanz als Zielvorgabe?

Detmar Doering

Leistungsbilanzen sind selten ausgeglichen. Mal gibt es Überschüsse, mal gibt es Defizite. Erreichen die eine bestimmte Größe, ist schnell von “makroökonomischen Ungleichgewichten” die Rede, bei denen die Politik abhelfen muss. Sollte man deshalb gleich politische Zielvorgaben beschließen? Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft hält diese Idee für absurd: “Leistungsbilanzausgleich als Zielvorgabe liefe darauf hinaus, Chancen der globalen Arbeitsteilung zu schmälern und käme finanzwirtschaftlichem Autarkiestreben gleich.”

Vom Elend des Verbots

Steffen Hentrich

Mitunter hört man der Markt kennt keine Moral, weshalb man ihn in seine Schranken weisen sollte. Gern fordern dann politische Interessengruppen den Verbot dieser oder jener Substanz und die Illegalisierung bestimmter Dienstleistungen. Doch gerade diese Einschränkungen der unternehmerischen Freiheiten haben das Zeug dazu, die die moralische Substanz einer Gesellschaft zu untergraben, indem sie gerade diejenigen zu Helden machen, denen die Illegalität zu Ansehen und Reichtum verhilft. Skrupellosigkeit und Korruption werden dann zu ganz normalen Ingredienzien des wirtschaftlichen und sozialen Aufstiegs. Bei The Acorn ist dieser Zusammenhang recht treffend grafisch auf den Punkt gebracht worden.

Quelle: The Acorn, What causes corruption and erosion of moral values?

Die frohe Botschaft

Steffen Hentrich

Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichte, dass ist eine der Grundregeln des Journalismus, die insbesondere in den Sparten Gesellschaft und Umwelt besonders ernst genommen wird. Deshalb sind die frohen Botschaften über steigenden Wohlstand, längeres und gesünderes Leben und eine lebenswerte Umwelt rar. Stattdessen werden wir ohne Unterlass mit Katastrophenmeldungen bombardiert, an deren Ende stets das schlechte Gewissen über das gute Leben im Angesicht all des Elends um uns herum steht. Nur wenige Kommentatoren durchbrechen diese Branchenregel und machen sich deshalb auch regelmäßig unbeliebt. Einer von ihnen ist der dänische Statistiker Björn Lomborg, der immer wieder zu mehr Optimismus und Realismus in der Umweltdebatte auffordert. Auch in seiner jüngsten Kolumne auf Project Syndicate bricht er eine Lanze für den Mut zu mehr Optimismus. Immer weniger Menschen leiden weltweit unter bitterer Armut und die Bildung von immer mehr Menschen öffnet Zukunftsperspektiven. Heute gelten 17 Prozent der Menschen global als arm, vor dreißig Jahren waren es 42 Prozent und vor 200 Jahren gar 80 Prozent. Ein anderer Vertreter der eher seltenen optimistischen Wissenschaftlerriege ist der schwedische Medizinprofessor und kreative Kopf hinter der globalen Datenbasis Gapminder. Er kann ebenfalls statistisch belegen, dass die Welt besser wird, doch niemand es glauben will. Er hält nichts von Geburtenkontrolle, um die Menschheit vor sich selbst zu entlasten. Die Verhältnisse in den die Menschen leben müssen sich ändern, dann werden auch nicht mehr so viele Kinder ins Elend hineingeboren. Sein Credo: “Kümmere dich um die Leute, die Bevölkerung reguliert sich dann selbst.” Dem kann man als Rat an die Politik nur hinzufügen: Bringt eure politischen Institutionen in Ordnung, schützt Eigentum und lasst den Menschen die Freiheit und Selbstbestimmung zum eigenverantwortlichen Handeln, dann machen sie selbst etwas aus ihrem Leben. Und vielleicht schaffen sie es dann auch vorbei an den düsteren Schlagzeilen der Massenmedien optimistisch in die Zukunft zu schauen.

NAFTA: Mehr ist möglich!

Detmar Doering

Vor 20 jahren wurde das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) abgeschlossen. Nicht jede der damals oft überzogenen Erwartungen sei erreicht worden, doch insgesamt handle es sich um eine Erfolgsgeschichte, schreibt der Economist in dieser Würdigung es Ereignisses. Um aber einen wirklichen Erfolg zu garantieren, müsste die Politik energischer auf neue Herausforderungen reagieren und weiter liberalisieren.

Kleine Globalisierungsgeschichte

Detmar Doering

World_Map_1689_2

Den weltweit zunehmenden Wohlstand verdanken wir nicht zuletzt in hohem Maße der Globalisierung. Die Entwicklung hin zu immer offeneren Märkten verlief in mehreren Etappen. Dabei spielte zunächst Europa die tragende Rolle bei der Definition der Rahmenbedingungen. Das Aufkommen neuer Akteure im Zuge der “Zweiten Globalisierung” seit den 1980er Jahren macht eine Neudefinierung dieser Rahmenbedingungen nötig, stellt Nikolaus Wolf (Humboldt Universität, Berlin) in diesem kurzen Abriss zur Geschichte des Welthandels fest.

Sind Buchpreiskriege verheerend?

Steffen Hentrich

Kürzlich versuchte der buchreport, das Sprachrohr des deutschen Buchhandels, die Ergebnisse der Studie Global Pricing Report 2012 als Kronzeugen für die Buchpreisbindung in Stellung zu bringen. Preiskriege würden, so ein Vertreter des Herausgebers der Studie, das Leben von Unternehmen gefährden und nur den Verbraucher glücklich machen. Der Buchhandel folgert daraus, dass die deutsche Buchpreisbindung, die Preiswettbewerb beim Verkauf von Büchern verbietet, ein Segen für die Branche sei. Schließlich würden die Buchhändler so gar nicht erst auf die Idee kommen, sich einen Preiskampf zu liefern und könnten sich daher auf die Qualitätskonkurrenz um den Kunden konzentrieren.

Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die Studie eigentlich genau das Gegenteil dessen belegt, das der buchreport aus ihr heraus gelesen haben will. So ist ein Ergebnis der Studie, dass rund ein Drittel der Unternehmen, die in der Befragung Preiserhöhungen angegeben hatten, keine Steigerung der Gewinnmargen erzielen konnte. Genau das jedoch spiegelt die Situation im Buchhandel wieder, der zwar im vergangenen Jahr die Buchpreise um durchschnittlich 1,9 Prozent erhöht hat, aber trotzdem – oder gerade deshalb – unter einem spürbaren Umsatzminus vor allem im stationären Sortiment litt. Da nicht davon auszugehen ist, dass der Buchhandel zugleich auch die Kosten deutlich senken konnte, dürfte eine verbesserte Gewinnsituation kaum gegeben sein.

Weiterlesen

Geht dem Freihandel der Dampf aus?

Detmar Doering

Die letzten Jahrzehnte sahen einen mehr oder weniger deutlichen Trend hin zum Freihandel. Diese Phase könnte sich nun ihrem Ende nähern, schreibt Josuah Kurlantzick hier in BloombergBusiness. Der Freihandel hätte sich bisher in einem wirtschaftlichen Rahmen durchgesetzt, indem weltweit das Handelsvolumen schneller wuchs als das Gesamtwirtschaftswachstum. Das sei heute nicht mehr so. Zudem seien die meisten Akteure mit innenpolitischen Wirtschaftsproblemen so beschäftigt, dass es keine offensichtliche Führungsmacht in Sachen Freihandel mehr gebe.

Die Krise des Multilateralismus

Detmar Doering

Das WTO-Abkommen von Bali wurde als eine Art Wiedergeburt des Multilateralismus im Welthandelssystem gefeiert. Zu früh, meint Thomas Straubhaar vom HWWI. Das ganze Abkommen habe wenig erbracht und die Schwerfälligkeit der WTO demonstriert. Der Weg über regionale Abkommen zur Handelsliberalisierung (etwa das geplante Abkommen EU-USA) sei zwar theoretisch dem Multilateralismus unterlegen, in der Praxis aber mittlerweile der vielversprechendere Weg.