Archiv der Kategorie: Energiepolitik

Den IPCC beim Wort nehmen

Steffen Hentrich

Von Politiker quer durch das politische Spektrum werden die Aussagen des IPCC oft in den Rang von absoluten Wahrheiten gehoben. Man versteckt sich hinter den apokalyptischen Projektionen des Weltklimarates und begründet damit die jeweilige Politik der Wahl. Ebenso agieren Umweltorganisationen, die unter dem Verweis auf das jeweilige Gutachten eine Wunschliste an klimapolitischen Maßnahmen an den Staat herantragen. Doch das Kleingedruckte wird dabei zumeist übersehen, obwohl die IPCC-Gutachten bereits in ihrer Kurzfassung für politische Entscheidungsträger (SPM) zum überwiegenden Teil aus Kleingedrucktem bestehen. Liest man sich etwa den jüngsten SPM der Arbeitsgruppe III zur Vermeidung des Klimawandels etwas genauer durch, dann kommen Zweifel an so mancher politischer Maßnahme in Brüssel oder Berlin auf.

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Klimarettung mit links?

Steffen Hentrich

“Mit Klimaschutz muss man nicht auf Wachstum verzichten”, kommentiert die FAZ heute den jüngsten Sachstandsbericht der Arbeitsgruppe 3 des IPCC (SPM WG III). Nur durchschnittlich 0,06 Prozent weniger globales Wachstum wären für die Rettung des Klimas schon zu verkraften, so viel würde uns die Einhaltung des 2-Grad-Zieles lediglich kosten. Klingt zunächst wenig, bedeutet aber, wie ein Blick in die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (SPM) offenbart, anders ausgedrückt Konsumverluste von 1,7 Prozent (1,0-3,7) bis 2030, 3,4 Prozent (2,1-6,2) bis 2050 bzw. 4,8 Prozent (2,9-11,4) bis 2100. Das sieht schon etwas anders aus und gibt eine etwas anschaulichere Vorstellung von den Opfern, die das Postulat vom 2-Grad-Ziel von der Menschheit abverlangt.

Was man in dem IPCC-Bericht jedoch vergeblich sucht, ist eine Einschätzung über den ökonomischen Nutzen einer Reduktion der Erwärmung. Hierzu muss man schon den Sachstandsbericht der Arbeitsgruppe II bemühen, der vor einigen Tagen veröffentlicht wurde. Hier findet man eher am Rande notiert, dass eine Temperaturerhöhung um 2 Grad Celsius Einkommensverluste von 0,2 bis 2 Prozent nach sich ziehen würde. Mit dieser Erwärmung wäre jedoch nach Angaben des Sachstandsberichts der Arbeitsgruppe I in den meisten Emissionsszenarien nicht vor dem Ende dieses Jahrhunderts zu rechnen. So klein die Wachstumsverluste auch erscheinen mögen, bedeuten sie doch, dass wir mit radikaler Klimapolitik einen Emissionspfad anstreben, mit dem zum Ende des Jahrhunderts Wohlfahrtsverluste vermieden werden sollen, die aufgrund der klimapolitischen Maßnahmen schon 2050 zu erleiden sind. Eine derartige Klimapolitik ist eindeutig durch den Nutzen-Kosten-Test gefallen. Wer opfert schon mehr Wohlstand als überhaupt zu retten ist? Vielleicht ist das auch der Grund, dass der IPCC diese Ergebnisse wenig transparent über drei Berichte verteilt und stattdessen jeden für sich eher alarmistisch klingen lässt.

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Energiewende: Kein Vorbild für Amerika

Steffen Hentrich

In einem aktuellen Report über die Entwicklung der Energiewende in Deutschland warnt das marktwirtschaftlich orientierte US-amerikanische Institute for Energy Research die amerikanische Regierung sich ein Beispiel an der misslungenen Energiepolitik Deutschlands zu nehmen:

Die Energiewende von Bundeskanzlerin Merkel hat desaströse Folgen für Deutschland. Deutsche Familien leiden unter hohen Stromrechnungen, Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit hat gelitten und eines der Ziele des Plans, die Reduktion der Treibhausgasemissionen, konnte nicht erfüllt werden. Das gescheiterte grüne energiepolitische Experiment der deutschen Bundesregierung, ebenso wie das Amerikas, zeigt die Grenzen der zentralen Planung im Energiesektor. Bürokraten in Berlin oder Washington werden nie in der Lage sein vernünftigere energiewirtschaftliche Entscheidungen zu treffen als ein von Preissignalen getriebener freier Markt. Doch während Deutschland langsam zur besinnung kommt, versucht die amerikanische Regierung weiterhin nach vorn zu preschen, mit Subventionen und gesetzlichen Auflagen, die in Europa scheiterten ebenso wie in Amerika. Wir sollten von den fehlern Deutschlands lieber lernen, statt sie zu wiederholen.

Erdgas aus Russland: Wechselseitige Abhängigkeiten

Detmar Doering

Die kritische lage in der Ukraine kann schnell zu Beschränkungen des handels zwischen Deutschland und Russland führen. Mit Ausnahme des Energiesektors hätte Deutschland wenig zu fürchten, meinen Klaus Schrader und Claus-Friedrich Laaser in diesem Report des Instituts für Weltwirtschaft, weil die Importe aus Russland insignifikant sind. Die Erdgaslieferungen sind zwar gewichtiger, aber es gibt dort wechselseitige Abhängigkeiten. Russland muss exportieren, um seine Importe zu finanzieren, die es zum wirtschaftlichen Gedeihen braucht. Russland würde bei einem Lieferstopp schwer verlieren.

Scheitern am Erfolg?

Steffen Hentrich

“Tonnenideologie” nannte man in meiner Kindheit die Auswüchse sozialistischer Planwirtschaft. Da stapelten sich in den Textilläden der HO Pullover in Farben und Materialien die niemand tragen wollte, im Lebensmittelgeschäft der Konsum-Genossenschaft daneben lag nicht viel mehr als Unmengen fettigen Fleisches in Dosen in den Regalen. Man plante Konsumgüter am Bedarf vorbei und war zufrieden, wenn man zur Planerfüllung große Zahlen abrechnen konnte. Ob der Murks in den Geschäften außer der großen Mühe in den volkseigenen Betrieben und dem hohem Aufwand an Produktionsmitteln auch bei den Verbrauchern einen Nutzen stiftete, zählte nicht viel. Hauptsache die Kombinatsleiter konnten der Staats- und Parteiführung die Planerfüllung belegen und die wiederum damit prahlen, dass es mit dem Sozialismus voran ging. Pläne wurden erfüllt und die Geschäfte waren voll mit Gerümpel, für das kein Bedarf vorhanden war. Mehr Beweis für ihre Daseinsberechtigung brauchte die Nomenklatura nicht.

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Armut und Klimawandel

Detmar Doering

Der Klimawandel würde in jedem Falle die Armen besonders schwer treffen, weil sie die Adaptionskosten nicht so leicht tragen können. Ob und inwieweit das so geschehe, hänge aber auch davon ab, ob wir nicht durch falsche Subventionspolitiken die Energie künstlich verteuern, schreibt Bjørn Lomborg in diesem Kommentar für Project Syndicate, was aber gegenwärtig bei den erneuerbaren Energien der Fall sei.

Endlich: Die grüne Umweltpolizei

Boris Eichler

”Die Farbe der Freiheit ist Grün” posaunten die Grünen nach der Bundestagswahl in die Republik – erklärtes Ziel: Der FDP verloren gegangene Wähler an die Ökopartei binden. Das wenig überzeugende eigene Wahlergebnis führten die Strategen nicht zuletzt auf das Image der Grünen als Verbotspartei zurück, das sich nicht zuletzt in der Forderung manifestierte, einen bundesweiten „Veggie-Day“ in Kantinen einzuführen.

Vom Freiheitsschwung des vergangenen Dezember ist allerdings nicht viel übrig geblieben – dafür sorgen vermutlich die „grünen Gene“, die Parteichef Cem Özdemir auf einem Kleinen Parteitag 2010 in Köln beschworen hatte: Auch wenn sie es wollen – sie können nicht gegen ihre Natur, wie die jüngste Vergangenheit zeigt. Nach dem tiefgrünen Gesinnungslehrplan in Baden-Württemberg und dem Werbeverbotskatalog im Berliner Musterbezirk Friedrichshain-Kreuzberg tritt jetzt Bremen auf den Plan.

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Erneuerbare Energieträger im Schatten des EEG

Steffen Hentrich

Die Nutzung erneuerbarer Energieträger (EE) zur Stromerzeugung in Deutschland ist nicht nur im Vergleich zur konventionellen Stromerzeugung ein teures Unterfangen, sondern vor allem auch im Vergleich zu anderen Regionen in Europa, in denen deutlich bessere Nutzungsbedingungen herrschen. So hat das Fraunhofer Institut für Solare Energiesystem in einer Ende 2013 veröffentlichten Studie berechnet, dass die Stromgestehungskosten für Photovoltaikanlagen aller PV-Anlagentypen bei intensiveren Sonneneinstrahlungen (1450-2000 kwh/qm*a), wie sie im Süden Europas auftreten, zumeist deutlich unter 0,12 Euro pro kWh liegen, wohingegen bei den hierzulande üblichen Sonneneinstrahlungen (1000-1200 kWh/qm*a) nur Freiflächenanlagen unter günstigstenen Sonnenbedingungen Strom für weniger als 0,12 Euro/kWh produzieren können. Die meisten in Deutschland ins Netz einspeisenden Anlagen erhalten nicht nur eine sehr viel höhere EEG-(Über-)Förderung, sondern produzieren auch ihren Strom zu Stromgestehungskosten, die bis zu dreimal so hoch wie in Südeuropa sind.

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Teurer energiepolitischer Nationalismus ist wirkungslos

Steffen Hentrich

In einer kürzlich veröffentlichten Pressemeldung stellt das Umweltbundesamt (UBA) fest, dass die Treibhausgasemissionen in Deutschland im Jahr 2013 gegenüber 2012 um 1,2 Prozent gestiegen sind und macht dafür den Anstieg der Kohleverstromung und die witterungsbedingten Mehrverbräuche von Erdöl und -gas für die Wärmeversorgung verantwortlich. Der Ausbau der erneuerbaren Energieträger hätte indes zu einer Reduzierung der Mehremissionen beigetragen. Um die nationalen und europäischen Klimaschutzziele nicht zu gefährden, mahnt das UBA verstärkte Anstrengungen bei der energetischen Gebäudesanierung und der nachhaltigen Mobilität an, insistiert aber auch auf eine Reform des europäischen Emissionshandels.

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Mit dem Kopf in den Sand

Steffen Hentrich

Wie reagiert man auf Kritik, wenn man nichts Substantielles gegen sie einzuwenden hat? Man widerspricht ihr mit Nachdruck, ohne auf sie einzugehen. So glaubt zumindest das BMWI auf die Kritik der Expertenkommission für Fortschritt und Innovation am EEG reagieren zu können. Da wird einfach behauptet, dass die Kritik nicht nachvollziehbar sei, weil der Anteil der erneuerbaren Energieträger so rasch zugenommen habe, weshalb das EEG ein Kerninstrument der deutschen Klima- und Energiepolitik sei und bleibe und damit Vorbild für viele EU-Mitgliedstaaten sowie auf internationaler Ebene ist. Donnerwetter, da hat das BMWI aber wieder einmal ganze Überzeugungsarbeit geleistet. Zu dumm nur, dass die Expertenkommission nie bestritten hat, dass die teure Förderung wirksam war. Im Unterschied zum Wirtschaftsministerium haben die Experten die Ziele der Energiewende zu einer ernsthaften Grundlage ihrer Evaluation gemacht und nicht darauf gebaut, das Papier geduldig ist.  Masse ist nicht gleich Klasse, eine Erkenntnis, die offenbar nur im BMWI noch nicht angekommen ist. Kein Wunder, dass Deutschlands Energiewende international nur noch als schlechtes Vorbild taugt.

Danke Dinosaurier!

Steffen Hentrich

Dinosaurier werden die großen europäischen Energieversorger von Greenpeace in einer neuen Studie genannt, weil sie in den vergangenen Jahren nicht weit genug auf den Zug der erneuerbaren Energieträger aufgesprungen sind. Jetzt würden sie unter Überkapazitäten konventionaller Kraftwerke und mangelnder Rentabilität leiden. Ginge es nach Greenpeace stünden wir alle besser da, wenn sich noch mehr Energieversorger mit Hilfe staatlicher Energiesubventionen eine goldene Nase verdient hätten. Zu dumm nur, dass  irgendjemand die hohen Investionskosten dieser “erfolgreichen Anpassung” hätte zahlen müssen und nicht gerade wenig Bedarf nach den  Produktionskapazitäten der Dinosaurierkraftwerke besteht, um die launischen Schwankungen des Stroms aus Wind und Sonne auszugleichen. Greenpeace vergisst, dass der Erfolg eines Unternehmens nicht nur darin besteht Geld auszugeben, sondern mit diesen Investitionen auch etwas zu verdienen. Greenpeace vergisst auch, dass Stromnachfrager nicht unendlich geduldig auf steigende Preise reagieren, sondern sich irgendwann nach billigeren Alternativen umsehen. Nicht jeder kann sich in so einem Marktumfeld auf einer staatlich garantierten Einspeisevergütung ausruhen und die Drecksarbeit der Systemstabilisierung den anderen überlassen. Hätten alle Energieversorger nur noch auf die Karte der Energiewende gesetzt gäbe es sicherlich genug grünen Strom für ein deindustrialisiertes Europa, mehr aber auch nicht. Doch dieses Problem stößt bei unseren Umweltfreunden bekanntlich nur auf stirnrunzeln. 

EEG: Teuer, nutzlos und innovationshemmend

Steffen Hentrich

Gutachten, die dem EEG exorbitant hohe Kosten bei mangelnder Wirksamkeit in Bezug auf Klimaschutz und Innovationskraft bescheinigen, gibt es inzwischen wie Sand am Meer (u.a. Deutsche Physikalische Gesellschaft (2010), Weltenergierat (2011), Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2013), Monopolkommission (2013)). Da fügt das jüngste Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation nach der Kritik an der Klima- und Energiepolitik der Bundesregierung im vergangenen Jahr in aller Kürze nur noch ein Körnchen dem großen Sandhaufen hinzu. Doch in diesen stecken Regierungskoalition und grüne Opposition als Reaktion den Kopf nur noch tiefer und üben sich weiterhin in Ignoranz des Faktischen. Statt sachlicher Auseinandersetzung mit der Kritik der zumeist selbstgewählten Gutachter wird an realitätsfernen Pseudoreformen gestrickt, die großspurig als EEG 2.0 firmieren. Alten Wein in neuen Schläuchen soll es geben, mit Direktvermarktungspflicht nach Anlagenklassen, Ausfallvermarktung, Mengendeckeln und Festlegung der Fördersätze durch Ausschreibung ab 2017 wird das ohnehin schon komplexe Versagen bald noch komplizierter gemacht. Die marktfremde Logik des Systems, das Strom subventioniert den kein Verbraucher nachgefragt hat und der nicht eine einzige Tonne Kohlendioxid einsparen hilft, bleibt erhalten und wird bestenfalls an seinen offensichtlichsten Symptomen kuriert, was den Akteuren nach allen Erfahrungen nur den Anreiz gibt, den Missbrauch an anderer Stelle anzusetzen. Leider ist gegen politische Unvernunft kein Gutachterkraut gewachsen.