Archiv der Kategorie: Energiepolitik

Umweltpolitikberatung mit Scheuklappen

Steffen Hentrich

Um den Klimaschutz scheint es dem Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) offenbar nicht mehr zu gehen. Hinter der gestrigen Forderung ihres Vorsitzenden nach einem “Pakt für den Kohleausstieg” in Deutschland bis 2040 steht das Motiv das Wackeln der Energiewende zu verhindern. Hierbei hat der SRU jedoch lediglich die Kohlendioxidemissionen in Deutschland im Auge, ein Blick über den Tellerrand nach Europa wird jedoch nicht gewagt. Für das Klima würde ein solcher Schritt nicht viel bringen, denn die Aufgabe der wegfallenden deutschen Kohlekraftwerke müssten Anlagen im europäischen Ausland übernehmen, denen im Rahmen des europäischen Emissionshandels hinlänglich Emissionszertifikate zum Betrieb der notwendigen Kohlekraftwerke zur Verfügung stehen. Deutschland würde seine Emissionen durch einen Kohleausstieg ohne weitere Änderungen der klimapolitischen Rahmenbedingungen in der EU lediglich exportieren, um wieder einmal als vermeintlicher Vorreiter in Erscheinung treten zu können. Schon heute erfordert die Einbindung des fluktuierenden Stroms aus Wind und Sonne eine zusätzliche Bereitstellung von konventionellen Kraftwerkskapazitäten, ein Problem, dass sich auch in den nächsten Jahren nicht kostenneutral lösen lässt. Aus diesem Grund ist auch nicht zu erwarten, dass ein deutscher Kohleausstieg EU-weit mit einer deutlichen Senkung der Menge an Emissionsrechten quittiert wird, da dies zu nicht tragbaren wirtschaftlichen  Belastungen führen würde, die aufgrund der steigenden Zertifikatspreise europaweit zu schultern wären. Selbst wenn es gelänge durch die Speicherung von Strom oder den Ausgleich der Versorgungsschwankungen über Fernleitungen aus nordeuropäischer Wasserkraft einen Teil der fossilen Stromerzeugungskapazitäten zu ersetzen, so steht die Frage im Raum, inwiefern sich dieser Aufwand ökonomisch rechnet und welche kostengünstigeren Handlungsalternativen zur Verfügung stünden. Bereits in früheren Gutachten des SRU wurde der europäische Emissionshandel als wirksames Klimaschutzinstrument diskutiert und festgestellt, dass zusätzliche Markteingriffe und nationale Alleingänge im Geltungsbereich dieses Instruments teuer und wenig wirksam sind. Diese Erkenntnis scheint inzwischen vergessen.

Ist grün sozial?

Detmar Doering

Die meisten Grünen würden wohl sagen, dass sie sozial gesinnt sind. Dass ihre Politik in der Praxis aber meist auf Energieverteuerung abziele, meint Bjørn Lomborg hier, stehe dieser Anspruch auf wackligen Beinen. Teure Energie schade vor allem den Armen.

Lauwarmer Klimaschutz

Steffen Hentrich

Ab nächstem Jahr geht es nach den Plänen der EU der Kaffeemaschine an die Warmhalteplatte, denn dann soll die automatische Abschaltung der Warmhaltefunktion zur Pflicht werden. Unklar ist indes, was das für die Verbraucher oder das Klima an spürbaren Vorteilen bringen soll. Ein kleiner Messversuch in meinem Büro soll etwas Licht ins Dunkel bringen. Dort betreibe ich einen Teeautomaten, der für das Aufbrühen von 0,6 Litern Tee rund 0,08 kWh und für das einstündige Warmhalten weitere 0,06 kWh verbraucht. Verzichtet man darauf macht das für die doppelte pro Tag gebrühte Menge rund 3 Eurocent Stromersparnis pro Tag und über ein Bürojahr gerechnet rund 7 Euro aus.* In gut zwei Jahren sind so die Kosten für eine Thermoskanne zusammengespart. Kaffeemaschinen sollten ähnliche Verbrauchswerte aufweisen, denn auch da wird nur mit Wasser gekocht. Für Gelegenheitsgenießer ist das keine großartige Ersparnis, Verbraucher größerer Tee- und Kaffeemengen kommen indes von selbst auf die Idee, gleich ein Gerät mit Thermoskanne zu kaufen.

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Den IPCC beim Wort nehmen

Steffen Hentrich

Von Politiker quer durch das politische Spektrum werden die Aussagen des IPCC oft in den Rang von absoluten Wahrheiten gehoben. Man versteckt sich hinter den apokalyptischen Projektionen des Weltklimarates und begründet damit die jeweilige Politik der Wahl. Ebenso agieren Umweltorganisationen, die unter dem Verweis auf das jeweilige Gutachten eine Wunschliste an klimapolitischen Maßnahmen an den Staat herantragen. Doch das Kleingedruckte wird dabei zumeist übersehen, obwohl die IPCC-Gutachten bereits in ihrer Kurzfassung für politische Entscheidungsträger (SPM) zum überwiegenden Teil aus Kleingedrucktem bestehen. Liest man sich etwa den jüngsten SPM der Arbeitsgruppe III zur Vermeidung des Klimawandels etwas genauer durch, dann kommen Zweifel an so mancher politischer Maßnahme in Brüssel oder Berlin auf.

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Klimarettung mit links?

Steffen Hentrich

“Mit Klimaschutz muss man nicht auf Wachstum verzichten”, kommentiert die FAZ heute den jüngsten Sachstandsbericht der Arbeitsgruppe 3 des IPCC (SPM WG III). Nur durchschnittlich 0,06 Prozent weniger globales Wachstum wären für die Rettung des Klimas schon zu verkraften, so viel würde uns die Einhaltung des 2-Grad-Zieles lediglich kosten. Klingt zunächst wenig, bedeutet aber, wie ein Blick in die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (SPM) offenbart, anders ausgedrückt Konsumverluste von 1,7 Prozent (1,0-3,7) bis 2030, 3,4 Prozent (2,1-6,2) bis 2050 bzw. 4,8 Prozent (2,9-11,4) bis 2100. Das sieht schon etwas anders aus und gibt eine etwas anschaulichere Vorstellung von den Opfern, die das Postulat vom 2-Grad-Ziel von der Menschheit abverlangt.

Was man in dem IPCC-Bericht jedoch vergeblich sucht, ist eine Einschätzung über den ökonomischen Nutzen einer Reduktion der Erwärmung. Hierzu muss man schon den Sachstandsbericht der Arbeitsgruppe II bemühen, der vor einigen Tagen veröffentlicht wurde. Hier findet man eher am Rande notiert, dass eine Temperaturerhöhung um 2 Grad Celsius Einkommensverluste von 0,2 bis 2 Prozent nach sich ziehen würde. Mit dieser Erwärmung wäre jedoch nach Angaben des Sachstandsberichts der Arbeitsgruppe I in den meisten Emissionsszenarien nicht vor dem Ende dieses Jahrhunderts zu rechnen. So klein die Wachstumsverluste auch erscheinen mögen, bedeuten sie doch, dass wir mit radikaler Klimapolitik einen Emissionspfad anstreben, mit dem zum Ende des Jahrhunderts Wohlfahrtsverluste vermieden werden sollen, die aufgrund der klimapolitischen Maßnahmen schon 2050 zu erleiden sind. Eine derartige Klimapolitik ist eindeutig durch den Nutzen-Kosten-Test gefallen. Wer opfert schon mehr Wohlstand als überhaupt zu retten ist? Vielleicht ist das auch der Grund, dass der IPCC diese Ergebnisse wenig transparent über drei Berichte verteilt und stattdessen jeden für sich eher alarmistisch klingen lässt.

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Energiewende: Kein Vorbild für Amerika

Steffen Hentrich

In einem aktuellen Report über die Entwicklung der Energiewende in Deutschland warnt das marktwirtschaftlich orientierte US-amerikanische Institute for Energy Research die amerikanische Regierung sich ein Beispiel an der misslungenen Energiepolitik Deutschlands zu nehmen:

Die Energiewende von Bundeskanzlerin Merkel hat desaströse Folgen für Deutschland. Deutsche Familien leiden unter hohen Stromrechnungen, Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit hat gelitten und eines der Ziele des Plans, die Reduktion der Treibhausgasemissionen, konnte nicht erfüllt werden. Das gescheiterte grüne energiepolitische Experiment der deutschen Bundesregierung, ebenso wie das Amerikas, zeigt die Grenzen der zentralen Planung im Energiesektor. Bürokraten in Berlin oder Washington werden nie in der Lage sein vernünftigere energiewirtschaftliche Entscheidungen zu treffen als ein von Preissignalen getriebener freier Markt. Doch während Deutschland langsam zur besinnung kommt, versucht die amerikanische Regierung weiterhin nach vorn zu preschen, mit Subventionen und gesetzlichen Auflagen, die in Europa scheiterten ebenso wie in Amerika. Wir sollten von den fehlern Deutschlands lieber lernen, statt sie zu wiederholen.

Erdgas aus Russland: Wechselseitige Abhängigkeiten

Detmar Doering

Die kritische lage in der Ukraine kann schnell zu Beschränkungen des handels zwischen Deutschland und Russland führen. Mit Ausnahme des Energiesektors hätte Deutschland wenig zu fürchten, meinen Klaus Schrader und Claus-Friedrich Laaser in diesem Report des Instituts für Weltwirtschaft, weil die Importe aus Russland insignifikant sind. Die Erdgaslieferungen sind zwar gewichtiger, aber es gibt dort wechselseitige Abhängigkeiten. Russland muss exportieren, um seine Importe zu finanzieren, die es zum wirtschaftlichen Gedeihen braucht. Russland würde bei einem Lieferstopp schwer verlieren.

Scheitern am Erfolg?

Steffen Hentrich

“Tonnenideologie” nannte man in meiner Kindheit die Auswüchse sozialistischer Planwirtschaft. Da stapelten sich in den Textilläden der HO Pullover in Farben und Materialien die niemand tragen wollte, im Lebensmittelgeschäft der Konsum-Genossenschaft daneben lag nicht viel mehr als Unmengen fettigen Fleisches in Dosen in den Regalen. Man plante Konsumgüter am Bedarf vorbei und war zufrieden, wenn man zur Planerfüllung große Zahlen abrechnen konnte. Ob der Murks in den Geschäften außer der großen Mühe in den volkseigenen Betrieben und dem hohem Aufwand an Produktionsmitteln auch bei den Verbrauchern einen Nutzen stiftete, zählte nicht viel. Hauptsache die Kombinatsleiter konnten der Staats- und Parteiführung die Planerfüllung belegen und die wiederum damit prahlen, dass es mit dem Sozialismus voran ging. Pläne wurden erfüllt und die Geschäfte waren voll mit Gerümpel, für das kein Bedarf vorhanden war. Mehr Beweis für ihre Daseinsberechtigung brauchte die Nomenklatura nicht.

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Armut und Klimawandel

Detmar Doering

Der Klimawandel würde in jedem Falle die Armen besonders schwer treffen, weil sie die Adaptionskosten nicht so leicht tragen können. Ob und inwieweit das so geschehe, hänge aber auch davon ab, ob wir nicht durch falsche Subventionspolitiken die Energie künstlich verteuern, schreibt Bjørn Lomborg in diesem Kommentar für Project Syndicate, was aber gegenwärtig bei den erneuerbaren Energien der Fall sei.

Endlich: Die grüne Umweltpolizei

Boris Eichler

”Die Farbe der Freiheit ist Grün” posaunten die Grünen nach der Bundestagswahl in die Republik – erklärtes Ziel: Der FDP verloren gegangene Wähler an die Ökopartei binden. Das wenig überzeugende eigene Wahlergebnis führten die Strategen nicht zuletzt auf das Image der Grünen als Verbotspartei zurück, das sich nicht zuletzt in der Forderung manifestierte, einen bundesweiten „Veggie-Day“ in Kantinen einzuführen.

Vom Freiheitsschwung des vergangenen Dezember ist allerdings nicht viel übrig geblieben – dafür sorgen vermutlich die „grünen Gene“, die Parteichef Cem Özdemir auf einem Kleinen Parteitag 2010 in Köln beschworen hatte: Auch wenn sie es wollen – sie können nicht gegen ihre Natur, wie die jüngste Vergangenheit zeigt. Nach dem tiefgrünen Gesinnungslehrplan in Baden-Württemberg und dem Werbeverbotskatalog im Berliner Musterbezirk Friedrichshain-Kreuzberg tritt jetzt Bremen auf den Plan.

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Erneuerbare Energieträger im Schatten des EEG

Steffen Hentrich

Die Nutzung erneuerbarer Energieträger (EE) zur Stromerzeugung in Deutschland ist nicht nur im Vergleich zur konventionellen Stromerzeugung ein teures Unterfangen, sondern vor allem auch im Vergleich zu anderen Regionen in Europa, in denen deutlich bessere Nutzungsbedingungen herrschen. So hat das Fraunhofer Institut für Solare Energiesystem in einer Ende 2013 veröffentlichten Studie berechnet, dass die Stromgestehungskosten für Photovoltaikanlagen aller PV-Anlagentypen bei intensiveren Sonneneinstrahlungen (1450-2000 kwh/qm*a), wie sie im Süden Europas auftreten, zumeist deutlich unter 0,12 Euro pro kWh liegen, wohingegen bei den hierzulande üblichen Sonneneinstrahlungen (1000-1200 kWh/qm*a) nur Freiflächenanlagen unter günstigstenen Sonnenbedingungen Strom für weniger als 0,12 Euro/kWh produzieren können. Die meisten in Deutschland ins Netz einspeisenden Anlagen erhalten nicht nur eine sehr viel höhere EEG-(Über-)Förderung, sondern produzieren auch ihren Strom zu Stromgestehungskosten, die bis zu dreimal so hoch wie in Südeuropa sind.

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Teurer energiepolitischer Nationalismus ist wirkungslos

Steffen Hentrich

In einer kürzlich veröffentlichten Pressemeldung stellt das Umweltbundesamt (UBA) fest, dass die Treibhausgasemissionen in Deutschland im Jahr 2013 gegenüber 2012 um 1,2 Prozent gestiegen sind und macht dafür den Anstieg der Kohleverstromung und die witterungsbedingten Mehrverbräuche von Erdöl und -gas für die Wärmeversorgung verantwortlich. Der Ausbau der erneuerbaren Energieträger hätte indes zu einer Reduzierung der Mehremissionen beigetragen. Um die nationalen und europäischen Klimaschutzziele nicht zu gefährden, mahnt das UBA verstärkte Anstrengungen bei der energetischen Gebäudesanierung und der nachhaltigen Mobilität an, insistiert aber auch auf eine Reform des europäischen Emissionshandels.

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