Freiheit und Wohlstand als Klimapolitik

Steffen Hentrich

Ökonomische Logik verspricht einen einfachen Umgang mit einem vom Menschen verursachten Klimaproblem: Man belaste die schädlichen Emissionen mit genau den Kosten, die sie für die Gesellschaft verursachen. Mit einer Emissionsabgabe wäre die Rechnung glattgestellt. So einfach die Idee, so schwierig die Umsetzung, denn es ist nicht trivial den Grenzschaden von Treibhausgasemissionen zu ermitteln. Bis heute wird in der Klimafolgeforschung der Versuch unternehmen eine einfache Faustregel zu finden, mit der sich die optimale Höhe einer globalen Abgabe quantifizieren ließe. Einfach ist das nicht, denn neben den physikalischen Zusammenhängen zwischen Treibhausgasen, Temperaturen und Klimaänderungen gibt es auch bei den sozioökonomischen Parametern des Klimamodells unzählige Unbekannte und Wertsetzungen, die eine Punktlandung unmöglich machen. Armon Rezai und Rick van Ploeg stellten kürzlich bei VOX Europe eine einfache Faustformel für die Bestimmung der Höhe einer Treibhausgasabgabe vor. Ein Einstiegssatz von 15 Dollar pro Tonne CO2 ansteigend mit der Wachstumsrate der Weltwirtschaft halten die Wissenschaftler für vernünftig.

Interessant an diesem Versuch ist nicht unbedingt die konkret ermittelte Höhe des Abgabensatzes, sondern der enorme Einfluss einer Veränderungen der Annahmen auf das Ergebnis. So hat etwa das Werturteil, wie hoch wir den Wohlstand zukünftiger Generationen gegenüber dem unserer Generation bewerten und entsprechend abdiskontieren, einen enormen Einfluss auf die errechnete Abgabenhöhe. Während Menschen (einschließlich der Politiker) im Alltag intuitiv mehr oder weniger altruistisch mit ihren Nachkommen umgehen, sich diese Bewertung in den Marktzinsen niederschlägt und zukünftige Erträge heutiger Investitionen damit abdiskontiert werden, streiten sich die Klimaforscher um einen Werturteilsparameter in ihren Gleichungen, der den vom Marktzinsatz abgeleiteten Diskontsatz zu mehr intergenerationeller Gerechtigkeit verhelfen soll. Bewerten wir den Wohlstand zukünftiger Generationen genauso hoch wie den heutigen steigt die optimale Höhe der Klimaabgabe auf das Mehrfache des Wertes, würde man auf das Werturteil verzichten und der Intuition der Marktteilnehmer vertrauen. Hier kommen die Forscher auf lediglich 2,7 Dollar pro Tonne CO2, wohingegen eine hohe Aversion gegen eine Abwertung zukünftigen Wohlstands den Abgabensatz auf über 20 Dollar hochtreiben würde.

Erheblichen Einfluss auf die Abgabenhöhe hat aber auch das wirtschaftliche Wachstum. Je wohlhabender zukünftige Generationen sind, umso weniger sind sie von den Klimaschäden betroffen, weshalb hohe Opfer der heutigen Generation  nicht gerechtfertigt sind. Entsprechend niedriger ist der Abgabensatz anzusetzen.

Großen Einfluss auf die Abgabenhöhe hat auch die Wirkungsverzögerung der Treibhausgasemissionen auf das Klima. Je schneller sich die Akkumulation von Treibhausgasen in der Atmosphäre in den Temperaturen bemerkbar macht, umso höher wäre der Abgabensatz anzusetzen. Die derzeitige Stagnation der Messwerte der globalen Temperatur, während der Anstieg der Treibhausgasemissionen ungebrochen ist, legt nahe, dass der Abgabensatz eher niedriger als höher anzusetzen wäre.

Die Faustformel der beiden Wissenschaftler ist vor allem wegen ihrer Implikationen interessant. Zum einen stellen wir fest, dass die Strenge der Klimapolitik hier weniger von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen als von Werturteilen über intergenerationelle Gerechtigkeit getrieben wird. Ganz extrem zeigt sich dies am politischen Zwei-Grad-Ziel, dem das absurde Werturteil zu Grunde liegt, der Mensch wäre gar nicht in der Lage in einer mehr als zwei Grad Celsius warmen Gesellschaft zu überleben. Zum anderen ist Wachstum und Wohlstand wirksame Klimapolitik, denn sie tragen dazu bei, dass zukünftige Generationen leichter mit den Folgen des Klimawandels umgehen und unsere gegenwärtigen Opfer niedriger ausfallen können. Hierbei ist auch relevant, dass zusätzliche Kosten der Energienutzung bereits ein Wachstumshemmnis sind. Die Erfahrung zeigt, dass wirtschaftliche und bürgerliche Freiheiten wesentliche Voraussetzungen für Wachstum und Wohlstand sind. Ein Übermaß an staatlicher Regulierung, gut zu sehen an den absehbaren Folgen der ineffizienten Klima- und Energiepolitik der Bundesregierung, sind hingegen eine Wachstumsbremse, deren Ergebnisse neben der heutigen Generation auch unsere Nachkommen auszubaden haben.

2 Antworten zu “Freiheit und Wohlstand als Klimapolitik

  1. Logik verlangt einen Nachweis, daß der Mensch überhaupt Verursacher eines „Klimaproblems“ ist. Rechtsstaatlichkeit verlangt das auch.
    Was soll die ständige Worteierei eines Institutes, das offenbar den falschen Titel trägt, denn sonst wüßte es, wo es langgeht.

  2. Welche angeblich schädlichen EM.? Nennen sie wischenschaft peer r. Arbei bevor sie solchen Schwachsinn abschreiben
    MFG smad

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