Zum Glück gibt es die Kommentare

Steffen Hentrich

Nur mit Kerzen einen Raum heizen, verspricht ein italienischer Student seinen potentiellen Kunden. Die vergolden sein Projekt in einer Indigogo-Crowdfunding-Kampagne bereits kräftig mit Vorschuss-Lorbeeren, mehr als 90.000 US$ sind schon zusammengekommen. Prompt wird die Geschichte auch von der WiWo als Sparwunder verkauft, dabei handelt es sich um die Neuerfindung der Heiztechnologie der vorindustriellen Zeit, inklusiver hoher Kosten und schlechter Raumluft. Zwar hat das Paraffin einer Kerze etwa den selben Heizwert wie leichtes Heizöl, doch benötigt man rund 100 Teelichter um die selbe Wärme zu erzeugen, die ein Liter Heizöl hergibt. Während die Wärmeenergie aus 1 kg Heizöl gut 1 Euro kostet müssen für die äquivalenten 100 Teelichter mindestens 4 Euro hingeblättert werden. Das ist also weder wirtschaftlich noch ökologisch ein Gewinn. Zum Glück nehmen viele Leser den Qualitätsjournalisten von der Wiwo die Ökozauberei nicht ab. Hoffentlich färbt dieser Realismus irgendwann auch auf die Energiewende der Bundesregierung ab, die der ökologischen Augenwischerei der Kerzenheizung in nichts nachsteht.

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