Wettbewerb mach müde Bauern munter

Steffen Hentrich

Kaum sinkt der Milchpreis setzt das große Gejammere der Milchviehlobbyisten wieder ein. Man bräuchte höhere Milchpreise, um ohne Subventionen auszukommen und eine zu hohe Milchquote hätte den Markt überschwemmt. Dabei ist das gegenwärtige Preisniveau nicht einmal ungewöhnlich niedrig, 2009, 2010 und 2012 hat die Branche phasenweise schon ähnlich niedrige Preise erlebt und offenbar auch überstanden. Im mittelfristigen Vergleich hat die Milchwirtschaft gerade von einer einzigartigen Hochpreisphase profitiert, von der die Preise gerade wieder auf ein normales Maß gestutzt wurden.

Bauern haben es hierzulande schwer mit der Marktwirtschaft, zumindest wenn sie etwas mit Wettbewerb und freier Preisbildung zu tun hat. Wenn nächstes Jahr EU-weit die marktfremde Milchquote fällt, können die Verbraucher frohlocken, denn erst dann kann es mit dem Wettbewerb um die günstigste und qualitativ hochwertigste Milch richtig losgehen. Es wundert nicht, dass die Milchviehhalter sich vor dem Wettbewerb aus den eigenen Reihen fürchten. Wer jahrelang vom Gesetzgeber die Lizenz zur Kartellbildung genießen konnte, wird sich nur schwer daran gewöhnen können in die Freiheit des Wettbewerbs zu werden. Zwangsläufig wird es eine Marktbereinigung geben, nicht jedem wird der frische Wind des Marktes liegen. Wie andere Wirtschaftszweige auch, wird es die Milchwirtschaft trotzdem überleben.

3 Antworten zu “Wettbewerb mach müde Bauern munter

  1. Aus der Sicht eines Kartells ist die Situation ähnlich der der Taxiunternehmen. Statt gegen den Verordnungsdschungel und künstlich geschaffene wettbewerbfreie Oasen des staatlichen Sozialismus unter dem ALLE leiden zu kämpfen, wird auf Teufel komm raus gejammert und an diesem Zustand geklebt, wobei ich zugestehen muss, dass ich bei den Bauern schon eher die Bereitschaft sehe, sich dem Wettbewerb zu stellen. Wichtig wäre meiner Meinung nach jedoch, das sich der Staat, der ja durch seine Einmischung in die freie Marktwirtschaft diese Verwerfungen erst geschaffen hat, komplett heraushält. DAS wird aber nie passieren, solange Politiker mit sozialistischem Gedankengut Zugriff zu den Hebeln der Macht haben ….

  2. Lieber Steffen Hentrich, ich bin Landwirtin und oft mit Ihnen einer Meinung. Ich fordere seit Jahren den Wegfall der Milchquote (und mache mir damit sicher nicht nur Freunde und meinen Berufskollegen) und glaube, dass wir uns dem Wettbewerb stellen müssen. Was mich an ihrem Kommentar stört, ist die Leichtigkeit, mit der sie über das Schicksal von Betrieben und den dahinter stehenden Menschen sprechen. Eine anonyme „Milchwirtschaft“ wird es wohl überleben – aber für die Betriebe, die die Milchviehhaltung aufgeben müssen, ist das eine schwere Krise. Es tut auch persönlich weh, eine lange Tradition in der Familie aufgeben zu müssen.
    Natürlich hilft Jammern nicht. Aber die Probleme so abzutun, gefällt mir nicht.
    Herzliche Grüße aus Hessen
    Andrea Rahn-Farr

    • Liebe Frau Rahn-Farr, so leid mir die Einzelschicksale tun, so wenig haben die Bauern alle Jahre daran gedacht, welche Konsequenzen Agrarsubventionen und Markteingriffe für andere Menschen haben. Teurere Lebensmittel, belastete Gewässer etc. sind nicht ohne Konsequenzen für die Bürger dieses Landes und ich habe nie einen Bauern darüber seine Sorgen äußern gehört. Ganz im Gegenteil wurde der agrarsubventionierte Eigennutz stets mit einem vermeintlichen Dienst am Gemeinwohl verklärt. Insofern fällt es mir recht schwer eine Krise zu beklagen, die nie eine hätte werden müssen und die letztendlich das Resultat einer teuren Umverteilungspoltik war. Herzliche Grüße Steffen Hentrich

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s