Wird Kohlestrom nicht mehr gebraucht?

Steffen Hentrich

Anlässlich der Veröffentlichung des ersten Entwurfes des „Grünbuchs“ der Bundesregierung zum Strommarktumbau konnte man beim Spiegel gestern lesen, dass Kohle- und Gaskraftwerke wegen der steigenden Stromproduktion aus erneuerbaren Energieträgern immer weniger Strom verkaufen, weshalb man sich Gedanken machen müsse, wie diese alten, klimaschädlichen Kraftwerke loswerde. Steile Thesen, die mit der Realität wenig zu tun haben. Die Verstromung der Braunkohle erfreut sich bei den Energieversorgern konstanter Beliebtheit, der deutsche Primärenergieeinsatz von Braunkohle hat inzwischen das Niveau von 1995 fast wieder erreicht. Auch Steinkohle wird nach einem Rückgang bis 2008 wieder zunehmend in Kraftwerken verfeuert. Einzig das Erdgas erlebt derzeit einen Bedeutungsverlust, ebenso wie die Kernenergie, die aus politischen Gründen vom Markt verdrängt wurde.

Quelle: BDEW 2014

Zudem sind Kohlekraftwerke in der Gesamtbilanz nicht klimaschädigender als die erneuerbaren Energieträger. Während deren Betreiber für die Verbrennung des Brennstoffs Emissionszertifikate nachweisen müssen, fällt die rechnerische Klimaschutzwirkung der erneuerbaren Energieträger gerade weg, weil diese nicht am Emissionshandel teilnehmen. Jede Kilowattstunde Strom aus diesen Anlagen senkt den Preis für die europaweit gehandelten Emissionsrechte und macht es so billiger Kohle in Kraftwerken zu verfeuern. Hohe Subventionen für null Klimaschutz. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass die theoretische Klimaschutzwirkung der EEG-Anlagen selbst dann teuer erkauft würde, wenn der Klimaeffekt nicht verpuffen würde. Mit den knapp 16 Mrd. Euro prognostizierten Differenzkosten zwischen EEG-Vergütung und Marktwert des erzeugten Stroms im Jahr 2012 (BDEW 2014) hätte man bei einem Durchschnittspreis für CO2-Zertifikate von 6 Euro pro Tonne gut 2,6 Mrd. Tonnen Kohlendioxid vermeiden können. Stattdessen weist die Bundesregierung für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern im Jahr 2012 eine Emissionsbilanz von mageren 81,7 Mio. t CO2-Äquivalenten aus. Mit anderen Worten, hier wurden wertvolle Ressourcen zum Fenster herausgeworfen. Wirksamer Klimaschutz und ein sparsamer Umgang mit den von den Bürgern erwirtschafteten Mitteln sieht anders aus.

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