Marktmacht für den Konsumenten

Steffen Hentrich

Der Online-Händler Amazon ist in der öffentlichen Debatte immer wieder Vorwürfen ausgesetzt, er würde seine Marktmacht missbrauchen, um seinen Marktanteil zu Lasten seiner Konkurrenten weiter zu erhöhen. Schon springt die Wettbewerbspolitik auf diesen Zug auf und macht sich Gedanken darüber, wie man den Online-Händler in seine Schranken weisen könne. Vor diesem Hintergrund erinnert uns Tim Worstall in seiner Kritik an einem Beitrag von Paul Krugman zu Amazon als Monopsonist in der New York Times an die Mahnung Adam Smiths, dass der Zweck aller Produktion der Konsum sei, weshalb auch die Bewertung von Marktergebnissen durch die Politik ebenfalls aus der Perspektive der Konsumenten vorzunehmen ist. Da es Amazon im Streit mit seinen Lieferanten von digitalem Content, wie etwa eBooks, bislang lediglich darum ging für seine Kunden bessere Konditionen und günstigere Preise durchzusetzen, was zwangsläufig den kurzfristigen Gewinninteressen der Verlage zuwiderläuft, gäbe es keine Veranlassung jetzt wettbewerbspolitisch aktiv zu werden. Sollte das Handelsunternehmen eines Tages wirklich so viel Macht besitzen, dass es beginnt seine Kunden mit Monopolpreisen auszunehmen, wäre immer noch Zeit genug dagegen mit wettbewerbspolitischen Mittel vorzugehen. Leider geht die Konsumentenperspektive in der öffentlichen Debatte sehr schnell im propagandistischen Sperrfeuer der Lobbyisten unter. Selbst linke Systemkritiker, die nicht Müde werden der Marktwirtschaft die wirtschaftliche Ausbeutung der Massen vorzuwerfen, lassen sich dann vor den Karren der Unternehmensvertreter spannen, denen es vor allem um die Verteidigung ihrer tradierten Geschäftsmodelle geht.

5 Antworten zu “Marktmacht für den Konsumenten

  1. Ist das möglicherweise nicht zu einfach? Amazon macht schließlich nicht nur in Büchern. Und generell spielt einsetzbares Kapital eine meistentscheidende Rolle. Vom Mitarbeiterlos mal ganz zu schweigen.

    Meiner Meinung nach hätte man so ein Geschäftsmodell wie Amazon in D nie zulassen dürfen. Das ist nichts Gewachsenes, sondern etwas Aufoktroyiertes, einfach weil Geld Vermehrung gesucht hat. Andere Länder schützen ihre Märkte ebenfalls.

    • Machen Sie es sich nicht zu einfach? Amazon hat in Deutschland Millionen zufriedener Kunden und Sie wollen es schließen, wegen eines Bauchgefühls, dass Sie nach o. G. Logik bei allem beschleichen müsste, was nicht schon seit Jahren da war.

      • Na, das dürfte wohl kaum ein Geheimnis sein, warum die zufrieden sind, gleichwohl es letztendlich doch wieder auf deren Kosten geht bzw. sogar auf die Kosten aller, egal, ob sie nun Kunde bei diesem Unternehmen sind oder nicht.

        Amazon ist m.E. eine klassiche Heuschrecke. Das die derzeitige deutsche Gesetzeslage es hergibt (Schröder/Fischer sei Dank), daß solche Unternehmen wie u.a. Amazon in Deutschland wirken dürfen so wie sie es tun, ist sowohl kurz, wie mittel- oder gar langfristig eine volkswirtschaftliche Katastrophe.

        Für nicht valide halte ich das Argument, der Markt würde es schon richten. Das hat man vielleicht dann, wenn für alle die gleichen/ähnlichen Bedingungen herrschten und Marktkonzentration nicht gestattet ist, Steuern dort bezahlt werden, wo sie anfallen usw. usf.

        Herzliche Grüße,
        Der Salva

  2. Wenn ich bei Amazon etwas finde, so zeigt mir Amazon den Preis, die Qualität durch (hoffentlich) neutrale Käufer und – Anbieter mit günstigeren Preisen an. Tatsächlich kaufe ich mittlerweile häufiger Dinge nicht bei Amazon, sondern über die Alternativangebote. Man gehe doch mal in einen Möbelladen, und sage dem Verkäufer: „Das will ich haben! Wissen Sie, ob ihr Konkurrent das nicht billiger anbietet?“
    Vielleicht ist es ja das, was den ‚klassischen Verkäufern‘ nicht passt, dass Amazon eine Plattform bietet, um Qualitätsware zum günstigsten Preis anzubieten. Und daher die gegenwärtige Propaganda gegen Amazon, die natürlich nicht von Verbraucherschützern initiiert wurde, sondern vom Einzelhandel, und von der beflissenen linkspopulistischen Politik unterstützt wird –

    – so ähnlich wie die Chlorhühner-Debatte von den Europäischen Hühnerzüchtern aufgebracht wurde,

    – oder das Ozonloch durch FCKW, das ja bekanntlich nur zum Thema gemacht wurde, weil die alten Patente ausliefen, und man die Hersteller zum Einsatz neuer, patentierter und teurerer Mittel zwingen wollte,

    – oder Klimawandel, der so vielen Leuten so große, unverdiente Einkünfte sichert.

    Wann merken die Leute eigentlich endlich, dass sie an der Nase herumgeführt werden wie die Pfingstochsen auf dem Jahrmarkt?

  3. Pingback: Wettbewerbspolitik ist Verbraucherschutz |

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