Neuberechnung: Drogenhandel jetzt Teil des BIP

Gérard Bökenkamp

Wie die Wirtschaftswoche berichtet, wird ab September das BIP in der EU nach  neuen Regeln berechnet:

„Die quantitativ wichtigste Änderung betrifft die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung. Bisher wurden die Ausgaben hierfür als Vorleistungen behandelt, künftig gehen sie als Investitionen in die BIP-Berechnung ein. Letzteres gilt auch für die Anschaffung militärischer Waffensysteme. Selbst illegale Aktivitäten wie der Verkauf von Drogen steigern ab jetzt als Schätzwert das Bruttoinlandsprodukt.“

Auf diese Weise wird das BIP künstlich angehoben, was den Verschuldungsspielraum entsprechend der Maastricht-Kriterien erhöht, da die Maastrichtskriterien von der Verschuldung im Verhältnis zum BIP  ausgehen. Wenn das BIP steigt, dann steigen also zugleich die Verschuldungsgrenzen. Die Verschuldungsquoten werden dabei  statistisch gesenkt. Die deutsche Schuldenquote sinkt zum Beispiel dadurch von 78 auf 76 Prozent.

7 Antworten zu “Neuberechnung: Drogenhandel jetzt Teil des BIP

  1. Unfassbar wie die wirtschaftliche Realität schöngerechnet wird. Dass illegale Aktivitäten dem BIP zugerechnet werden, ist gefährlich: Realwirtschaftlich schaden illegale Aktivitäten einem Staat, da Geld aus den regulären Finanzströmen in den Schwarzmarkt abfließt, also in Systeme, die überhaupt nicht oder kaum einen Mehrwert für das BIP liefern.

  2. Wie wird denn der Umsatz von rechtspositivitisch illegalen Drogen erfasst und mit welchen Preisen berechnet?

  3. Ja, das ist ja schon mal ein Anhaltspunkt, was die Preise angeht, wenn auch diese vermutlich variieren. Aber für (keynesianistische?) Aggregatskonstruktionen könnte es reichen. Was den Umsatz angeht kann man vielleicht, mehr oder weniger valide, Studien zu den Genussgewohnheiten der Bevölkerung hochrechnen.

    • Wie man es macht, ist eigentlich egal. Des Pudels Kern ist die ökonomische Frage, wieso wir Geldströme in illegale Wirtschaftsaktivitäten, die dem BIP realwirtschaftlich schaden, auf einmal in die BIP-Berechnung aufnehmen. Das „Warum“, also so gesehen, der „Vorwand“ ist ja klar – er ist nur gegen jede wirtschaftliche Vernunft!

      • Nur weil etwas illegal ist, richtet es keinen realen Schaden an. Die Konsumenten genießen meist ihre Drogen. Natürlich werden sie machmal übers Ohr gehauen.

        Aber ist dieser Betrug gravierender als die Steuerverwendung in der Politik. Je teurer der Flughafen Berlin-Brandenburg wird, desto höher das BIP …

  4. Das BIP ist ja ein Wert für partikulare statistische Berechnungen. Etwas qualitativ und quantitativ anderes ist der theoretische wie praktische Wohlstand einer abstrakten Gesellschaft (ihre institutionelle Ausstattung etc.), sowie von konkreten Gruppen und Individuen.

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