Das Relikt Kirchensteuer

Peter Altmiks

Wegen der Erhebung von Kirchensteuer auf Kapitalerträge streiten sich derzeit Kirchen und Kreditinstitute. Während die Banken nur ihren gesetzlichen Pflichten nachkommen und für die beiden priviligierten Amtskirchen die Steuern eintreiben, mutmaßen die beiden Amtskirchen, die Kreditinstitute hätten Kunden zum Austritt geraten.

Tatsächlich ist die kürzlich gestiegene Anzahl an Kirchenaustritten  mit dem neuen Erhebungsverfahren verbunden. So gäbe es zum ersten mal eine ersichtliche Austrittswelle von mehr als 65-jährigen Kirchenmitgliedern, die als Pensionäre wenig mit der Erhebung der Kirchensteuer auf Lohneinkünfte zu tun haben.

Einige grundsätzliche Fragen sollten jetzt aber gestellt und wenn möglich beantwortet werden:

  1. Warum müssen die staatliche Finanzverwaltung und private Banken die Beiträge für Amtskirchen erheben und abführen? Können nicht alle Religionsgemeinschaften dies selber erledigen?
  2. Wie tief sitzt das Misstrauen gegen die Amtskirchen vor dem Hintergrund von Skandalen (Missbrauchsfälle, Verschwendung, Wahlempfehlungenen von der Kanzel etc.) und wirtschaftlicher Tätigkeit (Sozialkonzerne)?
  3. Warum haben Amtskirchen Zugriff auf Meldedaten, aus denen hervorgeht, wer ein zweites Mal verheiratet ist oder in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft lebt?
  4. Muss man Mitglied einer Amtskirche sein, um sein Leben im christlichen Glauben zu gestalten?

Die Diskussion um die Rechtmäßigkeit der Kirchensteuer hat erst begonnen. Es ist fraglich, ob die Kirchensteuer die Bindung zwischen Kirche und Gläubigen stärkt. Vielleicht wäre es klüger, die Beiträge selbst zu erheben und nicht den Staat einzuspannen.

2 Antworten zu “Das Relikt Kirchensteuer

  1. ad 1. Sie müssten nicht, es ist aber praktisch und unbürokratisch. Alle Beteiligten haben einen Nutzen davon. Man sollte eher darüber nachdenken, ob man die Möglichkeit, einkommensabhängige Beiträge zu erheben, nicht auch anderen gemeinnützigen Organisationen zugutekommen lassen sollte.

    ad 2. Die Skandale dürften Misstrauen hervorgerufen haben, während die Sozialkonzerne sich höchster Beliebtheit erfreuen. Sie sind vermutlich die stärkste Stütze für das immer noch bestehende Ansehen der Kirchen.

    ad 3. Das betrifft, wie der verlinkte Artikel zeigt, offenbar nur die bei der Kirche Beschäftigten.

    ad 4. Prinzipiell nicht. Für katholische Christen ist die Kirchenzugehörigkeit allerdings ein zentraler Bestandteil ihres Glaubens. In der protestantischen Welt gab es früher das Phänomen des kirchenfern Glaubenden („Kulturprotestantismus“). Inzwischen ist das weitgehend ausgestorben. Wie die evangelische Mitgliedschaftsstudie dieses Jahr gezeigt hat, fallen das Interesse an religiösen oder spirituellen Fragen und der Kontakt zu einer Kirchengemeinde immer mehr zusammen.

  2. Ich bin Christ und Gegner der Kirchensteuer, weil ich glaube, daß sie den Kirchen in Deutschland geschadet hat (wenn auch nicht ihren Verwaltungen). Trotzdem finde ich Frage 1 und ihre Variationen in Diskussionen immer ausgesprochen ermüdend (und sie wirft auch kein gutes Licht auf den Fragesteller). Die Antwort ist einfach: Weil – grob vereinfacht – Deutschland sich dazu vertraglich verpflichtet hat.

    Wenn Sie das Thema auf eine kluge Weise ansprechen wollen, fragen Sie doch statt dessen: „Ist es sinnvoll, daß … ?“

    Bei Frage 3 verhält es sich genauso.

    Darum gibt es auch keine Diskussion um die „Rechtmäßigkeit der Kirchensteuer“ sondern eine um die „Sinnhaftigkeit der Kirchensteuer“.

    Was ich bekümmerlich finde: Sie wissen das alles und fragen trotzdem vermeintlich naiv daher, statt zu erklären und insinuieren damit, sie seien hier irgendeiner finsteren Verschwörung auf die Spur gekommen… billige Polemik.

    Die Liberalen in Deutschland hatten mal so ein Potential…

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