Kleine und große ökologische Fußabdrücke

Steffen Hentrich

Vehemente Kritiker der Schiefergasförderung verweisen in aller Regel auf mögliche Gefahren für das Grundwasser und Risiken geologischer Verwerfungen, weshalb sie keine Alternative zur Nutzung sogenannter erneuerbarer Energieträger darstellen würde. Doch die von Umweltschützern immer wieder geforderte ganzheitliche Bewertung alternativer Energieträger sollte möglichst viele Aspekte des „ökologischen Fussabdrucks“ berücksichtigen. David McKay (Sustainable Energy – without the hot air) hat  zu diesem Zweck einmal die Auswirkungen der Bereitstellung äquivalenter Arbeit aus Schiefergas, Windkraft und Photovoltaik gegenüber gestellt, wobei er den Flächenbedarf, die visuelle Beeinträchtigung der Landschaft und die notwendigen Transportbewegungen mit LKWs einbezogen hat. Im Vergleich zu hypothetischen Gefahren aus Treibhausgasemissionen, Grundwasserbelastung und sonstigen theoretischen Risiken, handelt es sich bei diesen Effekten, um unmittelbar spürbare Folgen des Einsatzes dieser unterschiedlichen Energieträger. Der Vergleich zeigt, dass die Nutzung von Schiefergas einen relativ kleinen ökologischen Fußabdruck erzeugt.

Ökologischer Fußabdruck einer Schiefergasbohrung, einer Windparks und einer Photovoltaikanlage

Ökologischer Fußabdruck von 9,5 TWh aus der Schiefergasförderung, Windkraftanlagen und einer Photovoltaikinstallationen

Am schlechtesten schneidet die Windnutzung ab, deren Anlagen weithin sichtbar sind und die im Vergleich zu den anderen beiden Alternativen deutlich mehr Fläche beansprucht. Aber auch die Solarenergie benötigt ein Vielfaches der Fläche die von der Förderung des Schiefergases in Anspruch genommen wird. Lediglich bei Verkehrsbelastung ist es nicht ausgeschlossen, dass die Schiefergasförderung zu stärkeren Beeinträchtigungen als Wind- und Sonnenenergienutzung führt, jedoch nur in besonderen Fällen. Unter besonders günstigeren Bedingungen ist Schiefergas hier ebenfalls den anderen Energieträgern überlegen.

3 Antworten zu “Kleine und große ökologische Fußabdrücke

  1. Und diese Analyse geht sogar noch von der wohlwollenden Annahme aus, daß Strom aus Windkraft- und Solaranlagen konstant fließt. Tatsächlich muß man aber noch berücksichtigen, daß zusätzliche Methangas- (Power-to-gas) oder Wasserspeicher nötig sind, um solchen Strom verläßlich nutzen zu können. Abgesehen von wirtschaftlichen, rechtlichen und technischen Schwierigkeiten sind hier erhebliche Umweltfolgen zu erwarten. Die norwegischen Umweltschützer sind ja schon jetzt wenig begeistert von dem Vorschlag, Wasserspeicher für die deutschen Stromkunden anzubieten.

  2. Die relativ hohe Zahl von LKW-Transporten bei Schiefergas ist m. W. dadurch bedingt, daß die US-Erfahrungen im wesentlichen in sehr wasserarmen Gegenden gewonnen wurden. Bei deutschem Schiefergas müßte das wesentlich besser aussehen.

    Ansonsten wären noch weitere Umweltrisiken zu berücksichtigen (Vogelschlag bei Windrotoren, Rohstoffgewinnung bei Solarzellen).

    • Steffen Hentrich

      McKays Aufzählung ist natürlich unvollständig. Gerade unter Berücksichtigung von Opportunitätskosten würde der Vergleich für die erneuerbaren Energieträger noch schlechter aussehen.

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