Auch Reichtum kann zufrieden machen

Steffen Hentrich

Wer wirtschaftliches Wachstum verteidigt braucht sich über einen Mangel an Kritik nicht beklagen. Die einen meines es zerstöre die Umwelt, andere wieder sind der Meinung es würde zu Ungleichheit führen und an den Armen vorbei gehen. Beides lässt sich recht leicht entkräften. Reiche Länder zeichnen sich stattdessen durch eine saubere Umwelt und einen effizienteren Umgang mit Rohstoffen aus, auch ist dort das Wohlstandsniveau der ärmsten Teile der Bevölkerung um ein Mehrfaches höher als in armen, wenig dynamisch wachsen Ländern.

Internationaler Vergleich der Relation von Pro-Kopf-Einkommen und Zufriedenheit

Schwieriger wird es schon, wenn Wachstumsskeptiker behaupten, dass individuelle Einkommen ab einem bestimmten Niveau nicht mehr zu einem Zuwachs des Wohlbefindens bzw. der Zufriedenheit der Menschen führen. Seit Jahren wird in der Wissenschaft darüber gestritten, ob die Mühen des wirtschaftlichen Wachstums dessen Wohlstandsbeitrag überhaupt rechtfertigen.

Nationaler Vergleich der Relation von Pro-Kopf-Einkommen und Zufriedenheit

Ganz unabhängig davon, ob es aus liberaler Perspektive überhaupt eine legitime Fragestellung ist, das Ergebnis der wirtschaftlichen Tätigkeiten von Individuen nach den Ergebnissen von empirischen Umfragen über ihr Wohlbefinden zu bewerten, geben die empirischen Daten eine wachstumskritische Interpretation des Zusammenhangs von Einkommen und Zufriedenheit nicht her. Betsey Stevenson and Justin Wolfers haben sich anhand der Ergebnisse internationaler Umfrage mit der Frage beschäftigt, ob die Menschheit bereits ein Einkommensniveau erreicht hat, bei dem sich ein weiterer Zufriedenheitszuwachs nicht mehr beobachten lässt. Anders als andere Wissenschaftler vor ihnen kommen sie zu dem Ergebnis, dass sich eine Einkommenssättigung noch nicht beobachten lässt. Es mag stimmen, dass der Zuwachs der Zufriedenheit mit steigendem Einkommen abnimmt, doch noch ist Wachstumsbeitrag positiv. Das gilt sowohl für den internationalen Vergleich als auch für die Betrachtung des Zusammenhangs zwischen Einkommen und Zufriedenheit innerhalb der einzelnen Länder.

3 Antworten zu “Auch Reichtum kann zufrieden machen

  1. Die Freiheit hat es schwer, Anerkennung zu finden. Nichtzuletzt, weil sie so wunderbar funktioniert: laut- und reibungslos, unmerklich. Deshalb ist uns die freiheitliche Zivilgesellschaft in so vielerlei Hinsicht eine Selbstverständlichkeit. Dass wir ihretwegen nicht unentwegt in Jubelstürme ausbrechen, sie nicht in unserem Zufriendenheitsindex bei jeder Gelegenheit ausdrücklich vermerken, ist doch gerade ein Zeichen ihrer Stärke.
    Unsere Fähigkeit, Zufriedenheit oder sogar Glück wahrzunehmen, stößt im praktischen Leben schnell an eine Obergrenze, und verteilt sich (oft aus zulässigen Gründen) auch gerne auf banalere Freuden, wie auf den Sieg der Nationalmannschaft, aber die Verbesserungen, die die Freiheit für unser Leben möglich macht, sind zum Glück unbeschränkt, und wir dürften recht bald erhebliche Frustation (negative Zufriedenheit) verspüren, wenn sie uns genommen werden.

  2. Es ist immer wieder der gleiche Unfug, der solchen Machwerken zugrunde liegt.
    Da werden die Einkommen der diversen Länder an der Währung eines anderen Landes – in desem Fall die USA – gemessen.
    Einkünfte in Währungen zu vergleich ist ein Unsinn an sich.
    Richtig wäre es, die Einkünfte in Zeiteinheiten zu bewerten. Also, wie lange muss ich arbeiten, meine Miete, meine Energie, meine Lebensmittel etc. zu bezahlen. Zugleich ist die Frage zu stellen, gibt es die Arbeitsplätze in dem jeweiligen Land überhaupt, die das sicher stellen können.
    Dann gibt es noch die Frage, welche Ansprüche dienen dem Leben direkt und welche dienen dem Komfort, der Lebensqualität. Auch das wird in den verschiedenen Ländern durchaus unterschiedlich betrachtet.
    Es ist eigentlich nicht verwunderlich, wenn auch in den ärmeren Ländern der Vergleich gerne mit den Vorzeigeländern gezogen wird. Das befördert das Anspruchsdenken. Dieses Anspruchsdenken wäre sogar zu begrüßen, wenn es dazu führte, auch die für die Erfüllung notwendigen Anstrengungen zu unternehmen.
    Wer etwas in der Welt herumgekommen ist, und das nicht als Urlauber, wird zugeben müssen, dass diese Bereitschaft oftmals fehlt.
    Es ist bemerkenswert, dass man hier vor Zeiten immer von einem Nord-Süd-Gefälle gesprochen hat, nie aber von dem Süd-Nord-Gefälle auf der Südhalbkugel.
    Es wäre dann nämlich aufgegangen, dass diese „Armut“ sehr viel mit klimatischen Verhältnissen zu tun hat. Es würde dann auch klar werden, dass es noch lange dauern wird, bis man in den südlichen Bereichen auf der Nordhalbkugel, auf der Südhalbkugel eben analog, gelernt hat, dass die überkommenen Vorstellungen keine Gültigkeit mehr haben. Einer der Hauptgründe für diese Veränderungen ist in der Medizin zu suchen. Die Bevölkerungen dort wachsen dank dieses medizinischen Fortschritts exorbitant. Folge: Hungersnöte gab es dort früher eher selten. Vorratshaltung und das damit verbundene Denken, das in den nördlichen Bereichen überlebenswichtig war, fehlt dort immer noch. Man bekommt das mit, wenn man dort mal für einige Zeit mit diesen Menschen gelebt hat (ich hatte da meine Erfahrungen in Südostasien, Südamerika und auch Afrika gemacht).
    Ich betrachte das auf keinen Fall als eine Klassifizierung, es ist schlicht die Beschreibung der Tatsache, der Anpassungsfähigkeit des Menschen. In den ärmeren Ländern gab es früher überhaupt keinen Grund zur längerfristigen Vorsorge für das Überleben.
    Man sieht, es bedarf solcher hochgepfopften mit dem offensichtlich vorgegebenen Ziel des Jammerns nicht.

    • Steffen Hentrich

      Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Autoren der Studie die Einkommen in Kaufkraftparitäten messen, also nicht einfach auf US-Dollar umrechnen.

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