Kein Triumph des Kapitalismus

Steffen Hentrich

Peter Linebaugh, amerikanischer Historiker und Marxismusforscher, hat die Forderung eines amerikanischen Verlages die fünfzigbändigen gesammelten Werke von Marx und Engels aus dem öffentlichen Marxist Internet Archive aufgrund eines Verstoßes gegen das Copyrights an der englischen Übersetzung zu nehmen mit einer Kritik am Kapitalismus kommentiert:

This is the triumph of capitalism, having the small fish biting at each other.

Geistiges Eigentum ist alles andere als ein „Triumph des Kapitaliusmus“, es ist ein staatliches Privileg, dessen Rechtfertigung in einer marktwirtschaftlichen Eigentumsordnung auf außerordentlich wackligen Füßen steht. Ziel privaten Eigentums kann nur die Vermeidung von Konflikten um die Nutzung knapper Ressourcen sein. Immaterielle Güter sind nicht knapp, es treten keine Nutzungskonflikte auf. Geistiges Eigentum führt zu temporären Monopolen, wobei der Wettbewerb um die beste Umsetzung von Ideen in Güter und Dienstleistungen durch den Staatseingriff limitiert ist. Zudem setzt die staatliche Durchsetzung geistigen Eigentums selbst einen Eingriff in die Nutzungsrechte der Menschen an ihrem materiellen Eigentum voraus. Der jedoch dient nicht dazu einen Angriff auf die körperliche Unversehrtheit eines Menschen zu unterbinden oder Konflikte um die Nutzung knapper Ressourcen zu reduzieren, sondern lediglich einer Monopolisierung fiktiver Gewinnansprüche.  Ob geistiges Eigentum eine Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit von Unternehmen ist, kann im Einzelfall nicht theoretisch, sondern lediglich empirisch beantwortet werden. Eine Vielzahl hochinnovativer Branchen kommt völlig ohne ein Verwertungsmonopol auf Ideen und deren technologische Umsetzung aus. Um bei dem Vokabular der Marxisten zu bleiben, handelt es sich hier bestenfalls um einen Triumph des sogenannten staatsmonopolistischen Kapitalismus (StaMoKap). Den lehnen aber auch Liberale ab.

3 Antworten zu “Kein Triumph des Kapitalismus

  1. Wunderbar knappe und klare Kurzdarstellung, Herr Hentrich. Man kann nicht auf allen Gebieten ständig auf der Höhe sein, umso mehr weiß ich Ihre kompetente Nußschalen-Darstellung zu schätzen. Wenn das Thema für mich wieder einmal aktuell werden sollte, weiß ich, wo ich mit der Auffrischung meiner Kenntnisse beginne. Merci vielmals.

  2. Geistiges Eigentum ist heutzutage immer wichtiger. Mit dem zunehmenden Einfluss der Digitalisierung muss man tagtäglich seine Rechte und Privacy gut beschützen. Besonders im Internet.

    • Steffen Hentrich

      Das ist Ihre Auffassung, aber nicht die meine und auch nicht die vieler liberaler Ökonomen. Die Digitalisierung ändert nichts an der Eigenschaft geistigen Eigentums als staatliches Privileg ohne mit ökonomischer Knappheit an begründender Rechtfertigung.

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