Worüber Umweltbewegte nicht sprechen wollen

Steffen Hentrich

Ohne Zweifel leiden alle Menschen unter selektiver Wahrnehmung, ohne die Konzentration auf das Wesentliche würde man im Leben nicht vorankommen. Diese Vorgehensweise kann allerdings auch auf die Spitze getrieben werden, was allerdings den Nachteil hat, dass man Gefahr läuft die Glaubwürdigkeit zu verlieren. Es sei denn, man setzt die Scheuklappen für einen guten Zweck ein. Anton Hofreiter, Chef der Bundestagsfraktion der Grünen, macht das, wenn er nach den Ursachen nach den in Deutschland steigenden Strompreisen gefragt wird und darauf antwortet, dass sich die Stromkonzerne aufgrund des fehlenden Wettbewerbs auf dem Strommarkt die Taschen vollwirtschaften können. Die Kleinigkeit eines Strompreisaufschlags von 6,24 Cent/kWh zur Finanzierung eines staatlichen Subventionslochs namens EEG wird dabei beflissentlich nicht wahrgenommen.

Ähnlich praktizieren es die Macher einer Studie des European Commission Joint Research Centre im Auftrag der EU-Kommission, die sich anschickten, eine aktualisierte Abschätzung der sektoralen und regionalen Auswirkungen des Klimawandels vorzulegen, in der, es wird nicht weiter verwundern, die Klimafolgeschäden für Europa nicht gerade klein gerechnet werden. Ganz im Gegenteil,  man veranschlagt die Kosten des Nichthandels angesichts der Gefahr eines Klimawandels auf ein Äquivalent von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Europäischen Union. Mehr als die Hälfte aller Kosten werden auf zusätzliche Todesfälle im Zusammenhang mit einem angenommenen Anstieg der Häufigkeit und des Ausmaßes von Hitzewellen zurückgeführt. An dieser Stelle kommt die Unterlassungssünde ins Spiel, wie der britische Ökonom Tim Worstall bei Forbes moniert. Alle Projektionen des Klimawandels gehen nämlich nicht nur von mehr Hitze, sondern auch von weniger Kälteextremen aus, denen sechs mal Menschen zum Opfer fallen als zu heißer Witterung. Doch der mögliche Rückgang von Opfern großer Kälte wird in der Studie nicht einmal in Erwägung gezogen, eine Abschätzung dieser wünschenswerten Folge einer Klimaerwärmung erfolgte nicht, obwohl deren Effekt mit großer Wahrscheinlichkeit die negativen Folgen steigender Wärme überkompensieren würde. Als ob diese methodische Unterlassungssünde nicht schon genug wäre, werden hypothetische Kosten eines verkürzten Lebens für die Betroffenen mit dem Bruttoinlandsprodukt der EU verglichen, dass zwar den Wert der in der EU produzierten Güter und Dienstleistungen quantifiziert, nicht aber den Wert des Lebens seiner Bürger.

Wer mit Tunnelblick und zweifelhafter Methodik  die deutsche und europäische Klimapolitik vorantreiben will wird für den kritischen Beobachter sehr schnell die Glaubwürdigkeit verlieren. Zu dumm nur, dass dieses Brett vorm Kopf inzwischen die Glaubwürdigkeit der Umweltpolitik in weiten Teilen der Bevölkerung geradezu ausmacht.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s