Demokratie und Liberalismus – Harmonie im menschlichen Maß

Christoph Heuermann

Der Liberalismus und die Demokratie stehen seit jeher in einer schwierigen Beziehung zueinander. Obwohl der Liberalismus die Demokratie erst ermöglichte, führt jene ihn oft in die Bedeutungslosigkeit. Spannungsfelder eröffnen sich viele – doch kann man beide Konzepte auch in Einklang bringen?

Der Essay mit dem Titel „Demokratie und Liberalismus. Harmonie im menschlichen Maß“ versucht genau dies. Er argumentiert, dass kleine Gesellschaften die Essenz beider Konzepte für sich nutzen können. Demokratie sei etymologisch über das griechische Wort „Deme“ auf kleinräumigste Einheiten zurückzuführen. Auch der Liberalismus, zuerst eine Bezeichnung für eine individuelle Tugend, sei aus einem Kontext des Kleinen entstanden. Von diesem sei beiden Begriffen, in der heutigen Verwendung,  mittlerweile einer „babylonischen Sprachverwirrung“ zum Opfer gefallen, nicht mehr viel zu spüren.

Unter Verweis auf bedeutende liberale und anarchistische Vordenker wie z.B.  Friedrich August von Hayek, Wilhelm Röpke, José Ortega y Gassets oder Leopold Kohr werden die speziellen Dynamiken kleiner Gesellschaften analysiert, die zur Harmonie von Demokratie und Liberalismus führen könnten. José Ortega y Gassets etwa diskutiert den Massenmenschen, der in einer großen Gesellschaft ein Problem darstellt. Wilhelm Röpke kritisiert den „Kult des Kolossalen“. Leopold Kohr, der sich zeitlebens mit dem Thema von Kleinheit auseinandersetzte, versucht die Grenzen der Kleinheit zu definieren. Sie alle tragen dazu bei, dass die These der Kleinheit als Mittel zur Vereinbarkeit von Demokratie und Liberalismus an Gewicht gewinnt.

So gibt es neben der Tatsache, dass in kleineren Gesellschaften keine ständig nach dem Staat rufenden Massenmenschen anwesend sind, mehrere gewichtige Gründe für diese These. Konkret wären dies ein besseres Verständnis gesellschaftlicher Prozesse, persönliche Verantwortlichkeit und Solidarität, der Schutz des Individuums sowie eine höhere Dynamik, sowohl in wirtschaftlich-politischer, psychologischer als auch moralischer Hinsicht, die im Essay ausführlich erläutert werden.

Nach der ausführlichen Erläuterung dieser Gründe schließt sich ein Plädoyer für das Kleine an. So wie man seine Liebe ausdrücke, indem man andere in der Verkleinerungs- bzw. Verniedlichungsform anrede, verhalte es sich auch mit kleinen Gesellschaften. Nur diese können sowohl liberale als auch demokratische Werte hochhalten, indem sie das „menschliche Maß“ berücksichtigen.

Dieser Essay ist dabei eine längst nicht völlig ausgeschöpfte Quelle für Argumente für das Kleine, die im Zeitalter von Größenwahn und Zentralismus jedem freiheitlich gesinnten Menschen zu empfehlen sind. Für ein intensiveres Studium mit dieser Thematik bietet sich insbesondere Leopold Kohrs Buch „The Breakdown of Nations“ an, wo er neben einer Vielzahl sozialwissenschaftlicher Argumente seine Sicht auch aus der Perspektive der Naturwissenschaften wie Biologie und Physik begründet. Trotz seines Alters hat dieses Buch nichts an seiner Aktualität eingebüßt.

 Ob eine freie und demokratische Gesellschaft nur im Kleinen möglich ist, ist sicher diskutabel. Dies verneint dieser Essay auch nicht, er sieht lediglich wohlbegründete Vorteile für kleine Gesellschaften, die sich auch historisch belegen lassen. Schließlich haben nicht Imperien Europa zum heutigen Wohlstand verholfen, sondern eine Vielzahl konkurrierender Kleinstaaten, die uns in Form vom Luxemburg, Liechtenstein oder Andorra auch heute noch erhalten sind und mit ihrem Wohlstand viel Neid erwecken. Gerade unter dem Hintergrund erstarkender Sezessionsbewegungen tut es gut, sich erneut in diese Thematik zu vertiefen. Das „menschliche Maß“, die Kleinheit, kann die Lösung für viele Herausforderungen sein, vor der unsere Gesellschaft steht.

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