Journalismus hoch und tief

Steffen Hentrich

Der diesjährige Hayek-Medaillen-Preisträger Rainer Hank beschreibt in der FAZ weshalb die Macht des Eigentums Feind wirtschaftlicher und politischer Macht ist und deshalb auch Freund der Freiheit. Im Bezug auf die jüngste Google-Debatte und deren wirtschaftliche Macht stellt er fest, dass private Macht gefährlich ist, „wenn der Kunde einen Schaden hat, aber nicht, wenn die Wettbewerber sich beschweren.“ Wirtschaftsjournalismus mit Qualitätsanspruch.

Alan Posener beweist dagegen in der Welt, dass ideologische Scheuklappen ohne Kenntnisse ökonomischer Zusammenhänge den Wirtschaftsjournalismus zur Lachnummer machen können. Er meint nur durch die Beamtenbeihilfe könne die private Krankenkasse existieren, Grund genug diese abzuschaffen und damit offenbar auch der PKV den Existenzhahn abzudrehen. Es mutet ja etwas verwunderlich an, dass Herr Posener glaubt Zuschüsse für ein knappes Viertel der Versichterten würden gleich ein ganzes Geschäftsmodell ruinieren. Offenbar weiß er nicht, wie eine Versicherung funktioniert, dass die PKV einfach nur die nicht von der Beamtenbeihilfe abgedeckten Kosten versichert und hierfür versicherungsmathematisch kalkulierte Beiträge verlangt. Wer keine Beihilfe bekommt, muss eben tiefer in die Tasche greifen, was in der Vergangenheit trotzdem nicht zu einem Verlust der zahlenden Kundschaft führte. Unbekannt ist ihm offenbar auch, dass die Gesetzlichen Krankenkassen vom Bund ebenfalls Zuschüsse für sogenannte versicherungsfremde Leistungen erhält (zum Beispiel für die beitragsfreie Familienversicherung von Kindern und Ehegatten oder die Leistungen für Mutterschaft und Schwangerschaft), wodurch hier tatsächlich ein Teil des Geschäftsmodells der GKV erst durch staatliche Subventionen funktioniert (der andere Teil wird durch einen staatlichen Kontraktionszwang unterhalb festgelegter Einkommen ermöglicht).

Nicht viel besser ist ein Beitrag von Nana Heymann in der Zeit, in dem sie ihrer Angst vor Deos Ausdruck verleiht. Sie beruft sich dabei zwar auf Aussagen der Bundesinstituts für Risikobewertungen (BfR), zeigt aber eindeutig, dass sie diese nicht richtig gelesen haben kann. Die Experten der Behörde schreiben nämlich in ihrer Stellungnahme zu aluminiumhaltigen Antitranspirantien, dass Grund der Sorge gerade nicht die vermeintlich Krebs oder Alzheimer auslösende Wirkung des Aluminiums ist, sondern die hinlänglich bekannte neuro- und embryotoxische Wirkung. Gelesen hat sie offenbar auch nicht, dass die Grenzwerte, auf die das BfR seine Berechnungen aufbaut, jüngst von der WHO auf den doppelten Wert nach oben korrigiert wurden, einen Wert, dem nur die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) noch nicht folgt. Ebensowenig geht sie darauf ein, dass die BfR-Angaben nach eigenem Aussagen sehr vorsichtig zu genießen seien, da die verwendeten Angaben über die Aufnahme des Aluminiums über die Haut wissenschaftlich sehr umstritten sind, weil sie sich je nach Untersuchungsdesign sehr unterscheiden. Natürlich kann jeder in die BfR-Stellungnahme hineinlesen, was er für richtig und gefährlich hält, doch sollte man es in der Zeitung nicht so tun, dass der ursprüngliche Inhalt nicht mehr wiedererkannt werden kann.

 

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