Fair Trade: Reine Statusfrage

Detmar Doering

Seit den Tagen von Thorstein Veblen ist es unter Kapitalismuskritikern populär, die Marktwirtschaft als etwas zu bezeichnen, dass weder Moral noch die Bedürfnisbefriedigung der Menschen zum Ziele habe, sondern die Verbesserung und Zurschaustellung des Status der Besserverdienenden. In diesem Sinne ist es schon eine Ironie des Schicksals, dass dies anscheinend ganz besonders für das kapitalismuskritische Segment der Konsumentenschaft zu gelten scheint. Wie hier zu lesen ist, werden Fair Trade Produkte weniger aus der Überzeugung heraus gekauft, dass sie etwas Gutes für die Menschheit leisten (was fraglich ist), sondern vielmehr, weil der Kauf Status und Ansehen mit sich bringt. Dort wo der Kauf sichtbar geschieht (etwa in Kantinen), wird häufiger auf Fair Trade geachtet als dort, wo man es nicht sieht (etwa im Onlinehandel). Für sichtbaren Status sind die Menschen also bereit, für ein Produkt zu zahlen als man es eigentlich gerne täte.

2 Antworten zu “Fair Trade: Reine Statusfrage

  1. homo sociologicus ist oft bzw. bei vielen nach außen wichtiger als der homo oeconomicus. Wobei relativ gesamter betrachtet der h.ö. mit den vorläufigen, jeweils aktuellen Gegebenheiten des homo sociologicus umgehen muss (hier als Rahmen, aber auch als Mitkonstrukteur seiner Interessen). Und der sociologicus selbst teilweise ökonomisch (im weiteren Sinne von interessen-orientiert) handelt – eben (individuell unterschiedlich oft und weitgehend und biografisch vielleicht mit-formbar) status-ökonomisch nicht z.B. finanziell zweckrational oder säkular rational. Sondern hierarchie- oder anderweitig relationen-bezogen. Der Liberalismus ist eine Idee (und ein Ideal), das an absoluten Gewinnen orientiert ist. Die Welt der relativen Gewinne und Hierarchien muss das Liberale aber zur Kenntnis nehmen und möglichst emanzipativ, fortschrittlich und vernünftig damit umgehen. Ob verteidigend für das Recht oder konstruierend für eine emanzipativere politische, soziale und kulturelle Struktur.

  2. Rolf A.E. Müller

    Wo ist das Problem, wenn der Fair-Trade-Handel Sozial- und Öko-Angeber abzockt? Alles hat seinen Preis, auch die zur Schau gestellte Fair-Trade-Korrektheit.

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