Klimapolitik: Eile mit Weile

Steffen Hentrich

In der Klimapolitik wird seit Jahren auf die Tube gedrückt. Zumindest verbal wird von Regierungsberatern aus den Klimawissenschaften betont, dass der größte Teil der Klimamodelle darauf hindeute, Gefahr sei im Verzug ist und schnellstmögliches Handeln bei der Reduzierung von Treibhausgasen angezeigt. Wohlgemerkt, das legen die Modelle nahe. Doch seit mehr als einem Jahrzehnt, so der kanadische Statistiker und Umweltökonom Ross McKitrick (Lesern dieses Weblogs sicher als Autor unserer Veröffentlichung Energy, Pollution Control and Economic Growth bekannt) in der Financial Post fallen Modellprojektionen und gemessene Temperaturen deutlich auseinander. Während die Modelle in der historischen Rückschau gut mit den Messwerten übereinstimmen ist ihre prognostische Qualität umstritten, weshalb auch der IPCC einräumen musste, dass die Simulationen zu sensitiv auf den Anstieg von Treibhausgasen reagieren. Überzeugende Antworten auf diese Diskrepanz gibt es noch keine, zumal die Klimaforschung in den vergangenen Jahren stets Wert auf die Feststellung gelegt hatte, dass Veränderungen der Erdtemperatur nur zu einem untergeordneten Teil auf natürliche Prozesse zurückzuführen seien.

Ross McKitrick zitiert daher den deutschen Klimaforscher Hans von Storch, der vor einiger Zeit gegenüber dem Spiegel äußerte, dass ein Fortbestehen der Diskrepanz zwischen Modellen und Realität sehr bald zu einer Revision der Modelle führen müsse. Vor dem Hintergrund der sehr trägen klimatischen Prozesse folgert Ross McKritick, dass es derzeit nicht sinnvoll sei, sich bei der Bewertung von klimapolitischen Maßnahmen auf sogenannte Integrierte Bewertungsmodelle (IAM) zu verlassen, da diese unmittelbar auf den zweifelhaften Ergebnissen der Klimaprojektionen aufbauten. Bevor nicht klar sei, ob diese Modellbasis der realen Entwicklung gerecht werde, sollte man keine klimapolitischen Maßnahmen übers Knie brechen. Die Risiken von etwas mehr Besonnenheit sind gering. Schon in wenigen Jahren werden wir deutlich mehr über die klimatischen Zusammenhänge auf der Erde wissen und der Lösung des Rätsels „Pause der Erderwärmung“ näher kommen.

Kein Grund die Hände in den Schoss zu legen, denn es gilt auch ungeachtet genauer Kenntnisse über den Zusammenhang zwischen Treibhausgasemissionen und Erderwärmung sich gegenüber den Veränderungen der Natur anzupassen und die Zeit zu nutzen, einen klaren Kopf über eine vernünftige Klimapolitik zu bekommen. Deutschlands überstürzte Energiewende ist das beste Beispiel dafür, welche destruktiven Folgen eine Therapie haben kann, die einem ganzen Land vor einer gründlichen Diagnose verschrieben wurde.

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