Hayek zur Energiewende

Steffen Hentrich

Friedrich August von Hayek hat die  als „nationales Gemeinschaftsprojekt“ bezeichnete Energiewende zwar nicht mehr erlebt, das Phänomen in seinen gesellschaftlichen und politischen Grundzügen jedoch schon 1944 in seinem Buch Der Weg zur Knechtschaft analytisch erfasst. Wenn beispielsweise in Bevölkerungsumfragen noch zu Beginn dieses Jahres 89 Prozent der Befragten die Energiewende für sehr wichtig bzw. wichtig erachten, jedoch zum überwiegenden Teil lediglich ihr schleppendes Vorankommen bemängeln, dann zeigt sich hierin, wie groß die Bedeutung der „Sozialisierung des Geistes“ für das Gelingen eines solchen Projekts ist. Hayek schreibt zu Beginn des Kapitels Das Ende der Wahrheit:

Man spannt alle dann am wirksamsten in das System von Zielen ein, auf deren Verwirklichung der Gesellschaftsplan gerichtet ist, wenn man erreicht, dass sie an diese Ziele glauben. Wenn ein totalitäres System gut funktionieren soll, genügt es nicht, jeden einzelnen zur Arbeit für dieselben Ziele zu zwingen. Es ist von ausschlaggebender Bedeutung, dass das Volk dahin gebracht wird, sich mit diesen Zielen zu identifizieren. Obwohl die Glaubensartikel für das Volk ausgewählt und ihm aufgezwungen werden müssen, müssen sie zu seiner höchst persönlichen Überzeugung werden, zu einer allgemeingültigen Doktrin, aufgrund deren die Individuen nach Möglichkeit spontan in der vom Planer gewünschten Weise handeln.

Diese Hürde haben die Protagonisten der Energiewende bereits übersprungen, denn obwohl sich ein großer Teil der Befragten vor den negativen Konsequenzen steigender Energiepreise fürchtet, wird das „gesellschaftliche Ziel“ im Grundsatz nicht mehr hinterfragt. Ganz im Gegenteil, will eine große Zahl von Bürgern auf kommunaler Ebene an der Energiewende partizipieren, um gleichzeitig wirtschaftlicher Nutznießer wie Beitragender am Gesellschaftsziel zu sein. Nur so ist es möglich, dass die Reformen der Energiewende bis jetzt stets nur dem Stopfen der offensichtlichsten Löcher dienten, eine radikale Kehrtwende, die sich an den eigentlichen Zielen einer energiepolitischen Rahmensetzung ausrichtet, dahingegen im gesamten politischen Spektrum kaum Fürsprecher findet.

2 Antworten zu “Hayek zur Energiewende

  1. Es passt ja auch nicht in diese Welt, dass man hinterfragt, woher denn ab 2022 die 100 TWh Strom kommen sollen, die die Kernkraft ersetzen soll. Bei gerade mal 75 TWh Strom aus Wind und Sonne eine riesige Lücke – aber gleichzeitig wird allenthalben der Ausstieg aus der Kohle gefordert – weil ja Alle dafür sind!
    Energiewende als Mittel zur Zerschlagung einer Gesellschaft aus sich selbst heraus – da war Pol Pot ein archaischer Waisenknabe gegen.

  2. Die Vereinnahmung der Bevölkerung durch trendigen Lobbyimus vernebelt ja nicht nur den Blick auf die Realität, wer denn nun wenn hinters Licht führt, sondern erschafft völlig irrationales Handeln.
    Die politischen Paten der Energiewende gehören zu den übelsten Rosstäuschern in dem sie den marktwirtschaftlichen Wettbewerb durch kartellartige Regulierungen ausschalten und Narren-Politk verordnen. Siehe

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