Bilde dich selbst

Steffen Hentrich

Wer ein selbstverantwortliches Leben führen möchte, der muss auch für das nötige Rüstzeug sorgen. Sonst besteht allzu leicht die Gefahr, dass man Scharlatanen und Quacksalbern auf den Leim geht und sich aus Angst vor diffusen Risiken zusätzlichen Gefahren aussetzt. Das gilt nicht nur für die Debatte um den Infektionsschutz durch Impfungen, sondern auch andere Entscheidungen.

Besonders wichtig ist die Sammlung von Informationen, wenn es sich um strittige Fragen mit politischer Relevanz handelt, sei es nun bei der Diskussion um den Verbraucherschutz, die Wettbewerbspolitik oder auch die Energie- und Klimapolitik handelt. Hier ist die Gefahr besonders groß, dass Ignoranz und die bequeme Orientierung an der Mehrheit zur Gefahr für die eigenen Freiheitsspielräume führt. Wer hätte vor Jahren gedacht, dass die diffuse Angst vor dem Klimawandel und die damit verbundene politische Unterstützung von Parteien mit rigiden umweltpolitischen Zielen zu inzwischen deutlich spürbaren Eingriffen in das persönliche Leben führen. Schnell können übertriebener Verbraucherschutz und falsch verstandene Nachhaltigkeit dazu führen, dass es bestimmte Produkte gar nicht zu kaufen gibt, obwohl ein verantwortungsvoller Umgang mit ihnen ausreicht Risiken bei Herstellung und Konsum zu minimieren. Allzu großer Populismus kann zur Gefahr für ganze Geschäftsmodelle führen, wie beispielsweise die hitzigen Debatten um den Online-Händler Amazon oder die Suchmaschine Google derzeit belegen. Am Ende zahlen die Verbraucher drauf, da mit der Regulierung der Märkte stets auch ein Verlust der Wahlfreiheit und höhere Kosten einher gehen. Ökonomisch und wissenschaftlich unfundierter Populismus ist ein systematischen Einfallstor für Partikularinteressen, das den Unternehmergeist weckt und politische Karrieren möglich macht. Während gesunder Wettbewerb in einer freien Marktwirtschaft recht schnell die Spreu vom Weizen trennt und den unerschütterlichen Freunden der Spreu trotzdem die eigene Nische lässt, geht die Politik in aller Regel mit dem Rasenmäher vor.

Eigenverantwortung und Neugier kann hier gar nicht groß genug geschrieben werden, denn bei politischen Streitthemen ist das Verhältnis zwischen unmittelbarer privater Betroffenheit und individuellem Aufwand besonders ungünstig. Oft scheint sich das Einholen detaillierter Informationen nicht zu lohnen, denn die Konsequenzen des Wählervotums werden nicht unmittelbar spürbar. Da ist es leicht Vorurteile oder Weltanschauung als dominante Entscheidungskriterien heranzuziehen und die Informationsbasis auf das zu beschränken, das nicht zur Gefahr für die eigene Denkwelt wird. Dabei kann die Auseinandersetzung mit den Argumenten Andersdenkender außerordentlich interessant und lehrreich sein. Die offene Perspektive bedeutet Erkenntnisgewinn, wenn nicht, hilft sie den eigenen Standpunkt zu festigen. Langfristig bewart sie einen vor unvernünftigen Entscheidungen, sei es als Konsument oder als Wähler.

Eine Antwort zu “Bilde dich selbst

  1. So ist es in der Tat. Wahlentscheidungen werden nicht über eigene Information und Recherche getroffen, sondern über ein Wohlfühlen, das im allgemeinen den Verstand außen vor lässt.
    Ich habe meinen Kindern immer gesagt, wenn ihr eine Meldung lest oder seht, fragt euch immer, warum gerade diese Meldung, schließlich gibt es täglich Millionen von Ereignissen, wem nützt diese Meldung möglicherweise und wie ist der Wahrheitsgehalt dieser Meldung, zu messen eben über Eigenrecherche.
    Nehmen wir ein Beispiel: Die NSA-Affäre. Wer von den Bundesbürgern kennt denn das Dreimächteabkommen von Potsdam von 1945? Wer hat es je gelesen? Wer weiuß, dass dieses Abkommen nach wie vor in Kraft ist? Wer weiß, dass lediglich die UdSSR im Zuge des Abzugs ihrer Truppen aus der damaligen “Noch”-DDR, auf alle Rechte dieses Abkommens verzichtet hat. Ein Verzicht, der durch Zahlung von ca. 15 Milliarden DM für die UdSSR versüßt wurde.
    Wer weiß, dass die beiden übrigen Siegermächte, USA und GB, keineswegs auf die Rechte dieses Abkommens verzichteten?
    Wer weiß, dass dieses Abkommen ausschließlich über einen Friedenvertrag mit den Siegermächten erledigt werden kann?
    Wer sich also damit beschäftigt, weiß, dass es das RECHT der USA und GB ist, alles und jedes hier abzugreifen und abzuhören.
    Hat man etwa die Bemerkung Schäubles vor 2 Jahren, Deutschland sei seit dem 08.05.1945 zu keinem Zeitpunkt voll souverän gewesen, für eine Laune gehalten?
    Sie sagte exakt, wie der Stand der Dinge hier ist.
    Da fragt man sich natürlich auch, warum hat es bislang keinen Friedensvertrag gegeben. Schließlich betrachtet man sich doch als Freunde. Oder etwa doch nicht so ganz?
    Jedenfalls erklärt das, die Kleinmütigkeit unserer Regierung in dieser Sache.
    Betrachtet man die heutige Situation Ukraine, wird auch so manches klarer.
    Fakt ist doch, dass die Ukraine für die EU eigentlich ein no-go ist. Die Mitgliedschaft der Ukraine in der EU würde mit hoher Wahrscheinlichkeit die finanziellen Möglichkeiten der EU bei weitem sprengen, es sei denn, man finanziert über Inflation. Jedenfalls dürften die dann dafür auflaufenden Kosten die der DDR um ein Vielfaches übersteigen.
    Sowohl Landwirtschaft wie auch Stahlindustrie sind doch ohnehin schon seit langem Problemfälle innerhalb der alten EU. Frage also, wie will man das dann lösen?
    Auch für die USA ist die Ukraine wirtschaftlich lediglich Ballast.
    Das einzige Interesse der USA an der Ukraine deckt sich vollständig mit dem Russlands. Das Interesse heißt Sewastopol.
    Die USA wollen, dass dieser Hafen für Russland entfällt und Russland will diesen einzigen Zugang zum Mittelmeer behalten.
    Weshalb hat sich hier niemand gefragt, wozu die USA 5 Milliarden Dollar in das Maidan-Spektakel gesteckt haben?
    Man erinnere sich: Die Bombardierung Syriens war beschlossen, als dann plötzlich ein paar russische Kriegsschiffe vor Syriens Küste auftauchten.
    Die Schiffe wären für die US-Flotte zunächst kein Problem gewesen, was im Falle einer Konfrontation dann aber die Folge gewesen wäre, sollte eigentlich jedem klar sein. Nun ja, man braucht nich darüber nachzudenken. Einstein sagte das mal so schön: Der 3. Weltkrieg wird nuklear geführt, der 4. dann wieder mit Pfeil und Bogen, wenn überhaupt.
    Derartige Zusammenhänge zu erkennen, sind die Bürger heute offensichtlich nicht mehr fähig. Kognitives Denken wird zwar immer als Hauptziel der Erziehung genannt, aber prinzipiell erfolgreich unterdrückt.
    Ich kann verstehen, dass die USA ihr Ziel erreichen wollen, ich kann aber auch verstehen, dass Russland das auf keinen Fall hinnehmen will.
    Was ich aber nicht verstehen kann ist, dass man hier, trägt man diese Ansicht vor, als “Putinversteher”, “Amerikahasser” gescholten wird, aber nicht erkennen will, dass die EU in diesem Fall von den USA lediglich als HiWi benutzt wird, um einer direkten Konfrontation aus wohlverstandenen Gründen aus dem Wege zu gehen.

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