Mindesthaltbarkeitsdatum schon lange überschritten

Steffen Hentrich

Es geschieht nicht oft, dass im Namen des Umweltschutzes von unnötigen Regulierungen Abstand genommen wird. Doch jetzt wird in Brüssel über die Abschaffung der Pflicht zur Kennzeichnung der Mindesthaltbarkeitsdauer für fertig verpackte Lebensmittel diskutiert wird. Grund dafür ist die Neigung der Verbraucher das Datum nicht als Hinweis für eine langsam abnehmende Produktqualität, sondern als Verfallstermin zu interpretieren, weshalb sich Klagen über die unnötige Vernichtung großer Mengen von Lebensmitteln häufen. Keine Frage, es ist nicht besonders sinnvoll Lebensmittel nach einem durchschnittlichen Richtwert zu entsorgen, statt jeweils eine individuelle Kontrolle durchzuführen. Tatsächlich dürfte zu keinem Zeitpunkt die Notwendigkeit einer derartigen verpflichtenden Kennzeichnung bestanden haben, zumal sich aus seiner Anwendung keinerlei juristische Ansprüche für die Verbraucher ergeben, sofern der Hersteller die Seriosität seiner Angaben nachweisen kann. Langfristige Kundenbindung lässt sich schlichtweg nur erreichen, solange Preis und Qualität der Ware stimmen. Lebensmittelanbieter und Einzelhändler haben aus diesem Grund im Wettbewerb um den Kunden von sich aus einen Anreiz dafür zu sorgen, dass die Ware frisch in den Supermarkt und von dort auf den Tisch der Verbraucher kommt. Das kann durch den freiwilligen Aufdruck eines Haltbarkeitsdatums geschehen oder durch eine andere geeignete Kennzeichnung, die dem Kunden das Gefühl für Sicherheit und Qualität der Lebensmittel gibt. Sollte also in Zukunft das Mindesthaltbarkeitsdatum als Kennzeichnungspflicht fallen, dann ist das vor allem als ein Gewinn für die Freiheit von Verbrauchern und Herstellern zu werten. Kein Wunder, dass dadurch auch der Geldbeutel und die Umwelt geschont werden.

3 Antworten zu “Mindesthaltbarkeitsdatum schon lange überschritten

  1. Achtung: Es soll nicht die Mindesthaltbarkeitsdauer abgeschafft werden, sondern die Pflicht, eine solche aufzudrucken.

  2. Nun ja, eigentlich ist das Mindesthaltbarkeitsdatum ja ein Qualitätsversprechen. (Das Produkt ist mindestens verwendbar bis: …) Die Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums könnte daher durchaus auch zu weniger Qualität aber möglicherweise auch zu weniger Konservierungsmitteln in unseren Lebensmitteln führen.
    Insgesamt sehe ich hier jedoch eine Form des Trends zur Vereinfachung, wenn die Leute zu blöd sind. Du bekommst die Schreibschrift nicht hin, dann mach halt Druckbuchstaben. Klappt es mit der Orthographie nicht, nun dann schreib halt wie Du sprichst. Du verstehst kein Deutsch und begreifst daher den Ausdruck Mindesthaltbarkeitsdatum nicht? Auch nicht so schlimm, dann lassen wir das eben weg. Hast Du eventuell auch Probleme mit den Verkehrsampeln und den komischen roten und grünen Lichtern? Hm, da lässt sich bestimmt etwas machen …
    Gute Nacht Deutschland. Wie ist eigentlich der Begriff Dritteweltland definiert? Also vom Bildungssystem her sollte das doch zu schaffen sein, oder nicht?

    • Steffen Hentrich

      Qualitätsversprechen müssen aber nicht staatlich geregelt werden, denn sie liegen im Geschäftsinteresse des Anbieters. Der gesamte bereich der nicht verpackten Lebensmittel, für den die Kennzeichnungspflicht nicht gilt, zeigt doch, dass diese ohne Probleme wegfallen kann.

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