Wenn immer mehr immer weniger ist

Steffen Hentrich

Prozentrechnung ist wirklich nicht einfach, vor allem, wenn man als Journalist eine politische Botschaft transportieren will, die das Elend der Gesellschaft anprangert. So titelt gestern die Zeit-Online, dass immer mehr Kinder auf die Hilfe des Staates angewiesen sind. Quelle dieser unerhörten Meldung war eine Antwort des Bundesfamilienministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion zu den Leistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz (UVG). Wäre die Botschaft nicht wichtiger als der Gegenstand der Anfrage gewesen, hätte sich der zuständige Journalist sicher die Mühe gemacht und seine Quelle genauer studiert. Denn hier hätte er lernen können, dass der höhere Anteil unterhaltsvorschussberechtigter Kinder nicht nur ein Artefakt einer gesunkenen Gesamtkinderzahl ist, sondern die Anzahl der „auf den Staat angewiesenen“ Kinder absolut sogar um 3776 gesunken ist. Es sind also nicht mehr, sondern weniger Kinder auf staatliche Hilfe angewiesen. Doch das wäre offenbar keine Pressemeldung wert gewesen.

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