Infrastrukturausbau gegen Kundenschwund?

Steffen Hentrich

Gegen die Abwanderung der Verbraucher vom lokalen Einzelhandel ins Internet soll der Staat nach Ansicht des Handelsverbands Deutschlands mit dem Ausbau der Infrastruktur Abhilfe schaffen. Ordnungspolitisch ist das ein gefährliches Unterfangen, denn der Ausbau der kommunalen Infrastruktur dient den Interessen aller Bürger und ist nicht an den Partikularinteressen der Einzelhändler auszurichten, die dem technischen Fortschritt der Handelslogistik immer weniger entgegenzusetzen haben. Der Staat hat nicht die Aufgabe den Strukturwandel aufzuhalten, er gibt vielmehr den Rahmen vor, dass dieser sich so reibungslos wie möglich im Interesse der Bürger vollziehen kann. Zudem ist sehr zweifelhaft, dass die Vorteile des Onlinehandels mit seiner Erreichbarkeit rund um die Uhr, der riesigen Vielfalt des Angebots und der Bequemlichkeit einer raschen Lieferung direkt an die Haustür durch eine Aufwertung der innerstädischen Infrastruktur tatsächlich kompensiert werden können. Ebenso wie der Onlinehandel selbst verantwortlich für seine technische Infrastruktur ist, kann auch der Einzelhandel keine Sonderprivilegien beim Zugriff auf öffentliche Infrastrukturmittel reklamieren. Bei einem staatlich subventionierten Wettlauf um die Verbraucher zwischen lokalem Einzelhandel und Onlinehandel kann am Ende nur der Verbraucher als Steuerzahler verlieren.

2 Antworten zu “Infrastrukturausbau gegen Kundenschwund?

  1. Wenn es nur so einfach wäre! Wenn die Städte abschreckende Parkgebühren verlangen, den Zugang zu Läden faktisch sperren oder zumindest verteuern, muß man sich nicht wundern, wenn Menschen mit ihren Einkäufen ins Internet oder auf die, dann allerdings nicht mehr, „grüne Wiese“ (mit Parkplätzen) abwandern. Ganz nebenbei: Oft werden die Einzelhändler als Informationsquelle genutzt, nur um dann im Internet zu kaufen, nachdem der Artikel konkret gesehen und erklärt wurde.
    Anm.: Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen, ich bin kein Einzelhändler, weder mit Laden in der Stadt noch im Internet.

    • Steffen Hentrich

      Parkgebühren werden nicht ohne Grund zur Parkraumbewirtschaftung erhoben, weil der Individualverkehr die Innenstädte verstopft und die Lebensqualität der Anwohner beeinträchtigt. Es gibt keinen Grund diese Kosten den Autofahrern und damit auch dem Einzelhandel zu ersparen. Der Online-Handel verursacht derartige Kosten deutlich weniger. Umgekehrt wird aber das Internet auch als Informationsquelle für den Kauf im Internet verwendet. Aus dieser Tatsache einen Subventionstatbestand für den Einzelhandel ableiten zu wollen, ist m.E. etwas weit hergeholt. Es liegt in der Natur des technologischen Strukturwandels, dass sich auch der Charakter des Einzelhandels ändert. Politik sollte aus Sicht der Konsumenten agieren, die stehen im Zentrum des Wirtschaftens.

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