Putins unkonventionelle Kriegsführung

Detmar Doering

Die russischen Truppenmassierungen an der ukrainischen Grenze beunruhigen EU und NATO gleichermaßen – mit gutem Grund. Aber diese Truppenpräsenz lenke nur von der Tatsache ab, dass Putin gegenüber der Ukraine eine ganz neue Art von unkonventioneller Kriegsführung praktiziere, auf die sich der Westen einstellen müsse, meint Paul Roderick Gregory (Hoover Institution) in diesem Kommentar für RealClearPolitics. Sie arbeite primär über die innere Destabilisierung des Landes, den Einsatz von Zivilbevölkerung zu taktischen Zwecken und intensiver PR-Arbeit. Wie wirksam diese Strategie langfristig sei, bliebe abzuwarten.

Eine Antwort zu “Putins unkonventionelle Kriegsführung

  1. Der Titel ist bereits sehr bemerkenswert. Wo führt Putin einen Krieg? Und wenn das, was Sie Kriegführung zu nennen belieben, die „Massierung“ von russischen Streitkräften an der ukrainischen Grenze dafür herhalten soll, dann müssen Sie sich aber auch die Frage gefallen lassen, wie Sie denn die Massierung westlicher Streitkräfte an den russischen Grenzen betrachten (z.B. Stationierung von Raketenabschussbasen in Polen, absprachewidrige Aufnahme von Staaten in die Nato im Zuge der Osterweiterung der EU.
    Es ist hier ein Denken zu erkennen, das dem der damaligen „Erbfeinde“ Frankreich/Deutschland entspricht.
    Es ist seitens Russlands derzeit nicht einmal ein Hinweis auf irgendwelche kriegerischen Aktionen gegen EU-Europa zu erkennen.
    Herr Doering, ich gehe davon aus, dass Ihnen die derzeitigen geostrategischen Situationen in diesem Großbereich bekannt sind.
    Sie wissen, dass Sewastopol der einzige Hafen Russlands ist, der Zugang zum Mittelmeerraum ermöglicht.
    Genau da liegt das Problem, das das derzeitige Geschachere um die Ukraine erzeugt hat.
    Russland will diesen Zugang unter allen Umständen behalten. Dies war geregelt durch Verträge zwischen Russland und der Ukraine.
    Wir die Ukraine Mitglied in der EU und zudem noch in der Nato, ist für Russland dieser Zugang verloren. Ein Blick auf die Landkarte zeigt Ihnen das unmittelbar. Eine Versorgung des Hafens wäre selbst bei Einhaltung der bestehenden bilateralen Verträge zwischen Russland und der Ukraine nicht mehr möglich.
    Da es weder für die USA noch für die EU irgendwelche wirtschaftlichen Interessen an der Ukraine gibt und geben kann, es sei denn, man will Unmengen von Geld dort versenken und sich ein Land in die Gemeinschaft holen, das seine Unfähigkeit, zumindest ist das derzeit immer noch so, auch nur ansatzweise demokratische Strukturen zu akzeptieren unmissverständlich demonstriert hat.
    Nutznießer, geostrategisch, sind die USA. Für sie wäre das Hindernis für ihre Aktionen und Interessen im Mittelmeerraum beiseite geräumt.
    Sie können doch bei nüchterner Analyse der Geschehnisse der letzten beiden Jahre nicht übersehen, dass das Maidan-Getöse in einem direkten Zusammenhang zu den geplanten Bombardierungen Syriens steht.
    Als diese Bombardierung kurz bevorstand, tauchten russische Kriegsschiffe vor der syrischen Küste auf. Die kamen, natürlich, von Sewastopol.
    Damit war die Bombardierung im wahrsten Wortsinne ins Wasser gefallen.
    Über eines muss wohl nicht diskutiert werden. Weder Russland noch die USA werden eine direkte Konfrontation riskieren. Beide wissen, dass ein Krieg zwischen beiden zwingend nuklear geführt würde, was den Exitus für bei und damit auch für den Rest der irdischen Welt bedeutet. Das ist beiden spätestens seit Kuba völlig klar.
    Nun wird die EU für die Interessen der USA benutzt. Man muss bedenken, und das wissen Sie ebenso, dass dieser Mittelmeerraum für die USA von eminenten Interesse ist, zumal man sich in den USA auch hinsichtlich der zunehmenden Islamisierung in dieser Region, besonderes Augenmerk dabei auf die Türkei, inzwischen Sorgen macht. Die Türkei heute als Wächter der Dardanellen ist ein inzwischen zu unsicherer Kantonist geworden.
    Somit liegt das Interesse der USA darauf, das einzige Hemmnis, nämlich Russland, hier Sewastoplol, zu beseitigen.
    Die Rolle der Ukraine wird damit klar. Deren Verbindungen zu Russland mussten gekappt werden. Es war klar, dass das nur über eine Destabilisierung der Ukraine machbar war. Also pumpte man in die inszenierten „Maidan-Proteste“ immerhin 5 Milliarden Dollar lt. einer Aussage Nulands, worin sie auch den Zweck des Geldes benannte.
    Damit wird im Nachhinein auch verständlich, warum es die „Demonstranten trotz der widrigen Wetterbedingungen dort über fast 4 Monate ausgehalten haben, eine kleine Rechnung hilft da sicher.
    Russland wird die EU nicht angreifen. Ob es ggflls. in der Ukraine eingreifen wird, hängt davon ab, wie sich die Dinge dort entwickeln. Jedenfalls wird Russland in jedem Fall sicherstellen wollen, dass die Krim bei Russland verbleibt und auch eine frei und unkontrollierte Versorgung der Krim, damit insbesondere der Krim, sichergestellt ist.
    Da nun die Ukraine weder Mitglied der EU noch der Nato ist, und das auch zumindest derzeit nicht werden kann, wäre ein Eingreifen militärischer Art seitens der EU eine Kriegserklärung gegenüber Russlands.
    Für die USA würde das bedeuten, dass sie aus einer solchen Situation nicht in Anspruch genommen werden könnte. Die Nato ist ein Verteidigungsbündnis, somit sind die USA keineswegs verpflichtet, einem Angriffskrieg der EU beizutreten und werden das, aus den bereits genannten Gründen, auch nicht tun.
    In diesem Zusammenhang verbietet sich auch, aus denselben Gründen, ein möglicher Vergleich mit Ex-Jugoslawien.
    Was sich die verantwortlichen Politiker der Bundesrepublik derzeit denken, ist nicht mehr nachvollziehbar. Offenbar gibt es wieder diese „Nibelungentreue“, die letztlich die Desaster der beiden letzten Weltkriege verursacht hatte.
    Also hier von einer „Kriegführung Putin´s“ zu sprechen stellt die Fakten auf den Kopf.

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