Lauwarmer Klimaschutz

Steffen Hentrich

Ab nächstem Jahr geht es nach den Plänen der EU der Kaffeemaschine an die Warmhalteplatte, denn dann soll die automatische Abschaltung der Warmhaltefunktion zur Pflicht werden. Unklar ist indes, was das für die Verbraucher oder das Klima an spürbaren Vorteilen bringen soll. Ein kleiner Messversuch in meinem Büro soll etwas Licht ins Dunkel bringen. Dort betreibe ich einen Teeautomaten, der für das Aufbrühen von 0,6 Litern Tee rund 0,08 kWh und für das einstündige Warmhalten weitere 0,06 kWh verbraucht. Verzichtet man darauf macht das für die doppelte pro Tag gebrühte Menge rund 3 Eurocent Stromersparnis pro Tag und über ein Bürojahr gerechnet rund 7 Euro aus.* In gut zwei Jahren sind so die Kosten für eine Thermoskanne zusammengespart. Kaffeemaschinen sollten ähnliche Verbrauchswerte aufweisen, denn auch da wird nur mit Wasser gekocht. Für Gelegenheitsgenießer ist das keine großartige Ersparnis, Verbraucher größerer Tee- und Kaffeemengen kommen indes von selbst auf die Idee, gleich ein Gerät mit Thermoskanne zu kaufen.

Aus klimapolitischer Perspektive ist eine solche Abschaltpflicht ohnehin keine sinnvolle Maßnahme, da die Treibhausgasemissionen bei Umwandlung fossiler Energieträger in Strom bereits vom Emissionshandel erfasst werden. Würde man pro Tag fünf Stunden Kaffee warmhalten und dabei 0,3 kWh Strom verbrauchen hätte man gut 170 g Kohlendioxid emittiert, eine Menge für die in anderer Verwendung keine Emissionszertifikate mehr zur Verfügung stünden. Umgekehrt führt die Stromeinsparung zum Marktangebot der entsprechend frei werdenden Emissionszertifikate. An den Gesamtemissionen ändert sich nichts.

Doch auch ohne den Emissionshandel wäre diese Regelung kein kluger Klimaschutz, denn immerhin muss statt des Stromverbrauchs für das Warmhalten des Getränks jetzt eine Thermoskanne beschafft werden, deren Kosten von der Stromersparnis abzurechnen sind. Das mag wie im obigen Beispiel ein recht teurer Spaß sein, kann aber auch bei intensiverer Nutzung der Kaffeemaschine sehr billig sein. Die neue Verordnung aus Brüssel verursacht also je nach Betroffenheit recht unterschiedliche Vermeidungskosten, ein Effekt, der kennzeichnend für ineffizienten Klimaschutz ist. Idealtypisch sollten die Treibhausgasemissionen stets dort reduziert werden, wo es die geringsten Kosten verursacht, was jedoch nicht erreicht werden kann, wenn man Menschen mit unterschiedlichen Verbrauchs- und Kostenprofilen die selben Regeln aufs Auge drückt. Es ist viel billiger die Verknappung der Emissionen über den Emissionshandel in den Marktpreis der Endenergie zu zwingen, damit sich die Verbraucher dann flexibel anpassen können. Und auch der Zugewinn an Freiheit ist nicht zu unterschätzen, wenn man es den Menschen selbst überlässt wie sie auf eine (künstliche) Verknappung von Ressourcen reagieren.

* Vergessen sollte man an dieser Stelle nicht, dass die sog. Wärmeverluste des Heißgetränks keine echten Verluste sind, sondern zur Raumheizung beitragen. Dadurch reduzieren sich die Einsparungen weiter auf die Differenz zwischen den Heizkosten für Strom gegenüber denen der jeweiligen Raumwärmequelle.

5 Antworten zu “Lauwarmer Klimaschutz

  1. Der überschüssige Strom von den Kaffeemaschinen muss natürlich irgendwo hin. Höhere EU-Beamte sollten daher mit gutem Beispiel vorangehen und über den Einbau einer Asphaltheizung nachdenken. Dieses Modell wird als besonders umweltfreundlich beworben:
    http://www.reichspfarrer.at/index.php?option=com_content&task=view&id=35&Itemid=54
    Es spart nämlich nicht nur Salz, sondern mit der richtigen Regelung bis zu 80% Energie! Außerdem lässt es sich auch ganz CO2-neutral mit 100% Wasserkraft betreiben. Dem guten Leben mit ruhigem Klimagewissen steht also nichts mehr im Wege …

  2. es geht um 1984, der grosse Bruder muss in diesen kleinen Schritten unsere Kritikbereitschaft beseitigen. Ich finde es doppelplus gut.

  3. Wieviel CO2 bei der Herstellung einer Thermoskanne anfällt, interessiert Bürokraten natürlich nicht..

  4. Haben unsere hochbezahlten Politiker in Brüssel nichts anderes zu tun, als solch einen Schmarrn zu verzapfen? Dreiviertel von ihnen sollten wir dem freien Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen und jeden, der nicht effektiv arbeitet, schicken wir hinterher. Die gesparten Milliarden könnten weit nützlicher eingesetzt werden.
    Es ist ja nicht nur die Warmhalteplatte, sondern der Duschkopf, die Figur von Gurke und Co, Salzmenge im Brot und vieles mehr. Merken die überhaupt noch, wie bescheuert sie sind?
    Peter Bauer

  5. Nur Schildbürger würden versuchen das Klima zu schützen.

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