Wertvolle Bildung oder teure Einbildung

Steffen Hentrich

Formale Bildung, gekrönt von Universitätsabschlüssen und Doktortiteln, gilt allgemein als erstrebenswertes Ziel der Bildungspolitik. Berufs- und Universitätsabschlüsse gelten als Maß für das Humankapital der Bevölkerung. Dementsprechend wird die berufliche und universitäre Bildung Jahr für Jahr mit Milliardenbeträgen staatlich subventioniert.  Doch macht diese Investition die Gesellschaft wirklich schlauer und produktiver oder investieren Azubis, Studenten und der Staat nur in einen Wettbewerb, indem es nur darum geht auf dem Zeugnis besser als die anderen Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt auszusehen? Skandale über zusammenkopierte Doktorarbeiten sind nur die Spitze des Eisbergs der Titelinflation. Aber auch das allgemein bekannte Gefühl, man hätte seinen Beruf erst richtig in der Praxis gelernt, ist durchaus ein Indiz für letztere Interpretation der Debatte um unsere Bildungsgesellschaft. Wirtschaftsprofessor Bryan Caplan und Econ-Talk-Moderator Russell Roberts diskutierten kürzlich darüber, ob formale Bildungsabschlüsse wirklich der Humankapitalbildung dienen oder nur teure Staffagen im Kampf um die besten Jobs sind. Und teuer müssen diese Luftschlösser sein, damit sie glaubwürdig erscheinen. Bryan Caplan glaubt im Kampf um höhere Bildungsabschlüsse kann nur einer Gewinnen indem er die Latte für die anderen auf der Suche nach Jobs umso höher legt. Ob das jedoch zu mehr Wissen und Weisheit führt, mag zweifelhaft sein. So wundert er sich darüber, dass ein College-Abschluss gegenüber einem Highschool-Abschluss zwar eine Bildungsprämie von 83 Prozent höheren Einkommen abwirft, der langjährige College-Besuch ohne formalen Abschluss jedoch wenig mehr Lohn verspricht. Hierzulande sind diese Barrieren sogar häufig tarifrechtlich institutionalisiert, wenn etwa im öffentlichen Dienst nach formalen Bildungsabschlüssen Stellen besetzt und vergütet werden. Aus diesem Blickwinkel wäre die Subventionierung von Bildung etwas differenzierter zu betrachten, vor allem dann, wenn sie lediglich die Kosten für formale Abschlüsse senkt, jedoch wenig an der Qualität der Bildung ausgerichtet wird. Dann wäre ein Teil der Subventionen in unser Bildungssystem nicht nur rausgeworfenes Geld, sondern wir hätten sogar zu viel formale Bildung produziert. Eine Perspektive die nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

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