Klimarettung mit links?

Steffen Hentrich

„Mit Klimaschutz muss man nicht auf Wachstum verzichten“, kommentiert die FAZ heute den jüngsten Sachstandsbericht der Arbeitsgruppe 3 des IPCC (SPM WG III). Nur durchschnittlich 0,06 Prozent weniger globales Wachstum wären für die Rettung des Klimas schon zu verkraften, so viel würde uns die Einhaltung des 2-Grad-Zieles lediglich kosten. Klingt zunächst wenig, bedeutet aber, wie ein Blick in die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (SPM) offenbart, anders ausgedrückt Konsumverluste von 1,7 Prozent (1,0-3,7) bis 2030, 3,4 Prozent (2,1-6,2) bis 2050 bzw. 4,8 Prozent (2,9-11,4) bis 2100. Das sieht schon etwas anders aus und gibt eine etwas anschaulichere Vorstellung von den Opfern, die das Postulat vom 2-Grad-Ziel von der Menschheit abverlangt.

Was man in dem IPCC-Bericht jedoch vergeblich sucht, ist eine Einschätzung über den ökonomischen Nutzen einer Reduktion der Erwärmung. Hierzu muss man schon den Sachstandsbericht der Arbeitsgruppe II bemühen, der vor einigen Tagen veröffentlicht wurde. Hier findet man eher am Rande notiert, dass eine Temperaturerhöhung um 2 Grad Celsius Einkommensverluste von 0,2 bis 2 Prozent nach sich ziehen würde. Mit dieser Erwärmung wäre jedoch nach Angaben des Sachstandsberichts der Arbeitsgruppe I in den meisten Emissionsszenarien nicht vor dem Ende dieses Jahrhunderts zu rechnen. So klein die Wachstumsverluste auch erscheinen mögen, bedeuten sie doch, dass wir mit radikaler Klimapolitik einen Emissionspfad anstreben, mit dem zum Ende des Jahrhunderts Wohlfahrtsverluste vermieden werden sollen, die aufgrund der klimapolitischen Maßnahmen schon 2050 zu erleiden sind. Eine derartige Klimapolitik ist eindeutig durch den Nutzen-Kosten-Test gefallen. Wer opfert schon mehr Wohlstand als überhaupt zu retten ist? Vielleicht ist das auch der Grund, dass der IPCC diese Ergebnisse wenig transparent über drei Berichte verteilt und stattdessen jeden für sich eher alarmistisch klingen lässt.

Doch eine aufmerksame Lektüre des SPM WG III deckt auch auf, dass sich der jüngste Sachstandsbericht keineswegs als Rechtfertigung für deutsche und europäische Klimapolitikexperimente verstehen lässt und der Enthusiasmus der Umweltorganisationen über die Ergebnisse völlig unangebracht ist. So liest man hier etwa auch, dass effektive Vermeidungspolitik nicht möglich ist, wenn die einzelnen klimapolitischen Akteure isoliert agieren, statt weltweit kooperative Maßnahmen zu ergreifen. Auch räumt der IPCC ein, dass Klimapolitik neben positiven Effekten auch unangenehme Nebenwirkungen haben kann, die sich beispielsweise in unangenehmen Verteilungswirkungen oder unerwünschten regionalen Umwelteffekten äußern können. Die Folgen dieser Art von Klimapolitik sind nicht nur in Europa, dass seine Energiewendeexperimente um den Preis der Wettbewerbsfähigkeit als Industrieregion forciert, „Energiearmut“ produziert, ganze Landstriche mit Windkraftanlagen verschandelt und Monokulturen von Energiepflanzen in der Landwirtschaft fördert, sondern auch schon global zu registrieren, etwa in Form von steigenden Lebensmittelpreisen infolge der Subventionierung von Biomasse zur Energieumwandlung. Das dürfte sich auch negativ auf den Realitätsgehalt der ökonomischen Projektionen des IPCC auswirken, in denen gemeinhin davon ausgegangen wird, dass ökonomische Effizienz das bestimmende Auswahlkriterium für klimapolitische Instrumente ist. Die Realität sieht ganz anders aus, hier passt keine Maßnahme zu der anderen, weil die Auswahl der Instrumente nicht der ökonomischen Vernunft, sondern der politischen Entscheidungslogik unterschiedlicher Interessengruppen gehorcht. Entsprechend teurer kommen uns die klimapolitischen Experimente zu stehen, schließlich zahlen wir nicht nur für die Vermeidung von Treibhausgasen, sondern auch dafür, dass mit Klimapolitik möglichst viel Vermögen umverteilt werden kann. Das gibt es zwangsläufig nicht zum Nulltarif und lässt Zweifel an der Redlichkeit der Debatte um den Klimawandel aufkommen.

Wenn in den nächsten Tagen wieder viel über den Klimawandel und die vermeintlichen Peanuts, die seine Vermeidung uns abverlangt, zu hören ist, sollte man das alles im Hinterkopf behalten. Es bleibt überdies zu hoffen, dass Politik und Öffentlichkeit die IPCC-Berichte als das interpretieren, was sie sind, akademische Planspiele mit einer klaren politischen Mission.

5 Antworten zu “Klimarettung mit links?

  1. “Wo es viel zu kritisieren gibt, kritisieren Sie nicht irgendetwas. Konzentrieren Sie sich auf den entscheidenden Punkt. Arbeiten Sie sich nicht an Nebensächlichkeiten ab!”
    Das ist die Empfehlung, die wir in unserem Grundsatzreport “Energiepolitik im Konzeptnebel” den “Kritikern der Politik” mit auf den Weg gegeben haben. In der Klimadebatte ist es der “Kern der Dinge”, daß der angeblich erderwärmende “CO2-Treibhauseffekt” nicht existiert. Das sagt uns sogar die Natur selbst. Reist man nach Nordafrika und mißt dort im Sommer die Temperatur der obersten Sandschicht der Sahara, kommt man schon am späten Vormittag auf 80 Grad C. Das ist eine Temperatur, die gemäß Treibhauslegende um 33 Grad höher liegen soll, als sie bei Nichtvorhandensein einer Atmosphäre und damit Nichtvorhandensein von “Treibhausgasen” liegen sollte. Aber auf dem Mond, wo genau diese Bedingungen (keine Atmosphäre, kein Wasserdampf, Methan oder CO2) vorliegen, liegen die Tagestemperaturen eben nicht bei oder in der Nähe von 47 Grad. Sie erreichen vielmehr (laut NASA-Steckbrief zum Mond) 134 und nach neuen Messungen (Diviner-Experiment) sogar 137 Grad.
    Die CO2-Klimalehre ist ein Märchen. Folglich macht es keinen Sinn, sich über eine angeblich richtige “Klimapolitik” den Kopf zu zerbrechen. Viel wichtiger wäre es darüber nachzudenken, wie der Klimawahn gestoppt und all diejenigen zur Verantwortung gezogen werden können, die über Jahrzehnte hinweg mitgewirkt haben, die Wissenschaft gleichzuschalten und zu säubern und ein inzwischen bis in die Kindergärten reichendes AgitProp-System aufzubauen. Was ist mit der scheibchenweisen Abschaffung der Freiheit unter dem Vorwand, eine rein fiktive “Erderwärmung” zu stoppen?
    Dazu würden wir, die Leser hier, von einer Institution Antworten erwarten, die sich “Liberales Institut” nennt.

  2. Kommentare wie der von Klaus Ermecke sind leider der Grund, warum skeptische Positionen zur angeblichen Klimakatastrophe von der Wissenschaft oft völlig zu recht belächelt werden. Der Treibhauseffekt ist Physik-Schulwissen. Genausogut könnte man die Gravitation abstreiten.

    • Lieber @Tim, das ist Unsinn. Sie waren zwar – wie Ihr Kommentar aussagt – (gerade) auf der Schule, haben sich aber wohl noch nie näher mit Physikern beschäftigt. Und mit richtiger Physik auch nicht. Sonst wüßten Sie, daß die angeblichen “Treibhausgase” die Erde KÜHLEN. Sie wärmen sie also nicht.
      Falls Sie Ihr offenbar dogmenkonformes Schulwissen über die Funktionsweise der Atmosphäre etwas auffrischen wollen, können Sie ja unseren Grundsatzreport “Rettung vor den Klimarettern” lesen. An dessen Erstellung und Qualitätssicherung haben damals eine ganze Reihe Mathematischer Physiker und Theoretischer und Synoptischer Meteorologen im Hintergrund mitgewirkt. Falls Sie, lieber @Tim, aber noch einen Fehler finden (außer daß der Report nicht Ihrer bisherigen Glaubenswelt entspricht), dann lassen Sie es mich wissen.

  3. Almut Jödicke

    “Konsumverluste von 1,7 Prozent (1,0-3,7) bis 2030, 3,4 Prozent (2,1-6,2) bis 2050 bzw. 4,8 Prozent (2,9-11,4) bis 2100.” Diese Art, den Bericht zu zitieren, ist grob irreführend, wenn man nicht weiterzitiert. Der Satz fährt fort: “relative to consumption in baseline scenarios that grows anywhere from 300% to more than 900% over the century.” Es geht also nicht um Verluste, sondern um geringeres Wachstum des Konsums, ich zitiere weiter: “These numbers correspond to an annualized reduction of consumption growth by 0.04 to 0.14 (median: 0.06) percentage points over the century relative to annualized consumption growth in the baseline that is between 1.6% and 3% per year.” Ein bisschen weniger Konsumwachstum sollten wir problemlos verkraften können.

    • Steffen Hentrich

      Das mag ihre Meinung sein, aber es bleibt die Frage, ob sich dieser Konsumrückgang durch reduzierte Schäden lohnt. Genauso gut könnte ich es unangemessen finden, wenn der IPCC Schäden durch Klimawandel reklamiert, obwohl die Menschen in 50 bis 100 Jahren viel reicher sind als heute. Da kommt schlichtweg auf die Relation von Nutzen und Kosten zu, eine Antwort die der IPCC uns schuldig bleibt.

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