Tun Sie das, wozu sie gewählt wurden.

Steffen Hentrich

Bei einer Veranstaltung der Akademie der Adenauer Stiftung zum Thema Klimawandel und Klimapolitik hielt der Klimaforscher Hans von Storch einen bemerkenswerten Impulsvortrag zur Rolle der Wissenschaft im Prozess der klimapolitischen Entscheidungsfindung. Seine Ansatz zur Funktion des Wissenschaftlers in der Politikberatung brachte er in folgendem Zitat zum Ausdruck:

Wenn uns Wissenschaftler gelegentlich Politiker fragen – was sollen wir tun, dann ist meine Antwort: das, wozu Sie gewählt worden sind: Lösungsoptionen abwägen mit den Werten und Präferenzen derer, die sie repräsentieren, und entscheiden. Die Wissenschaft sagt Ihnen, welche Folgen diese Entscheidungen in verschiedenen Bereichen haben können. Ob Sie mit diesen Folgen leben können oder nicht, dass ist Ihre politische Bewertung des Problemgemenges.

Das klingt nach einem vernünftigen Ansatz, doch setzt er voraus, dass Politiker sich tatsächlich von der Wissenschaft beraten lassen wollen und nicht die wissenschaftlichen Berater als Instanz zur Legitimation ihrer politischen Vorstellungen und Ziele ansehen. Wissenschaftliche Politikberatung wird jedoch gerade im Bereich der Umwelt- und Energiepolitik oft nur mit dem Ziel eingeholt, das akademische Siegel für ohnehin schon fertige Programme und Maßnahmenpläne zu erhalten. Sichergestellt wird diese Funktion durch eine sorgfältige Auswahl der der wissenschaftlichen Berater und nicht selten einen der Veröffentlichung vorausgehenden politischen Reviewprozess der Gutachten. Pluralität und die volle Bandbreite der wissenschaftlichen Interpretationen des zu untersuchenden Sachverhalts bleiben dabei zwangsläufig auf der Strecke.

Zwar werden die politischen Entscheidungen auf dieser Basis immer noch mit den Werten und Präferenzen der Wähler abgewogen, doch wird dadurch auch ganz gezielt auf die Werte und Präferenzen der Wähler Einfluss genommen. Nicht jeder Wissenschaftler trennt sauber zwischen seiner wissenschaftlichen Perspektive und seiner Sicht des Sachverhalts als politisch denkender Mensch. Und so finden sich für jede politische Probleminterpretation auch die passenden Paarungen von Forscher und Politiker. Dagegen ist auch kein Kraut gewachsen, weshalb die politische Unabhängigkeit der Wissenschaft eine Illusion bleiben wird. Insofern bleibt uns nichts anderes übrig als diese Realität anzuerkennen und wissenschaftliche Autorität nicht überzubewerten, vor allem dann nicht, wenn sie den aktiv Anspruch erhebt Politik direkt mitgestalten zu wollen.

 

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