Lohn der Angst

Steffen Hentrich

Was hier vorgestern für Kinderspielplätze diskutiert wurde, dass die Illusion der Sicherheit nicht unbedingt mehr faktische Sicherheit bedeutet, trifft offenbar auch für Babyflaschen zu. Seit Jahren geht die Angst um, dass das in Polycarbonaten enthaltene Bisphenol A aufgrund seiner hormonähnlichen Wirkung gesundheitsschädliche Wirkungen haben könnte. Auf Druck von Verbraucherschutz- und Umweltverbänden griff daher bald das Vorsorgeprinzip:  Polycarbonate wurden europaweit aus Trinkflaschen für Kleinkinder verbannt und durch alternative Materialien ersetzt. In seiner aktuellen Ausgabe der Fragen und Antworten zu Bisphenol A in verbrauchernahen Produkten stellte das Bundesinstitut für Risikobewertung nicht nur fest, dass Kinder im Alltag selbst unter worst-case-Annahmen keine gesundheitsgefährdenden Mengen des Stoffes aufnehmen, sondern merkte auch an, dass aus Materialsubstituten wie Polypropylen deutlich mehr Substanzen in Lebensmittel übergehen können als aus Polycarbonat, die überdies hinsichtlich ihrer toxikologischen Eigenschaften nicht so intensiv untersucht wurden wie die von Bisphenol A. Zwar suggeriert die Werbung BPA-Freiheit und damit ein geringeres Risiko, doch wurde dies nur durch ein anderes ersetzt. Offenbar sind das Vorsorgeprinzip und mit ihm Regulierer und Interessenverbände auf einem Auge blind. Wie so häufig wird ignoriert, dass der Versuch gesundheitliche Belastungen zu minimieren, stets durch die Zunahme anderer Risiken kompensiert wird, seien es wegen nicht minder problematische Alternativen oder aber hoher Kosten, die in keinem Verhältnis zum Aufwand stehen.

Eine Antwort zu “Lohn der Angst

  1. Herrlich dekadent

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