Ökonomen-Streit: Der Mindestlohn kostet doch Arbeitsplätze

Gérard Bökenkamp

Lange teilten fast alle Ökonomen die theoretische Annahme, dass ein Mindestlohn Arbeitsplätze kostet, wenn er über dem Gleichgewichtslohn liegt, der sich aus Angebot und Nachfrage ergibt. Wenn der Mindestlohn unter diesem Gleichgewichtslohn liegt, wäre er nicht schädlich, hätte aber auch keine Wirkung. Dann entstanden eine Reihe empirischer Studien, die nach der Einführung des Mindestlohns keinen Anstieg der Arbeitslosigkeit ausmachten. Diese Studien wurden zur wichtigsten Legitimationsquelle für die Einführung von Mindestlöhnen.

Nun berichtet die Frankfurter Allgemeinen Zeitung von der neuen Studie der Ökonomen Jonathan Meer und Jeremy West, die die Ergebnisse dieser Studien kritisch hinterfragen. Mindestlöhne werden oft in wirtschaftlich guten Zeiten eingeführt, wenn die Menschen wenig Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Das Arbeitsplatzwachstum im Aufschwung überlagert dann die Jobverluste durch den Mindestlohn.

Der Mindestlohn führt in diesem Fall nicht dazu, dass Arbeitsplätze verloren gehen, sondern dazu, dass weniger neue Arbeitsplätze geschaffen werden als ohne den Mindestlohn. Da die bisherigen Studien diesen Faktor nicht einbezogen, wären sie zu dem irrigen Ergebnis gekommen, dass Mindestlohn keine Auswirkungen auf die Beschäftigung haben.

2 Antworten zu “Ökonomen-Streit: Der Mindestlohn kostet doch Arbeitsplätze

  1. Die Aussicht auf den gesetzlichen Mindestlohn scheint die Entwicklungen im Niedriglohnbereich zu beeinflussen. Immer mehr Arbeitgeber sind verhandlungsbereit: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/tarifloehne-in-den-vergangenen-jahren-gestiegen/

  2. Pingback: Kostet der Mindestlohn doch Arbeitsplätze? Die FAZ findet den ultimativen Beweis | NachDenkSeiten – Die kritische Website

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