Elbphilharmonie hoch zehn

Steffen Hentrich

Professor Carlo Jaeger schreibt im Spiegel, dass im Ehrgeiz der Energiewende eine einmalige Chance für Deutschland liegt, „Weltmarktführer für neue Energiesysteme zu werden und eben dadurch die Lösung globaler Umweltprobleme voranzutreiben“. Das soll mit einem europäischen Konsortium aus Staat, Unternehmen und Wissenschaft nach dem Vorbild von Airbus gelingen. Ein Alleingang würde hingegen wie beim Bau der Elbphilharmonie ein kostspieliges Prestigeobjekt bleiben. Man müsse nur die Rahmenbedingungen europaweit so setzen, dass Erneuerbare Energieträger, Energieeffizienz und die Kraft-Wärme-Kopplung wettbewerbsfähig werden, und schon würde eine europäische Energiewende quasi im Alleingang durchstarten und weltweit ihre ökonomische Duftmarke setzen.

Man mag sich fragen, aus welchem ökonomischen Grund Europa ausgerechnet Weltmarktführer bei Energietechnologien werden sollte, warum nicht in einem beliebigen anderen Sektor, und wie Europa überhaupt Weltmarktführer werden kann, wo der Wettbewerb von Unternehmen gemacht wird und Staaten lediglich der Ort sind, wo dieser stattfindet. Dieser Art Konfusion zwischen Wirtschaft und Staat mag man noch nachsehen, da sie in akademischen Kreisen recht verbreitet ist und von der Öffentlichkeit goutiert wird, doch der logische Fehlschluss, man müsse die ineffiziente Energiewende nur auf die europäische Ebene heben und schon wird sie zum ökonomischen Selbstläufer, ist schon erkärungsbedürftig.

Nahezu alles was im Rahmen der Energiewende an technischen Neuerungen in der Energiewirtschaft Einzug gehalten hat, kann sich im Wettbewerb nur behaupten, weil der Staat mit Subventionen und Regulierungen nur so um sich wirft und so die Kosten der Verschwendung umverteilt. Nur so werden die technisch-physikalischen Grenzen der Energiewende nicht zum Limit der Energiewendegewinner, sondern zur Last der Energiemärkte und der dort nachfragenden privaten und gewerblichen Verbraucher. Das ändert sich auch nicht, wenn der regulative Rettungsschirm des Staates über ganz Europa ausgebreitet wird. Schließlich wirken physikalische und ökonomische Gesetzmäßigkeiten nicht nur in Deutschland, sondern sprengen auch europaweit die Vorstellungskraft von Politikern, Umweltaktivisten und eben auch von Akademikern. Ein europäisches Energiewendekonsortium nach dem Vorbild Airbus wird daher nicht nur zu einem wettbewerbshemmenden Duopol zweier staatlich hofierter Großkonzerne führen, deren Produkte wenigstens noch eine echte Nachfrage bedienen und technisch auf dem Boden der Realität operieren, sondern zu einem ökonomischen Desaster, dass die Elbphilharmonie bei weitem in den Schatten stellt.

Eine Antwort zu “Elbphilharmonie hoch zehn

  1. Die Energiewende beinhaltet aber unbestreitbar Potential da Energieversorung in der zukunft ein globales Thema ist. Wenn dann Technologien zur Energieeffizienz oder auch alternative Energieträger gefördert würden, könnte dieses Potential von den entsprechenden Unternehmen ausgenutzt werden. Diese benötigen jedoch in einem ersten Schritt die Unterstützung, die andere alt eingesessene Energieunternehmen auch erhalten haben oder weiterhin erhalten. Hier könnte eine Bundesregierung so eine Entwicklung positiv beeinflussen. Aber klar ist, dass sich mittelfristig ein Unternehmen auf den Märkten behaupten muss. Europaweite gestaltete einheitliche Rahmenbedingungen sind dafür nicht zwingend notwendig und wären teilweise auch unsinnig aufgrund der geographischen Unterschiede die im Bezug uf erneuerbare Energien Relevanz entfalten.

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