Klimaschutz durch die Glaskugel gesehen

Steffen Hentrich

Mit einer Bestandsaufnahme und Analyse von Studien zur Schätzung von Klimaschutznutzen und -kosten erlaubt das Umweltbundesamt einen Blick hinter die Kulissen einer Vielzahl von Auftragsgutachten zur Bewertung von klima- und energiepolitischen Maßnahmen und zeigt damit, wohl eher unfreiwillig, auf welch dünnen Eis sich die wissenschaftliche Beratung der Bundesregierung in Sachen Klimapolitik bewegt. Nur wenige der Studien zur gesamtwirtschaftlichen Bewertung von Klimaschutzmaßnahmen werden dem Anspruch an eine umweltpolitische Kosten-Nutzen-Analyse überhaupt gerecht, da sie zumeist nicht einmal den ernsthaften Versuch unternehmen die echten Kosten und Nutzen der Reduktion von Treibhausgasemissionen miteinander in Relation zu setzen.

Stattdessen werden in vielen Fällen mit klimapolitischen Instrumenten verbundene Investitionen einer keynesianischen Multiplikatormodellierung unterzogen, die per Definition von einer unterausgelasteten Volkswirtschaft ausgehen muss, um überhaupt mehr als volkswirtschaftliche Verdrängungseffekte produzieren zu können. Unklar bleibt in diesen Analysen nämlich, wodurch sich mit diesen Klimaschutzinvestitionen, die sich allesamt nur durch Subventionen  oder Zwang am Markt behaupten können, die Produktivität der Produktionsfaktoren und das Produktionspotential der Volkswirtschaft erhöhen sollen. Dazu müsste ein beleg erbracht werden können, dass der Einsatz der Produktionsfaktoren ohne den Staatseingriff weniger effizient ist als mit. Doch gerade dies wird ja durch die methodische Ausblendung der sozialen Kosten von Treibhausgasemissionen gerade ausgeschlossen. Aber auch die Energieeinsparungen, ein möglicher Vorteil von Klimaschutzinvestitionen, können in den Gutachten nur durch entsprechend apokalyptische Annahmen über zukünftige Energiepreissteigerungen rentabel gemacht werden, oft ohne auch nur in Erwägung zu ziehen, dass auch eine moderate Preisentwicklung und Entlastungen durch die Erschließung neuer Energiequellen denkbar ist. Und dieses Szenario ist gar nicht unwahrscheinlich, angesichts der Realität, in der die entsprechend der Markterwartungen agierenden Unternehmen nur von selbst aktiv werden, wenn der Staat ihnen durch Subventionen jegliches Risiko von Energieeinsparmaßnahmen aus der Hand nimmt. Zudem werden in aller Regel noch Arbeitsplatzeffekte als Nutzeffekte ausgewiesen, obgleich es sich im ökonomischen Sinne klar um eine wirtschaftliche Kostenkomponente handelt. Gern wird das Ganze noch mit den Verheißungen des ökologischen Strukturwandels garniert, der eigentlich nicht mehr aussagt, als dass Klimapolitik nicht ohne Hintergedanken für Nutznießer und Verlierer sorgt. Kein Wunder, dass die meisten der betrachteten Gutachten ein rosarotes Bild der deutschen Klimapolitik zeichnen.

Ist von diesen Gutachten etwas anderes zu erwarten? Eigentlich nicht, wenn man weiß, dass vor der Auftragsvergabe bereits über die Richtung der Ergebnisse entschieden wird und davon auch abhängig gemacht wird, welches Forschungsinstitut letztlich mit der Gutachtertätigkeit beauftragt wird. So funktioniert das politische Geschäft der Gefälligkeitsgutachten, die oft nicht mehr als medienwirksame Feigenblätter für eine folgenschwere Politik sind, die nicht nur auf falschen Prämissen basiert, sondern auch noch dilettantisch ausgeführt wird.

Eine Antwort zu “Klimaschutz durch die Glaskugel gesehen

  1. Sie bringen es auf den Punkt. Es ist offenkundig, dass ein Großteil der sogenannten Studien Gefälligkeitsarbeiten sind. Gefälligkeitsarbeiten, die der Sicherung der eigenen Existenz (auch des Instituts etc.) dienen.
    In aller Regel wird mit Halbwahrheiten gearbeitet.
    Natürlich erzeugen wir Menschen Klimagase. Die Wirkung aber, die diese Gase auf das Klima haben, haben eine Unzahl an Parametern. Wie ich schon öfter in meinen Stellungnahmen ausgeführt habe, enthalten die Modell nur einen kleinen Bruchteil davon, die Simulationen noch viel weniger. Zudem ist die Vergleichbarkeit mehr als fraglich.
    Ein weiteres Faktum bleibt ohnehin offen. Es ist doch eine Tatsache, dass die Nutzung fossiler Stoffe endlich ist. Genauer, sehr endlich.
    Insofern ist die Einführung neuer Technologien sicher angezeigt.
    Da stellen sich dann Fragen, die über das m.E. immer noch sehr antiquierte Denken der Ökonomen weit hinausgehen. Da steht zum einen das Problem der Übervölkerung im Zusammenhang mit den technischen Errungenschaften, die einer weiteren Vermehrung dieser Bevölkerung entgegenstehen. Die Menschen nur als Verbraucher und damit also Konsumenten zu sehen, geht an der Realität vorbei. Vielmehr wären Strategien zu entwickeln, wie die Menschen in der Zukunft beschäftigt werden sollen. Dazu gehört auch der Ressourcenverbrauch. Es liegt auf der Hand, dass nahezu die Hälfte aller bekannten Ressourcen inzwischen verbraucht wurden und dass deren Hebung, auf enorme Probleme stößt. Eine Reduzierung der Zahl wäre also sinnvoll, eine humane Reduzierung im Sinne eines lebenswerten Lebens, wozu es vermutlich bereits zu spät ist.
    Es ist zu überlegen, ob die Transportwege wirklich über Fahrzeuge abgewickelt werden müssen. Es gibt andere Lösungen. Dafür ist aber wieder elektr. Energie notwendig, Ich habe gegen Windräder, Photovoltaik nichts einzuwenden, nur reicht das bei weitem nicht aus. Bislang habe ich noch nicht gehört, mit welchem Zusatzbedarf man für diese Bereiche rechnet. Sie sind gigantisch. Das wäre, die Technik gibt es bereits, auch effizienter lösbar.

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