Bundespräsident Joachim Gauck zur Neoliberalismus-Debatte

Steffen Hentrich

Neoliberalismus gilt gemeinhin als die Wiedereinführung des ungezügelten Kapitalismus, dem Linke gern alle Übel der Gesellschaft andichten möchten. Darüber kann sich Bundespräsident Joachim Gauck nur wundern:

Und dann denkt da ein Freiburger Ökonom gemeinsam mit seinen Mitstreitern über die Entmachtung all dieser Mächtigen nach! Er entwirft eine Ordnung, in der der Staat so viel wie irgend möglich dem freien Spiel des Wettbewerbs überlässt – aber keinesfalls das Setzen der Regeln selbst. Eine Ordnung, die den Einzelnen weder einer staatlichen Bevormundung unterwirft noch einem Markt, auf dem die Starken so groß werden können, dass sie die Regeln allein bestimmen. Eine Ordnung, die auf „das Anliegen der sozialen Gerechtigkeit“ zielte und – zur Erfüllung dieses Anliegens – auf den höchstmöglichen wirtschaftspolitischen Wirkungsgrad.

Wer dies im Hinterkopf hat, kann es übrigens nur merkwürdig finden, dass der Begriff „neoliberal“ heute so negativ besetzt ist. Schließlich wandten sich Eucken und seine Mitstreiter selbst als sogenannte „Neoliberale“ genau gegen jenes reine „Laissez-faire“, das dem Neoliberalismus heute so häufig unterstellt wird. Ihnen hier im Saal erzähle ich damit nichts Neues. In unseren öffentlichen Debatten aber wünsche ich mir mehr intellektuelle Redlichkeit und auch etwas mehr historisches Bewusstsein und Anerkennung für das breite Spektrum des Liberalismus in unserem Land, das von Eucken und seiner Vorstellung von einem ordnenden Staat bis hin zu Friedrich August von Hayek reicht, der „spontanen Ordnungen“ mehr zutraute als dem Staat.

Die vollständige Rede auf einer Festveranstaltung des Walter Eucken Instituts finden Sie auf der Homepage des Bundespräsidenten.

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