Körperschaftssteuer abschaffen statt Mindestlohn einführen

Steffen Hentrich

Nach wie vor herrscht die Auffassung, die Besteuerung von Unternehmensgewinnen, also der Einkommen juristischer Personen, würde vor allem die Kapitalanleger treffen. Doch die können ihr Vermögen als Reaktion auf den steuerbedingten Rentabilitätsverlust ihrer Kapitalanlage abziehen und weniger besteuerte Anlagealternativen oder im Ausland investieren. Im Ergebnis wird weniger investiert, die Kapitalausstattung der Unternehmen fällt geringer aus und damit die Produktivität der dort geschaffenen Arbeitsplätze. Der amerikanische Ökonom Laurence J. Kotlikoff hat die Wirkung einer Abschaffung der Körperschaftssteuer (corporate income tax) auf die amerikanische Wirtschaft und auf die Löhne untersucht und dabei festgestellt, dass sich bei einer Gegenfinanzierung über die Einkommensteuer und erst recht über die Konsumsteuer erhebliche Wachstumseffekte und ein spürbarer Anstieg der Löhne sowohl ausgebildete als auch ungelernte Beschäftigte ergeben würde. Wird die Körperschaftssteuer durch eine höhere Besteuerung der Einkommen gegenfinanziert, lässt sich ein um 23 bis 37 Prozent höher Kapitalstock erwarten, der aufgrund höherer Arbeitsproduktivität höhere Löhne von 12 Prozent für ungelernte und 13 Prozent für gelernte Arbeiter impliziert. Wie man sieht, gibt es Alternativen zum Mindestlohn, wenn zugunsten von Anreizen auf die arbeitsmarktpolitische Brechstange verzichtet wird.

3 Antworten zu “Körperschaftssteuer abschaffen statt Mindestlohn einführen

  1. Das klingt ja wie Unternehmen beschenken und Kleine Einkommen klein halten. Vernunftrechtsstaatlich und rational-inhaltlich ist aber die Generalität und Gleichheit einer gesetzlichen Regelung wichtig.

  2. Inwieweit diese Thesen in den USA heute zutreffen möchte ich einmal beiseite lassen.
    Interessanter ist, wie sich das Steuersystem hier auswirkt.
    Ich beschränke mich auf die Körperschafts- bzw. Einkommensteuer.
    Zunächst ist festzustellen, das ist Ihrer Darstellung nur zuzustimmen, dass faktisch sämtliche Steuern, Ausnahmen davon gibt es nur sehr wenige, den Endverbraucher treffen. Die beliebte Formel, die Unternehmen höher zu besteuern, bedienen lediglich den Neideffekt, was das aber amüsant macht, ist, es trifft genau diese Neidhammel selbst.
    Gäben die Unternehmen nicht alle Steuern an die Preise weiter, wären sie binnen kürzester Zeit pleite. Das sollte sogar ein Klippschüler verstehen können.
    Allerdings würde ein Wegfall der Körperschaftssteuer die Gefahr bergen, dass die sogenannten „Managerbezüge“ noch weiter steigen. Diese Frage hinsichtlich dieser Bezüge ist ganz sicher berechtigt. Man darf nicht verkennen, dass diese Gehälter, da sie ja Betriebsausgaben sind, voll abzugsberechtigt sind. Das kann man sicher auch so sehen, dass ein guter Teil dieser Beträge zwar dem Staat keineswegs als Steuereinnahmen entgehen, er erhält sie über die Einkommensteuer der Empfänger, sie aber natürlich der Reinvestition entzogen werden.
    Andererseits stellt sich die Frage, ob die Reinvestitionen überhaupt in Deutschland noch Sinn machen. Man darf ja nicht vergessen, dass die auch heute von der EU-Kommission geforderte Zurückhaltung der Deutschen hinsichtlich ihrer Wettbewerbsfähigkeit, durchaus Tradition hat. Z.B. Die Kontingentierung der Stahlerzeugung noch unter der EWG. Dorr erhielten die Unternehmen fixierte Kontingente für diese Produkte. Nebenbei; das führte u.a. zu den rieseigen Problemen hinsichtlich des „Wiederaufbaus Ost“.
    Dieses Gesetz wurde damals eingeführt, um die völlig heruntergewirtschaftete Stahlindustrie in Belgien, Frankreich, Italien, auch GB, wieder marktfähig zu machen, wohingegen die in Deutschland ansässigen Unternehmen, allen voran damals Thyssen, die den Löwenanteil ihrer Gewinne traditionell reinvestierten, auf genau diesen Reinvestitionen sitzen blieben. Sie wurden nicht mehr ausgelastet, womit dich die Produkte verteuerten.
    Im übrigen ein schönes Beispiel für das, was man hier so unter Marktwirtschaft versteht.
    Die Montanunion und auch die Landwirtschaft sind ganz ähnliche Modelle, deren Idiotismus sich gerade unter den „Errungenschaften“ der EU, insbesondere der Gleichmacherei von Dingen, die nicht gleich sind, auszuwirken beginnen.
    Kurz gesagt, es wäre zu überlegen, ob die ausgeschütteten Gewinne möglicherweise höher zu besteuern sind und ob die Absetzbarkeit der Gehälter ab einem gewissen Betrag in den Unternehmen auf eine festgelegte Höchstgrenze fixiert werden sollte. Dabei ist aber darauf zu achten, dass alle Bezüge dieser Leute als Gehalt zu bewerten sind, also auch die beliebten Beteiligungsmodelle.
    Das kann aber nur nützen, wenn die jeweiligen Regierungen auch klipp und klar erklären, wohin der Weg gehen soll. Will man den Grünen und ähnlichen Chaoten folgen, kann man es gleich sein lassen. Es ist dann ohnehin egal, weil es bergab geht.
    Man muss auch begreifen und begreiflich machen, dass dieses Land sehr innovativ sein muss. Das erreicht man aber nicht, in dem man jede Innovation verbietet, weil den Juchtenkäfer gefährden könnte. Da wird es zukünftig eine Menge Abwanderungen geben, z.B. Gentechnik, chemische Industrie etc.
    Und wer da glaubt, man würde dann diesem Land helfen, dem ist nicht mehr zu helfen. Oder glaubt jemand wirklich, der Artikel des Lissabonvertrags wäre nur so aufgenommen worden?
    Da wird niemand da sein, der a la Merkel und Konsorten, zu denen faktisch alle Parteien dieses Landes zählen, würde uns hier nachlaufen und uns das Geld vor die Füßen legen?
    Mit dem Brechen von Verträgen, wie in diesem Fall, ist man noch nie vorwärts gekommen.

  3. @kosinsky

    Fehlschluss. Alle Steuern können letztlich nur von Menschen getragen werden. Selbst wenn wir Inzidenzüberlegungen mal ausklammern, bedeutet das, dass eine Körperschaftsteuer nur eine Form der Vorauszahlung von Einkommensteuer auf Kapitaleinkommen ist. Wie sich eine Abschaffung auf die Verteilung der Einkommen auswirken würde, ist selbst bei rein statischer Betrachtung nicht oberflächlich abschätzbar.

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