Internationale Freunde – ein Dank an mein Elternhaus

Stefanie Eilers*

Den Kulturen unvoreingenommen begegnen – das sollte jedes Kind lernen dürfen. Nicht jedes Kind darf es scheinbar. Ich hatte es gut zuhause. Da war´s bunt, da war es lustig, da war es vielfältig.

Mit großen Geschwistern aufwachsen, die aus dem Schüleraustausch Jungs und Mädels mit fast unaussprechlichen Vornamen mitbrachten – Ismay, Hamish, Nick – die Briten waren fast mein erster Fremdlingseindruck. Klar wurde Englisch gesprochen – die ganze Familie machte sich die Muttersprachler zu Nutze und ich verstand nur Bahnhof. Die Amis – Sunnyboys – Musiker – da war Klang im Haus.

Österreicher – okay – fast Heimat – da fuhren wir ja immer auf Urlaub.

OHNISCHI – ich weiß nicht mal, wie man ihn richtig schreibt – der Japaner – ehemaliger Geschäftspartner – der alle paar Jahre unvermittelt auftauchte – extra für ihn einen ganz alten Whiskey ganz oben auf dem Küchenregal – den mochte sonst keiner.  An Weihnachten irgendwelche gestrandeten Fremde aus dem Studienort meiner Geschwister. Argentinien, da isst man den Teller als Anerkennung an die Köchin nie ganz leer. Es wurde Scharade gespielt und wir haben uns gebogen vor Lachen. Hände und Füsse  –  das Sprichwort jemandem einen Bären aufbinden im Norwegerpulli – schöne Erinnerungen.

Später dann meine eigenen schulischen Lebenserfahrungen – die ersten Türken in der Klasse, ich mochte sie von Anfang an und half gerne bei den Hausaufgaben – Erkan und Asli – was wohl aus ihnen geworden ist – die Mutter von Asli überschüttete mich beim Besuch zur Hausaufgabenhilfe am anderen Ende der Stadt mit türkischen Leckereien – wie kann man da unfreundlich sein.

Die Russlanddeutschen kamen, ich half mit im Flüchtlingslager – ich glaube ich war 14 und es war ein Spaß mit den Kindern Hinkepinke zu spielen, habe versucht Russisch zu lernen – aber die Sprache will sich mir einfach nicht erschließen…. Egal, trotzdem nette Leute.

Dann später die Franzosen – ich konnte mich sehr gut verständigen – fürs Abi reichte es aber nicht… die Grammatik hatte ich einfach schick ausgeblendet und Vokabeln lernen war auch nicht so meins😉.  Valerie aus Nizza – der Gegenbesuch war legendär. Drei Wochen Cote d´Azur – ein Traum als Mädel mit 16. Schnieke wohlerzogene Jungs aus Montpellier, Grasse und ein Mädel aus Peau – genau ganz im Süden Frankreichs – man lernt ja so viel!!

Während der Ausbildung José – ein Freund eines Freundes- seelische Verbundenheit – er stark gläubiger Christ – ich längst ausgetreten und Atheistin – trotzdem eine Wellenlänge. Eingeladen auf seiner Hochzeit in Sevilla – die Einsegnung des Brautpaares in einem heißen ehemaligen Ziegenstall in brütender Hitze – sehr eindrücklich.

Die ersten Schwarzafrikaner – in der ehrenamtlichen Jugendarbeit – da wo die Liebe bei einer Freundin hinfiel und er nannte seine baldige Schwiegermama – meine deutsche Mama.

Wir konnte es anders sein, dass ich nach der Schule eine Lehre bei einem Serben anfing? Lubo und ich wurden dicke Freunde, weit über meine Zeit als seine Auszubildende und Angestellte hinaus. Gemeinsam auf Messen fahren – ich wollte immer mit. Die Kollegen staunten und wollten übel nachreden, ich wollte den internationalen Messeflair erleben und handeln – mein Lieblingsberuf. Lubo kochte zudem spitzenmäßig – häufig kam ich satt nach Hause.

Russlanddeutsche Kollegen im Arbeitsleben. Das waren die mit dem größten Fleiß und der größten Gelassenheit zugleich. Immer ruhig dem Ziel entgegen – sehr schlau – da habe ich mir was abgeguckt.

Weiterer  Berufsweg, ich lande im Sauerland. Schützenvereine und viel DEUTSCH bereichern meine Laufbahn. So richtig warm geworden bin ich mit dem Kult nie😉.

Zum Glück hatte ich am Wochenende die Türken in der Nachbarschaft zur Erdung. Lahmacun, Grillfest, Bulgur und mehr. Knoblauch am Wochenende Pflichtprogramm. Die Tür steht bei den Muslimen für freundlichen Besuch immer offen – ob es passt oder nicht spielt keine Rolle – die Tür wird nie zugeschlagen. Anrufen muss man vorher nicht – kann man machen – na komm doch rüber war fast immer die Antwort.

Vanja aus Bulgarien und Daniel aus Rumänien – tolle Freunde die ich nicht missen möchte.

Lange könnte ich diese Geschichte weiter spinnen.

Aber doch nun staune ich – plötzlich wieder komische Stimmung in Deutschland. Ich frage mich – lebe ich auf einem anderen Stern? Unter der Bedrohung der Sozialsysteme werden nun wieder komische Sätze geschwungen. Ich merke, die Wut steigt in mir auf. Haben wir denn nichts gelernt? Geht es Deutschland nicht gerade deswegen so gut, weil wir so viele internationale, fleißige Helfer im Land haben? Wenn wir Rahmenbedingungen verbessern wollen, dann sollten wir bei uns selbst anfangen – Türen auf, Willkommen sagen, herzlich sein! Das ist die Aufgabe von uns Einheimischen. Nichts mehr und nichts weniger. Hilfestellung bieten, übersetzen helfen, ankommen helfen, Tipps geben uns nicht ewig nach dem Staate rufen. Kinder aufnehmen in Deutschland, Leihoma und Leihopa sein, Lebensart zeigen und Lebensstil.

Ich für meinen Teil werde so viel wie möglich unser Haus öffnen – auch für unsere Kinder ein Milieu der Internationalität schaffen, so wie ich es auch schon gelernt habe. Ich hoffe andere tun es mir und meinen Freunden nach. Gerne könnt Ihr mich ansprechen, ich helfe bei den Verbindungen so gut ich kann.

* Die Autorin ist Mitglied des Vorstands der FDP Bad Zwischenahn.

3 Antworten zu “Internationale Freunde – ein Dank an mein Elternhaus

  1. „Lange könnte ich diese Geschichte weiter spinnen.“ Kein Problem, Frau Eilers: Dieses Jahr kommen rund 200 Kriegsflüchtlinge aus Syrien ins beschauliche Ammerland. Alles Gute!

  2. Deutscher, kritisch gegenüber Multikulti

    Also die Darstellung ist doch arg geschönt. Überall nur freundliche Kulturbereicherer. Meine eigenen Erfahrungen sind da eher durchwachsen: Ich wurde von einer Meute steinewerfender Marokkaner durch mein eigenes Wohnviertel getrieben. Als ich öffentlich zu protestieren wagte, lies mir die örtliche Politik wissen, dass sie sich von mir ihr schönes Multikulti nicht kaputtmachen ließen… Zeugenaussagen von deutschen Nachbarn? Fehlanzeige, die haben alle Angst.

    Unterstützung bekam ich in der Angelegenheit von einem anderen Ausländer. Der hatte eine einfache Botschaft: Wenn ihr meinen deutschen Kumpel nochmal anfasst, dann rufe ich 20 von meinen Leuten zusammen, und dann gibt es was zurück!

    Dieses beschissene „Multikulti ist toll“ hat mit der Realität nichts zu tun. Aber von Realtität wollen ja Politiker dieses Landes nichts wissen. Die verarschen lieber das eigene Volk.

    Es ist schon bedenklich, wenn man als Deutscher einen ausländischen Bodygard braucht, um sich in seinem eigenen Land sicher zu fühlen

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