Liberale Prinzipienfestigkeit jenseits des Schwarz-Weiß-Denkens

Steffen Hentrich

Der politische Liberalismus hat es in diesen Tagen nicht leicht in diesem Land. Um wieder richtig Fuß zu fassen, muss aus der Wahlniederlage gelernt und mit der Rückkehr zu liberalen Prinzipien der Weg in die Zukunft beschritten werden. Clemens Schneider, Promotionsstipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, ist davon überzeugt, dass Liberale sich in der Öffentlichkeit nicht in weltanschaulichen Richtungskämpfen aufreiben sollten, sondern gut daran tun ihr Handeln an einem ein klares Bekenntnis zur Freiheit aller Bürger auszurichten. Er schreibt hierzu in der aktuellen Ausgabe des Stipendiatenmagazins Freiraum:

Es darf liberalen Politikern nicht darum gehen, Menschen zufriedenzustellen, damit sie das Kreuz an der richtigen Stelle machen. Das sollte man getrost den Konservativen und Sozialisten überlassen, die für alle Fragen bereits fertige Antworten liefern. Liberalen Politikern muss es um zwei Dinge gehen: Den Bürger zu befähigen, selbstständig Lösungen zu finden – weil er selbst der beste Sachwalter seiner Interessen ist. Und diesen Lösungsansatz richtig zu kommunizieren. Denn eigentlich ist es sehr plausibel, dass man selber besser einschätzen kann, wie man sein Leben gestaltet, als Politiker oder Bürokraten mit ihren Pauschlallösungen.

Man sollte sich nicht ins Bockshorn jagen lassen von den Kassandra-Rufen derjenigen, die behaupten, die FDP habe sich zu weit in Richtung Sozialliberalismus oder Wirtschaftsliberalismus bewegt. Diese Unterscheidungen sind unsinnig und werden meist nur benutzt, um persönliche Antipathien ideologisch zu verbrämen. Der Liberalismus hat nur ein Ziel: mehr Freiheit für den einzelnen. Dieses Ziel umfasst nicht bestimmte Bereiche, sondern das ganze Leben jedes einzelnen.

6 Antworten zu “Liberale Prinzipienfestigkeit jenseits des Schwarz-Weiß-Denkens

  1. Das ist natürlich ein richtiger Gedanke, aber es würde bedeuten, die FDP zu einer liberalen Partei zu machen – ein Ding der Unmöglichkeit.

  2. „Den Bürger zu befähigen, selbstständig Lösungen zu finden“

    Dieses Finden erfordert eine Denkfähigkeit die unter dem Namen Vernunftbegabung sehr weit verbreitet und reichlich vorhanden ist. Abgesehen von der kleinen Bevölkerungsgruppe, welche von den Klassifizierungsautorisierten als geistig behindert anerkannt wird.

    Das eigentliche und mehrtausendjährige Problem ist spätestens seit Immanuel Kant ein anderes:
    Die immer wieder freiwillige – also vorsätzliche und selbstverschuldete Unmündigkeit.
    Anders formuliert 1: Informations-, Lern- und Denkverweigerung um nicht vom Reden ins Tun kommen zu müssen. Tun = harte, anstrengende, einsam machende, gefährliche Arbeit gegen den emsig-trägen Strom der Masse.
    Anders formuliert 2:
    Der gebrochene Wille (im Namen der Erziehung, Ordnung, Disziplin, Sicherheit, Anpassung, Liebe).

    Solange dieser Tatbestand mit Vorsatz ab einer gewissen Schwere nicht juristisch verfolgt wird um die konkreten, aber leider mittelbar im öffentlichen Interesse liegenden Gefahren für die Allgemeinheit und die vielen Einzelnen zu reduzieren, solange gelingt es mir vorerst nicht einen Nutzen in solchen Appellen zu erkennen.
    Bin ich zu pessimistisch?

    “Es gibt drei Arten von Menschen:
    solche die sehen,
    solche die sehen wenn sie es gezeigt bekommen und
    solche die nicht sehen [wollen].”
    Leonardo Da Vinci

  3. Na ja. Es kommt eben darauf an. Zum Beispiel welcher Art diese „Richtungskämpfe“ denn eigentlich sind. Geht es nur darum, unterschiedliche Ausprägungen des liberalen Gedankens zu betonen, mag man dem Autor zustimmen. Aber geht es um den Kern des liberalen Gedankens selbst, dann sind solche „Richtungskämpfe“ erforderlich.

    Das Etikett „liberal“ wird schließlich bis in die Linkspartei hinein gerne verwendet (ich erinnere mich da an ein dialektisches Meisterstück Lafontaines), klebt dann aber meist doch nur auf der linken Standardware. Ein wenig Präzisierung tut da schon not. Tautologien wirken zwar manchmal erhellend, bringen uns in dieser Sache aber nur wenig weiter.

  4. … mehr Freiheit für den einzelnen. Dieses Ziel umfasst nicht bestimmte Bereiche, sondern das ganze Leben jedes einzelnen.

    … bringen uns in dieser Sache aber nur wenig weiter

    Was antwortet man am besten Menschen denen nur noch wenig Zeit bleibt, auf folgende Frage?
    Was würde uns am weitesten bringen?

  5. Verbunden mit einem Dankeschön an Ihre kleine liberale Spielwiese wünsche ich Ihnen, lieber Herr Hentrich, alles Gute!

    Das Stichwort „Wahlniederlage“ verstehe ich zwar nicht, doch mir scheint, daß nach über einem Jahrhundert Tiefschlaf sich in Deutschland wieder so etwas wie Liberalismus regt, natürlich auf vielfältige Weise. Es kann also nur besser werden.

    Mit einem freundlichen Gruß!

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