Die Zukunft der Alterssicherung

Florian Swyter*

Die Zukunft der Alterssicherung erfordert in Anbetracht der demografischen Entwicklung eine nachhaltige, faire und ausgewogene Balance einerseits zwischen den Beschäftigten und ihren Arbeitgebern und andererseits den Leistungsbeziehern. Aufgrund der abzusehenden demografischen Entwicklungen sind Anpassungen im bestehenden 3-Säulen-Modell der Alterssicherung unerlässlich. Insbesondere muss das Gewicht von der demografieanfälligen umlagefinanzierten Rentenversicherung hin zu der kapitalgedeckten Altersvorsorge weiter verschoben werden. Radikalreformen, wie z.B. der Umbau der Rentenversicherung in ein Grundrentenmodell, oder – entgegengesetzt – in eine Erwerbstätigenversicherung, sind nicht zielführend.

Mit den vergangenen Rentenreformen, insbesondere mit der maßvollen Absenkung des Rentenniveaus, der Stärkung der kapitalgedeckten Vorsorge und der Rente mit 67 wurden die richtigen Maßnahmen innerhalb der bestehenden 3-Säulen-Struktur eingeleitet. Aktuell besteht die große Besorgnis, dass die Politik durch Rücknahme von Reformmaßnahmen sowie durch milliardenschwere Leistungsausweitungen, wie der Aufweichung der Rente mit 67 oder der Mütterrentenerhöhung, die Reformerfolge – Sicherstellung der finanziellen Tragfähigkeit der Alterssicherung – verspielt. Die aktuellen Vorschläge der Politik sind – wenn überhaupt – nur sehr bedingt geeignet, die Gefahr von Altersarmut zu verringern.

Der Gefahr von Altersarmut kann am nachhaltigsten mit Vollbeschäftigung und durchgängigen Erwerbsbiografien begegnet werden. Mit zielgerichteten Korrekturen bei der Absicherung des Erwerbsminderungsrisikos und von Selbstständigen kann die Gefahr von Altersarmut effektiv verringert werden. In der ersten Säule gilt es vor allem den Reformkurs beizubehalten. Höhere Reserven in der Rentenversicherung verleiten noch stärker zu Leistungsausweitungen, die auch dann getragen werden müssen, wenn die Reserven auf-gebraucht sind. Bei der kapitalgedeckten Altersvorsorge sollte insbesondere die betriebliche Altersvorsorge aufgrund ihrer Kosteneffizienz und Reichweite gestärkt und von weiteren Belastungen abgesehen werden.

Der Text ist ein Auszug aus Die Zukunft der Alterssicherung von Florian Swyter, erschienen in Position Liberal 123, 2013.

4 Antworten zu “Die Zukunft der Alterssicherung

  1. Alle Befürworter einer kapitalgedeckten Alterssicherung unterliegen dem fundamentalen Irrtum zu meinen, dass die Kapitaldeckung im Gegensatz zu Umlagesystemen nicht demographieabhängig sei. Wie kann man nur so kurzschlüssig sein im Denken?

    Tatsache ist doch, dass auch die Ansprüche auf Verzinsung bzw. Dividendenerträge, die aus dem Aufbau eines Kapitalstocks erwachsen, dereinst, wenn die Rentner von diesen Erträgen leben sollen, von einer aktiv erwerbstätigen Generation erwirtschaftet werden müssen. Im Klartext: Wenn es nicht mehr genügend Erwerbstätige gibt, die bei Daimler Autos und bei Siemens Kraftwerke bauen können, und wenn es nicht mehr genügend junge Menschen gibt, die als kaufkräftige Abnehmer der dort produzierten Werte zur Verfügung stehen, werden auch weniger Gewinne erwirtschaftet und Dividenden ausgeschüttet werden können. Ich erinnere daran, dass einer der Hauptfaktoren für den nur durch Staatsintervention verhinderten Bankrott von General Motors in den USA die Tatsache war, dass immer weniger Beschäftigte die Renten für die in der Vergangenheit sehr viel zahlreicheren Mitarbeiter erwirtschaften mussten.

    Die von der Politik immer noch in großem Stil geförderte demographische Katastrophe (Zerstörung der Familie, Homosexualisierung der Gesellschaft, Verkrippung von Kleinstkindern, Verstaatlichung der Kindererziehung) trifft wie eine Breitseite die kapitalgedeckten Systeme der Alterssicherung ebenso wie die Umlagesysteme. Spätestens ab 2030 bricht in Deutschland das Zeitalter des Heulens und Zähneklapperns an.

  2. @Reiner Vogels

    Kapitaldeckung hängt doch nicht von einer einzigen Volkswirtschaft und deren demographischen Entwicklung ab. Kapital kann man weltweit streuen. Die Weltbevölkerung wächst weiter, auch immer mehr Menschen entkommen der Armut, was nur mit Wirtschaftswachstum gelingt. Wirtschaftswachstum bedeutet auch wachsende Erträge aus Kapital.

    Ein Problem für die kapitalgedeckten Alterssicherung sind allerdings die Boom- und Bust-Zyklen, die durch unser staatliches, planwirtschaftliches Fiat Geld System verursacht werden, in dem Geld aus dem Nichts geschöpft wird. Diese Geldschöpfung aus dem Nichts bedeutet, dass (Zentral-)Banken Geld in Umlauf bringen, ohne dass dafür gearbeitet worden wäre, also ohne dass sie mehr Güter in die Volkswirtschaft hineingegeben haben. Sie stehen damit nicht in einem Austauschverhältnis der normalen kooperativen Struktur, und eignen sich somit fremde Leistungen an.

    Dieses Geldsystem sollte durch eine marktwirtschaftlichen Geldordnung ersetzt werden, dann wären Banken keine eigenen Geldproduzenten mehr, sondern lediglich Lagerstätten für Geld und Anbieter für Zahlungsverkehrsdienste. Im Kreditgeschäft, das strikt getrennt ist vom Einlagengeschäft, leiten sie vorhandene(!) Geldbestände nur dann weiter, wenn dies ausdrücklich vom Eigentümer gewünscht wird. Die volkswirtschaftliche Geldmenge wird dann nicht verändert. Eine solche Ordnung wäre sehr stabil und besser als die jetzige. (dazu eine interessante Lektüre: http://www.thorsten-polleit.com/TPMvPNov10-II.pdf ) Alle Bürger würden von der Steigerung der Produktivität automatisch dadurch profitieren, dass sie Güter billiger erwerben, womit ihr Wohlstand steigt und natürlich auch der Wert der Rücklagen für die Alterssicherung. Das jetzige Geldsystem vernichtet ständig den Wert von Sparguthaben, Schuldner, wie der Staat, entschulden sich mit diesem Geld System.

  3. @ Ernst

    Sie schreiben: „Kapital kann man weltweit streuen.“

    Das ist leider bloß ein theoretisch richtiger Satz aus dem Lehrbuch. Fakt jedoch ist einmal, dass

    (1) praktisch alle großen Industriestaaten von der demographischen Katastrophe betroffen sind und dass

    (2) die politischen Unsicherheiten in den meisten Staaten dieser Erde so groß sind, dass keiner, der für die Alterssicherung verantwortlich ist, gut beraten wäre, dort Kapital für den Kapitalstock der künftigen Renten anzulegen.

  4. Die Mär vom Generationenvertrag wurde in die Welt gesetzt, als heraus kam, dass der prall gefüllte Rententopf von den Regierungen der 60er bis 80er Jahren schamlos geplündert wurde um großzügig in der ganzen Welt Geschenke zu verteilen. Selbst auf einem Sparbuch angelegt würde dieses Geld ausreichen, um uns und die nächste Generation mit einer angemessenen Rente zu versorgen. Dazu kommen all diejenigen Rentenbezieher, die nie etwas in diesen Topf einbezahlt haben. Lassen wir dabei die aus den neuen Bundesländern außen vor.
    Als wir ins Arbeitsleben eintraten wurde uns unmissverständlich klar gemacht, dass wir nur mit einer ausreichenden Rente rechnen können, wenn wir regelmäßig einbezahlen. Erleichtert wurde es uns als Zwangsabgabe. So kamen wir erst gar nicht in Versuchung eine andere Möglichkeit zu suchen. Im Klartext, keine Einzahlungen, kein Geld! So ist es eine unzulässige Belastung des Rententopfes, wenn, aus welchen Grund auch immer, Millionen Peripheriegermanen von unseren Politikern mit großzügigen Rentenversprechungen nach Deutschland gelockt werden. Kein Einwand, wenn deren Unterhalt aus Steuern gezahlt wird.
    Nun zur kapitalgedeckten Zusatzrente. Sie unterliegt einem Schwund von etwa 70%. Das heißt, würden die Zulagen des Bundes direkt in den Rententopf gelegt werden, hätten die Rentner deutlich mehr im Geldbeutel als so. Diese 70% verschwinden in den Kassen der Banken, Versicherungen und Spekulanten. Ein Schelm, wer etwas Böses dabei denkt.
    Der geplünderte Rententopf von früher ist Fakt, also nicht mehr gut zu machen. Aber die 3-Säulengeschichte sollte mit sofortiger Wirkung beendet und die Zugewanderten aus Steuern unterhalten werden, dann gäbe es ein großes Rentenproblem weniger. Alterspyramide hin oder her.
    Peter Bauer

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