Geht dem Freihandel der Dampf aus?

Detmar Doering

Die letzten Jahrzehnte sahen einen mehr oder weniger deutlichen Trend hin zum Freihandel. Diese Phase könnte sich nun ihrem Ende nähern, schreibt Josuah Kurlantzick hier in BloombergBusiness. Der Freihandel hätte sich bisher in einem wirtschaftlichen Rahmen durchgesetzt, indem weltweit das Handelsvolumen schneller wuchs als das Gesamtwirtschaftswachstum. Das sei heute nicht mehr so. Zudem seien die meisten Akteure mit innenpolitischen Wirtschaftsproblemen so beschäftigt, dass es keine offensichtliche Führungsmacht in Sachen Freihandel mehr gebe.

Eine Antwort zu “Geht dem Freihandel der Dampf aus?

  1. Freihandel, das hört sich schön an. Fragt sich nur, ob es auch schön ist.
    Schaut man sich die Entwicklung allein innerhalb der EU an, so kann man nicht, man muss feststellen, dass das Fallen aller Schranken ganz wesentlich zur heutigen Situation, der Finanzkrise, geführt hat.
    Ein Freihandel setzt voraus, dass die einzelnen Länder kompatibel sind. Kompatibel meint hier, dass die rechtlichen und vor allem auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten zumindest ähnlich sind.
    Genau das aber kann man innerhalb der EU nicht feststellen.
    Auch der Behelf, ein zentralistisches Europa zu schaffen über übergeordnete Rechtssysteme kann da nicht helfen. Es spielen zuviele geographische Gegebenheiten hinein. Selbst der Versuch, alle Gegenden (Länder) an den Produktionen teilhaben zu lassen, war ja vor nicht allzu langer Zeit grandios gescheitert. Der Versuch der damaligen Sowjetunion, ein solches System einzurichten, hatte letztlich zum Zusammenbruch des Systems geführt. Es ist eben sinnlos, Reifen in der Ukraine, die zugehörigen LKW in Petersburg, Motorenteile in Ufa usw. zu produzieren.
    Man wird auch in der EU nicht darum herumkommen, die Möglichkeit von Ein- bzw. Ausfuhrbeschränkungen, wie z.B. durch Zölle, wieder einzuführen.
    Freihandel bedingt Regeln. Das können wenige sein, nur müssen sie klar formuliert werden.
    Was den Freihandel mit den USA angeht, erinnere man sich nur an die Reaktion der USA auf die Maßnahmen innerhalb Europas in der Vor-EU-Zeit. Man sanktionierte dort die Stahlimporte über abgestufte Zölle. Zölle, die in etwa den jeweiligen Subventionen angepasst waren.
    Nebenbei, Deutschland kam mit etwa 5 % davon, Frankreich und Italien z.B. sahen da schon ganz anders aus. Da lagen dien Zölle bei über 50 %.
    Es ist nicht anzunehmen, dass die USA ihre Haltung in solchen Fragen ändern werden, und die übrigen Staaten der Welt auch nicht.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s