Im Staub der Brüsseler Sterne

Steffen Hentrich

Das Aus für den Hochleistungsstaubsauger durch eine aktuelle Regulierung der EU, an der offenbar auch die Bundesregierung aktiv beteiligt gewesen sein soll, wurde hier bereits kommentiert. Nicht weiter verwunderlich ist indes, dass der die Hersteller von Staubsaugern vertretende Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) offenbar kein Problem mit diesem Eingriff in die Marktfreiheit hat. Man ist – so berichtete die FAZ – der Meinung, dass hohe Leistung nicht mit hoher Saugkraft gleichzusetzen ist, weshalb der Verbraucher sich keine Sorgen machen müsse. Mehr als 1600 W Motorleistung wären nicht nötig. Jedoch ist mit dieser Obergrenze das Ende der Fahnenstange im September des nächsten Jahres noch nicht erreicht, denn schon ab Januar 2017 dürfen nur noch satte 900 W im Staubsäugling schnurren.

Erst kürzlich allerdings hatte die Stiftung Warentest 59 Bodenstaubsauger unter anderem auf ihre Saugfähigkeit getestet und dabei festgestellt, dass von den zehn getesteten Geräten, deren Leistung niedriger als 1200 W lag, nur eines sehr gut saugte, zwei gut, die restlichen sieben aber über ein Befriedigend nicht hinaus kamen. Keines dieser Geräte kam übrigens mit einer Motorleistung von 900 W aus. Angemerkt sei außerdem, dass den sehr gut saugenden Ausreißer in dieser Leistungsklasse ein stolzer Preis von 800 Euro zu berappen ist. Von den 28 getesteten Geräten, die im Zeitraum zwischen 2011 und 2013 auf den Markt gebracht wurden und mehr als 1200 W Motorleistung mitbringen, saugten hingegen 17 gut (60 Prozent) und nur 11 konnten in der Kategorie Saugen den Warentestern höchstens ein Befriedigend abringen. Was lässt sich aus diesem Ergebnis ableiten? Zu einem vernünftigen Preis dürfte es nicht einfach sein, ab 2017 einen gut saugenden Staubsauger zu bekommen, es sei denn, der technische Fortschritt erreicht weitere Effizienzsteigerungen zu entsprechend niedrigeren Kosten.

Wofür das alles? Nehmen wir einmal an, alles klappt so wies sich die EU vorstellt und im Haushalt der Familie Mustermann wird ab 2017 pro Woche eine Stunde nicht mehr mit 1600 W, sondern mit 900 W gesaugt, also 0,7 kWh weniger verbraucht. Es wird also nicht durch längeres saugen oder anderen Mehrverbrauch kompensiert. Das macht im Jahr ganze 36 kWh Stromeinsparung aus, also gut ein Hundertstel des Durchschnittsverbrauchs der Mustermänner-Haushalte von 3500 kWh. Bei knapp 41 Mio. Privathaushalten bedeutet das eine Stromeinsparung von 1,4 Mrd. kWh oder knapp 0,3 Prozent des deutschen Nettostromverbrauchs von 2012 (526 Mrd. kWh).

Um wirklich etwas Spürbares erreichen zu wollen, wird man in Brüssel wohl noch mehr regulieren müssen. Mit einzelnen Kleinverbrauchern wie Glühlampen und Staubsaugern lässt sich kein großer Blumentopf gewinnen. Bald wird das Fernsehgerät, der Computer oder gar das Smartphone folgen, die ganze Palette der Haushaltsgeräte wird geschrumpft und nebenbei in ein technisches Kartell der Produzenten gezwängt. Der Umwelt oder gar dem Klima ist damit sicherlich kein Dienst erwiesen, führt doch geringerer Stromverbauch nur zu niedrigeren Preisen für Emissionsrechte des Europäischen CO2-Handels, die dann anderweitig aufgekauft und verbrannt werden. Sollten tatsächlich jetzt noch schnell leistungsstarke Staubsauger gehortet oder die alten Geräte einige Jahre später außer Dienst gestellt werden, dann ging das Kalkül der Energiesparer ohnehin nach hinten los. Am Ende zahlt der Verbraucher die Zeche, weil man ihm die Freiheit nimmt, mit den vermutlich weiter steigenden Strompreisen so umzugehen, wie es seinen persönlichen Präferenzen entspricht. Doch das Interesse der Bürger scheint bei all den politischen Bekenntnissen zur Zukunft ohnehin nachrangig zu sein. Also wofür dann das Ganze? Das hat man in Brüssel sicher schon längst aus dem Auge verloren.

2 Antworten zu “Im Staub der Brüsseler Sterne

  1. Die EU verselbstständigt hier. Wie so oft. Irgendwelche wichtigen Leute meinen, anderen Vorschriften machen zu müssen. Der Nutzen ist bestenfalls gering – eher negativ. Aber der EU- Funktionär hat etwas verwirklicht.

  2. Wenn man bedenkt, dass uns der Bürokratenhaufen allein in Brüssel minimum 20 Millionen Euro PRO MONAT! kostet, den Schaden durch seine Beschlüsse noch nicht mit einberechnet, muss man sich fragen dürfen, ob wir ihn überhaupt brauchen.
    Peter Bauer

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