Ist Afrikas Aufschwung nachhaltig?

Gérard Bökenkamp

Seit der Jahrtausendwende kann Afrika mit Wachstumsraten von jährlich fünf Prozent aufwarten. Das ist nicht nur auf den Öl-Export zurückzuführen. 20 subsaharische Staaten, die kein Öl produzieren, erreichten zwischen 1998 und 2008 ein Wirtschaftswachstum von vier Prozent. Mit 50 Milliarden Euro privater Investitionen jährlich übersteigen die privaten Investitionen inzwischen die ausländische Hilfe. Die Lebenswartung stieg im letzten Jahrzehnt um 10 Prozent, die Armutsrate ist zurückgegangen und die Zahl der Kinder, die eine weiterführende Schulde besuchen, ist um fünfzig Prozent gestiegen.

Die Pessimisten glauben, diese Entwicklung sei allein der Preisentwicklung auf den übrigen Rohstoffmärkten geschuldet. Das produzierende Gewerbe sei kaum gewachsen. Der Rückgang der Armut werde durch das hohe Bevölkerungswachstum gefährdet. Politische Instabilität und Korruption noch immer ein ganz erhebliches Problem. Die bei der Weltbank tätigen Ökonomen Shantayanan Devarajan und Wolfgang Fengler sehen insgesamt trotz allem einen positiven Trend.

Schuldennachlässe und der Anstieg der Rohstoffpreise habe den Aufschwung unterstützt, der eigentliche Grund sei aber in Wirtschaftsreformen und verbesserten Rahmenbedingungen zu suchen, die das Vertrauen von Investoren und Konsumenten gestärkt hätten. Diese Politik sei auch nach dem Einbruch der Weltwirtschaft im Jahr 2008 fortgeführt worden. Dieser Wandel sei durch das Ende des geopolitischen Wettkampfes in Ost und West und einen Generationenwechsel in der Politik vieler afrikanischer Staaten begünstigt worden.

Die Bevölkerung Afrikas südlich der Sahara ist zwischen 1960 bis heute von 250 Millionen auf 900 Millionen angewachsen. Aber seit der Jahrtausendwende geht die Geburtenrate zurück. Gleichzeitig urbanisieren sich die afrikanischen Gesellschaften und die Kommunikationsmöglichkeiten verbessern sich. Das Problem der afrikanischen Staaten bleibe nicht zu viel Liberalisierung, sondern zu wenig. Die Landwirtschaft und Industrie seien in vielen afrikanischen Staaten noch stark reguliert und die Infrastruktur kaum ausgebaut.

Information:

S. Devarajan/W. Fenger: Africa’s Economic Boom, in: Foreign Affairs, May/June2013.

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2 Antworten zu “Ist Afrikas Aufschwung nachhaltig?

  1. Bestimmt hätte eine Versserung der Strukturen sowie der vor allem rechtlichen (Sicherheit und Durchsetzbarkeit) Rahmenbedingungen positive Folgen.

    Allerdings setzte dies grundsätzliche Verbesserungen in Bildung und Ausbildung sowie damit einhergehender verbesserter Selbstdisziplin der Menschen dort voraus.

    Deswegen wohl eher eine recht weit in die Zukunft reichende optimistische Prognose.

  2. Pingback: Afrika und Europa: Auf dem Weg zum afrikanischen Binnenmarkt. Von Gérard Bökenkamp | Open Europe Berlin

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