Lohnhöhe: Der taz geht ein Licht auf

Gérard Bökenkamp

Land auf, Land ab, kritisiert die Linke die Niedriglöhne und fordert Mindestlöhne. Unternehmen werden für die schlechte Entlohnung an den Pranger gestellt. Die Argumente, dass hohe Löhne zu weniger Beschäftigung führen, werden nicht akzeptiert und vom Tisch gewischt.

Anders sieht es aber aus, wenn es um die Entlohnung der eigenen Mitarbeiter geht. So bezahlt etwa die linke Tageszeitung taz ihr Mitarbeiter selbst unter Tarif.  Der Geschäftsführer der taz Karl-Heinz Ruch begründete die niedrige Entlohnung von taz Mitarbeitern so:

„Würde die taz bei diesen (den Gehältern, Anm.d.Red.) marktüblich, also nach den geltenden Tarifverträgen der Gewerkschaften, zahlen, könnte sie nicht mehr so viele MitarbeiterInnen beschäftigen, müsste Stellen reduzieren und damit sicher auch ihre publizistische Qualität“.

Diese Begründung ist nachvollziehbar, sie steht aber der ganzen Kritik an niedrigen Löhnen in anderen Bereichen entgegen. Denn was für die taz gilt, das gilt betriebswirtschaftlich auch für andere Unternehmen. Es ist schwer einzusehen, warum das Argument, das für eine Tageszeitung Gültigkeit besitzt, nicht auch für Friseure, Paketzusteller, Reinigungsfirmen und Wachschutzunternehmen zu treffen soll.

Information:

Meedia.de: Warum taz-Mitarbeiter so schlecht verdienen

Werbeanzeigen

3 Antworten zu “Lohnhöhe: Der taz geht ein Licht auf

  1. „Wenn wir diese Chuzpe nicht hätten, uns ständig zum Beispiel gegen die sogenannten Gesetze des Marktes zur Wehr zu setzen, dann wären wir schon längst tot.“ (Bascha Mika)

  2. Ganz ähnliche Erkenntnisse ersprießen den Gewerkschaften stets dann, wenn es um die Bezahlung ihrer eigenen Mitarbeiter geht – sei es in ihren Unternehmen oder eigenen Arbeitsstrukturen.

    Auch die Unternehmen der SPD etwa mühen sich redlich darum, ihre (zu) teuren Mitarbeiter möglichst schnell loszuwerden, wenn´s Wasser wegen des üblichen schlechten Wirtschaftens mal wieder am Hals steht.

    Das alles ist nicht neu, wird aber allseits um des wahlnotwendigen Populismus willen offiziell unter den Teppich gekehrt.

  3. Gutartiges Geschwulst

    Der Artikel erinnert mich an Fernsehsender, wie ARD und ZDF, die kübelweise ihre Herzjauche verschütten, wenn´s darum geht soziales Unrecht anzuprangern, denen es aber vollkommen gleichgültig ist, dass im unmittelbaren Umfeld ihrer eigenen Sendetätigkeit die selben Zustände herrschen.
    Hier werden nämlich, seit mehr als vier Jahrzehnten, genau jene ausbeuterischen Arbeitsbedingungen praktiziert, die unsere scheinheiligen TV-Journatollahs Firmen anlasten, wie z. B. Amazon oder Red Bull.
    Obwohl mit dem Geld der Gebührenzahler reichlich genug versorgt, um nahezu jede Sendeminute eigenständig zu erstellen, vergeben die öffentlich-rechtfreien Fernsehanstalten, spätestens seit Mitte der 1960ger Jahre, einen großen Teil ihrer Produktionen an freie Gesellschaften, heutzutage Subunternehmen genannt.
    Damit gehören gerade ARD und ZDF zu den Wegbereitern jenes Unheils, welches sie andererseits heuchlerisch beklagen.
    Jeder, der die Szene kennt, wird bestätigen, dass zahlreiche dieser Produktionsfirmen die Arbeitskraft ihrer Beschäftigten hemmungslos ausbeuten.
    Hauptsächlich Assistenten und Praktikanten werden, trotz 16-Stundentagen sowie Nacht- und Wochenend-Arbeit, mit Niedrigstlöhnen abgespeist, sofern sie ihre Gagen überhaupt erhalten, was allzu häufig nicht der Fall ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s