Margaret Thatcher und der Klimawandel

Steffen Hentrich

In Diskussionen um die Geschichte der Klimapolitik nimmt Margaret Thatcher oft eine prominente Stelle ein. Ihr wird nachgesagt maßgeblich dazu beigetragen zu haben, dass die Klimapolitik heute einen so großen Stellenwert in der nationalen und internationalen Umweltpolitik einnimmt. Tatsächlich, so schreibt Robert Bradley Jr. bei Master Resource, kam ihr die in den achtziger Jahren aufkommende Klimadebatte gerade Recht, als es darum ging die Macht der Gewerkschaften im damals noch nicht privatisierten britischen Kohlebergbau zu brechen. Zudem schien ihr der Einsatz für eine internationale Klimapolitik hilfreich ihre politische Präferenz für die Kernenergie zu untermauern und dem Druck einflussreicher Berater aus dem Lager der Klimaalarmisten ein Ventil zu geben. Doch schon einige Jahre nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt des britischen Premierministers machte sie von der neu gewonnen politischen Freiheit Gebrauch, warf die Fesseln der Realpolitik ab und änderte unter dem Einfluss der Erfahrungen der wissenschaftlichen Debatte um den Klimawandel und der realen Klimapolitik ihre Position zur Klimapolitik. Dem verlieh sie später in ihrem Buch Statecraft: Strategies for a Changing World unverblümt Ausdruck, indem sie die Gründe für die politische Popularität des Klimawandels beschrieb und sich über Maßlosigkeit der klimapolitischen Rhetorik beschwerte: Ersten sei die wissenschaftlichen Hintergründe des Klimawandels so kompliziert, dass es nicht einfach sei die These von der menschengemachten Klimakatastrophe zu widerlegen, zweitens wäre das Wetter von hoher emotionaler Bedeutung für die Menschen, jedes Gespräch zwischen Briten würde mit diesem Thema beginnen, und drittens wäre eine zwangsläufig notwendige globale Bekämpfung des Klimawandels die ideale Ausrede für eine weltweite, supra-nationale Planwirtschaft.  Alarmistische Äußerungen von Politikern wie Bill Clinton, Al Gore oder der damalige britische Außenminister Robin Cook würden zeigen, wie sehr sich das Dogma der Klimakatastrophe in der linksliberalen politischen Klasse verfestigt hätte.

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Eine Antwort zu “Margaret Thatcher und der Klimawandel

  1. Thatcher war naturwissenschaftlich ausgebildet. Hinsichtlich der Klimadebatten konnte sie auf dieses Wissen zurückgreifen und tat das auch.
    Als Juristin, die sie ja auch war, hatte sie gelernt, ihre Umgebung einzuschätzen und sich entsprechend aufzustellen.
    Sie hatte sicher erkannt, dass sich die Politik vor allem darin auszeichnet, Befindlichkeiten zu transportieren. Realistisches und fundiertes Denken ist in solchen Kreisen eher äußerst rar. Das aber war genau das Denken, das sie vertrat. Sie wollte sich nie verbiegen lassen, sondern maß ihre Entscheidungen an begründeten Einsichten. Das machte sie natürlich in politischen Kreisen nicht gerade beliebt. Genau daran aber lag ihr auch nichts. Sie wollte etwas bewirken und hielt damit keineswegs hinter dem Berg. Bekannt ihr Ausspruch (1976) „We want our money back“, der eindeutig belegt, dass ihr Handeln äußerst rational und langfristig denkend angelegt war.
    Gerade heute muss man erkennen, dass sie mit ihren Prognosen durchaus richtig lag.
    In gewisser Weise teilt sie das Schicksal Bismarcks. So wie dessen Nachfolger seine Politik und die dieser Politik zugrunde liegenden Ideen nicht verstanden hatten, so lässt sich das auf Thatcher, soweit es die Bürger, aber, anders als in Deutschland, nicht die Politik (Blair) betrifft, übertragen.
    Beiden war klar, dass Bürger sehr selbstbezogen denken und handeln. Einen Gesamtzusammenhang können sie großenteils nicht erkennen und wollen es auch gar nicht. Sie leben dem Augenblick, die Zukunft ist morgen und nur insoweit relevant, als sie die eigene Person und allenfalls das unmittelbare Umfeld betrifft. So komplexe Vorstellungen, wie sie Bismarck und eben auch Thatcher hatten, sind ihnen fremd. In der Politik muss man dieses fremd schon mit suspect ersetzen. Bestes Beispiel dafür ist die Kanzlerin, aber nicht nur sie. Im Gegensatz zu Thatcher ist sie eine angepasste Opportunistin, die den Weg des Augenblicks und des geringsten Widerstands geht. Merkel hat keine Vorstellung, wie ein Land wie die Bundesrepublik nach der gültigen Verfassung (dem Grundgesetz) auszusehen hat. Ihr Aktionismus ist dem Moment gewidmet, ob es die Atomkraft war, ob es die Finanzkrise ist, nie lässt sie Gestaltungswillen erkennen. Auch die sogenannte positive wirtschaftliche Situation ist nicht auf sie zurückzuführen, sie hat sie von Schröder geerbt.
    Wer die wirtschaftliche Situation Großbritanniens in der Vor-Thatcher-Zeit noch kennt, der weiß, dass das Land damals am Abgrund stand. Das, was heute – selbst in England – oft unterstellt wird, Thatcher habe das Land ruiniert, ist eine blanke Lüge. Solche Leute verkennen im übrigen, dass selbst Blair kaum irgendwelche Retuschen an Thatchers Maßnahmen ausgeführt hat, wissend, dass ein Zurück überhaupt nicht möglich war, ohne den Staat endgültig in die Bedeutungslosigkeit zu führen.
    In einem Satz: Thatcher war für Großbritannien ein Glücksfall.

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