Die Petition der Buchverkäufer

Steffen Hentrich

Die Petition der Kerzenmacher des französischen Nationalökonomen Frederic Bastiat, in der die Fabrikanten von allerlei Leuchtmittel den Staat zum Schutz vor der Konkurrenz durch die Sonne aufrufen, ist auch nach mehr als 150 Jahren noch aktuell. Schließlich gibt es immer wieder Wirtschaftszweige und Interessengruppen, denen Wettbewerb und technischer Fortschritt kräftig gegen den Strich gehen. So erst wieder kürzlich, als eine Verlosung von drei Kindle-E-Book-Readern der Firma Amazon nebst Büchergutscheinen durch die Sparkasse auf den Widerstand von Buchhändlern und Buy-Local-Aktivisten stieß. Statt auf die zunehmende Digitalisierung von Büchern mit einer Anpassung an die veränderten Marktbedingungen zu reagieren und sich auf die Vorteile des klassischen Buchhandels für bestimmte Zielgruppen zu konzentrieren, versucht man die Entwicklung durch Polemik aufzuhalten. Dabei bedienen sich die Wirtschaftsinteressen des Buchhandels der Buy-Local-Bewegung als nützliche Idioten, die glauben eine räumliche Konzentration von Wertschöpfung würde gegenüber einer globalisierten Arbeitsteilung irgendwelche Vorteile bringen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Mehr Spezialisierung und eine Vergrößerung des Marktes erhöht die Produktivität und damit auch die Effizienz der eingesetzten Produktionsfaktoren. Die Entwicklung von E-Books ist das beste Beispiel dafür. Es mag sein, dass der klassische Buchhandel diese Entwicklung langfristig nicht überlebt, doch bedeutet das nicht, dass lokale Wirtschaftsstrukturen dadurch Schaden erleiden. Verkäufer von Büchern können sich ebenso nach anderen Beschäftigungen umsehen, wie Generationen von obsoleten Berufszweigen vor ihnen. Jede Kommune, die sich durch Produktion, Dienstleistungen und Handel an globalen Märkten beteiligt, steht besser da als Ortschaften, deren Subsistenzwirtschaft an den Ortsgrenzen aufhört. Oder trägt etwa der ortsansässige Softwareunternehmer, der seine Dienstleistungen an Online-Handelsplattformen verkauft, nicht genauso zur lokalen Wertschöpfung bei wie der Schuster, der ausschließlich die Schuhe Ortsansässiger repariert? Also muss es vor Ort auch jemanden geben, der Produkte bei Online-Anbietern wie Amazon kauft, die ja den örtlichen Software-Anbieter mit mit Aufträgen versorgen. Scheuklappen-Polemik gegen Wettbewerb bringt vielleicht ein gute Presse, aber sicherlich keine solide kommunale Wirtschaftsentwicklung. Man sollte den Sparkassen dankbar sein, dass sie Geschäftssinn mit Fortschritt verbinden.

Das passende Kapitel aus Die Abenteuer des Jonathan Gullible gibt es dazu auch:

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