Mindestlohn stellt Geringverdiener nicht besser

Gérard Bökenkamp

Norbert Berthold hat in einem kompakten Beitrag auf dem Blog Wirtschaftliche Freiheit die zentralen Argumente gegen die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohnes dargelegt.

Er macht darauf aufmerksam, dass faktisch bereits ein Mindestlohn existiert und zwar in Form des ALG II, durch das die soziale Grundabsicherung gewährleistet ist. „Das ALG II ist der Nagel an dem die qualifikatorische Lohnstruktur aufgehängt ist.“ Der Anteil der Arbeitnehmer, die mit gering bezahlter Arbeit deshalb nur ein Zusatzeinkommen für einen Haushalt erwirtschaften, dessen Haushaltseinkommen oberhalb des Existenzminimums liegt, ist dem entsprechend groß.

Arbeitnehmer, die für einen Lohn, der unterhalb des ALG II liegt, arbeiten, erhalten einen Lohnzuschuss. Das ist auch der Grund, warum ein Mindestlohn nicht unbedingt zu einem höheren Einkommen für die betreffenden Arbeitnehmer führen dürfte. Höhere Mindestlöhne würden nämlich auf das ALG II angerechnet und damit die zusätzlichen Lohnzahlungen wieder abgezogen. Bei einer Anhebung des Lohnes von 5 Euro auf 7,5, also um immerhin fünfzig Prozent, würde sich deshalb das zur Verfügung stehende Nettoeinkommen des Arbeitnehmers nur um vier Prozent erhöhen.

Die Lohnkosten steigen also durch einen Mindestlohn erheblich, ohne dass sich das auf das Nettoeinkommen des Arbeitnehmers wesentlich auswirkt. Dem geringfügigen Mehrverdienst der für die im Niedriglohnsektor beschäftigen Arbeitnehmer steht ein höheres Risiko des Jobverlustes gegenüber.

Der Mindestlohn würde vor allem die Kosten für kleine Unternehmen erhöhen. 45 Prozent der Niedriglöhne sind in Unternehmern mit weniger als 20 Beschäftigten tätig. Um ihre Wettbewerbsposition nicht zu gefährden, müsste bei Einführung eines Mindestlohnes entweder die Arbeitsleistung der Arbeitnehmer gesteigert werden, oder unter der Hand würden mehr unbezahlte Überstunden eingefordert oder andere Lohnbestandteile wie Urlaubs-, Weihnachtsgeld und Lohnzuschläge würden gekürzt. Die anderen Alternativen zur Entlassung bestehen darin, entweder die Löhne der besser verdienenden Arbeitnehmer in dem Betrieb zu kürzen oder die Mehrkosten auf die Preise umzulegen. Die Preiserhöhungen würden aber besonders geringverdienende Arbeitnehmer treffen, weil diese stärker als andere Konsumenten preiswerte Güter und Dienstleistungen in Anspruch nehmen, die von einfacher Arbeit abhängen.

Um auch den gering entlohnten Arbeitnehmern ein Mindesteinkommen zu sichern sei der Mindestlohn deshalb ungeeignet. Geeigneter ist ein sozialpolitisches Instrument, dass nicht die Marktpreise verzerrt, sondern direkte Zuschüsse gewährt und über das allgemeine Steueraufkommen finanziert wird, so dass auch die hohen Einkommen an der Finanzierung entsprechend beteiligt sind.

Werbeanzeigen

2 Antworten zu “Mindestlohn stellt Geringverdiener nicht besser

  1. Da bin ich sprachlos.
    Wo kommt denn das ALGII-Geld her?
    Selten solch einen Blödsinn gelesen.

  2. Man kann es drehen und wenden, wie man will – oder wie „sokrates“ einfach ignorieren:
    Jeder gesetzliche Mindestlohn, egal in welcher Höhe, ist unerläßlich kontraproduktiv, kurz-, mittel- und langfristig.

    Nicht nur erhöht er zwingend die Sockelarbeitsosigkeit, was sich an Statistiken über die tatsächliche Entwicklung derselben ablesen läßt, er ist auch hinderlich für die Entwicklung, den Fortschritt im Lande, weil auf diese Weise – neben weiteren Blödsinnigkeiten – die Unternehmen kleinen, mittleren und schließlich größeren Kalibers gewisse Arbeit nicht mehr im Lande ausführen lassen können und auslagern. Adam Riese läßt sich eben auf Dauer nicht aus der Kalkulation verbannen.

    Diesem Vorgang folgt logischerweise das Unternehmen insgesamt, denn weitere Dummheiten wären zu erwarten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s