Wahlentscheidungen: Es gibt keine Leihstimmen

Gérard Bökenkamp

Der Blogger Zettel hat in einem ausführlichen Beitrag dargelegt, warum der Begriff Leihstimmen unangebracht ist. Der Autor kritisiert die Art und Weise, wie der Begriff in Bezug auf die FDP am gestrigen Wahlabend verwendet wurde:

„Der FDP die klare Programmatik, die Inhalte abzusprechen ist perfide. Zu behaupten, sie hätte sich durch ihren gestrigen Wahlerfolg „degradieren lassen“, ist bösartig. Und vor allem zeugt es von einem bemerkenswerten Mangel an analytischer Klarheit.“

Zettel beschreibt das Zustandekommen von Wahlentscheidungen als die Summe von Präferenzen und Abwägungen des einzelnen Wählers. Es fließen sowohl inhaltliche Überzeugungen, als auch taktische Überlegungen mit ein.

„Da wurde nicht mehr „geliehen“ als bei jeder Stimmabgabe. Wer der FDP nicht vertraute, wer ihr nicht zustimmte, der wird sie auch nicht gewählt haben. Das Ziel war ja ein Fortbestehen von Schwarzgelb; also eine FDP in der Regierungsverantwortung. Nur daß die Zustimmung zur CDU bei diesen Wählern eben noch größer war als die zur FDP.“

Zettel grenzt die Entscheidung für eine Koalition ab, von einer wirklich rein taktisch motivierten Wahlentscheidung:

„Ein wirklich „taktisches“ Wählen liegt dann vor, wenn jemand, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, eine Partei wählt, mit der er überhaupt nicht übereinstimmt. Angenommen, die Kommunisten hätten in den Umfragen vor den kommenden Bundestagswahlen Werte knapp unter 5 Prozent. Dann könnte jemand, der unbedingt eine Große Koalition will, die Partei „Die Linke“ wählen, um zu erreichen, daß weder Schwarzgelb noch Rotgrün eine Mehrheit hat und nur eine Große Koalition bleibt.“

„Aber wenn sich jemand unter Berücksichtigung der politischen Folgen nicht für die erste, sondern für die zweite Partei in seiner Präferenzliste entscheidet, dann ist das weder Taktik, noch liefert er eine „Leihstimme“ ab. Er verhält sich nur rational.“

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4 Antworten zu “Wahlentscheidungen: Es gibt keine Leihstimmen

  1. Die Leihstimmenlüge ist der letzte Strohhalm, an den sich die Medien angesichts des unerwarteten Wahlerfolgs der FDP noch klammern können.

  2. Schön und gut.
    Wie man das Kind nun nennen will, ist eigentlich egal, solange es denn funktionierte.

    Niedersachsen ist insofern ein schlechtes Beispiel, weil bei dieser Wahl die FDP zwar wieder ein wenig an wahrem Wert gewann, dennoch aus der Regierung flog.

    Daraus läßt sich nur schließen, daß die FDP alles daran setzen sollte, alleine regieren zu können und sowohl SPD als auch CDU neben all dem anderen Gemülle auf die denen zustehenden Plätze – möglichst nahe 5% – zu verweisen.

    Natürlich ist das nicht leicht. Allerdings gäbe Tradition, Programmatik und Argumentation das her – sofern all dies und auch der Personalbestand (sehr viel) stärker auf Durchsetzung getrimmt wäre.

    Die Rückabwicklung des Euro rsp. der deutsche Austritt aus der Währungsunion muß ja nicht das einzige politische Ziel sein, würde die FDP jedoch in jedem Falle den 50% näherbringen als den 5%.

  3. Die sogenannten Leihstimmen sind weiter nichts als Wahlbetrug und sollte mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bestraft werden,denn das ganze ist eine Massenverarschung gegenüber dem normalen Wähler/Bürger der eine so gewissenlose Methode zur Machterhaltung Schwarz-Gelb ganz gewiß nicht verdient hat.Aber,das ist nicht neu,das unsere Regierenden allesamt machthungrig,geldgierig und korrupt sind,sie gehen sogar schon auf die eigenen Parteimitstreiter ohne Rücksicht auf Verluste los!Armes Deutschland!!!!!

  4. > eine Massenverarschung gegenüber dem
    > normalen Wähler/Bürger
    Bloß weil man das Wahlsystem nicht verstanden hat, ist man noch lange kein „normaler Wähler“.
    Die meisten Wähler verstehen das mit Erst- und Zweitstimme und fühlen sich deswegen auch nicht verarscht.

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